Hortonworks und die Suche nach dem heiligen Gral

November 6, 2017

 

Vor einige Monaten hatte ich Euch hier im Blog erstmals die Softwarefirma Hortonworks vorgestellt. Das ist eine Aktie in meinem Portfolio, welche außerhalb der IT-Branche noch ziemlich unbekannt ist. Im deutschsprachigen Internet findet sich daher bisher auch kaum eine Diskussion der Hortonworks Aktie.

 

Mein Beitrag vom August 2017 zum Thema Hortonworks - Antizyklisch in grüne Elefanten investieren ist aber durchaus noch aktuell. Wenn Du ihn noch nicht gelesen hast, dann solltest Du das jetzt als Einführung in diese spannende Investment Story bitte nachholen ;-)

 

Heute möchte ich Euch - wenige Tage nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen zum 3. Quartal 2017 - nochmals auf die Entwicklung rund um Hortonworks hinweisen und einige Gedanken weiter vertiefen.

 

Buzzword-Bingo

Big Data ist ja erstmal ein fürchterliches Buzzword in der IT-Szene, das keiner so richtig definieren kann. Fakt ist jedenfalls, dass die wichtigsten Zukunftstrends in der IT allesamt die Verwaltung von immer größer werdenden Datenmengen verlangen.

 

Hortonworks als Datenmanagement-Plattform ist wohl DAS Big Data Unternehmen schlechthin, da es vom Marktwachstum all dieser Trends wie Cloud-Computing, IoT (Internet of Things),  Business Analytics sowie AI (Artificial Intelligence) profitiert. 

 

Der adressierbare Markt wächst und wächst

Darin liegt m.E. der besondere Charme der Hortonworks-Aktie. Man investiert hier nicht nur in einen einzigen Trend, sondern Hortonworks profitiert gleich mehrfach. Daher sollte das Wachstum des adressierbaren Marktes (TAM = Total Adressable Market) für das Unternehmen in jedem Fall gesichert sein.

 

Selbst wenn man heute noch nicht sagen kann, welche Trends letztendlich wirklich zu Massenmärkten werden und welche sich evtl. weniger gut entwickeln als von den Analysten heute vorhergesagt.

 

2013 - Das One-Trick-Pony

Noch vor gut 3-4 Jahren war Hortonworks ein typisches Ein-Produkt-Untenehmen und hat sich vollständig auf die Hortonworks Data Platform (HDP) auf der Basis der Open Source Software Apache Hadoop konzentriert ("Data at Rest").

 

Im Silicon Valley werden solche Ein-Produkt-Unternehmen gerne auch als One-Trick-Pony belächelt und nicht besonders ernstgenommen, da diese Companies auf Gedeih und Verderb vom Erfolg ihres einzigen Produktes abhängig sind. 

 

2015 - Data in Motion

Seit 2015 hat das Unternehmen dann sehr erfolgreich die Hortonworks Data Flow (HDF) Plattform am Markt eingeführt, welche zusätzlich die Verwaltung von weiteren Echtzeit-Datentypen ermöglicht, die ihren Ursprung typischerweise außerhalb des Unternehmens haben ("Data in Motion“).

 

Der Finanzmarkt war zunächst skeptisch aufgrund der mangelnden Integration der beiden Plattformen. Aber das HDF-Produkt hat die Kunden offenbar überzeugt. Zumindest gelingt es Hortonworks aktuell bei 75% der größeren Deals (über $1 Mio Volumen) beide Produkte HDP und HDF zu verkaufen.

 

2017 - Betriebssystem für globale Rechenzentren

Nun geht man ganz aktuell in 2017 den nächsten Schritt und hat ein weiteres Produkt angekündigt: den Hortonworks DataPlane Service. Diese Komponente liegt als Management-Schicht über HDP und HDF und soll die sichere Verwaltung der verschiedensten Datentypen ermöglichen - und zwar über die unterschiedlichsten Datenspeicher und Deployment-Methoden hinweg.

 

Ganz egal ob die Daten im eigenen Rechenzentrum (on premises) oder teilweise in der Cloud (hybrid cloud) oder sogar bei verschiedenen Cloud-Providern (multi-cloud) gespeichert werden. So lauten zumindest die blumigen Marketingaussagen von Hortonworks. 

 

 

 

Der heilige Gral?

Das klingt erstmal nach dem heiligen Gral für die Betreiber von modernen globalen Rechenzentren. Eine solche Software würde eine neue Kategorie von Werkzeugen für das Rechenzentrum begründen - soll heissen: so etwas gibt es heute noch nicht und es klingt für mich auch noch etwas nach Science Fiction ehrlich gesagt.

 

Was davon heute schon Realität ist bei Hortonworks und was mehr geschicktes Marketing-Getöse, das wird sich ab 2018 in den Zahlen zeigen.

 

Big Blue sollte helfen

Die Partnerschaft mit IBM könnte jedenfalls helfen, diese neuen Produkte auch bei den ganz ganz großen Kunden zu positionieren. Denn die handeln oftmals immer noch nach der Devise: „Nobody ever got fired for buying IBM“.

 

Die IBM hat wie kein anderes Unternehmen der Branche alle Möglichkeiten, solche kritischen Infrastrukturkomponenten erfolgreich zu verkaufen.  Und IBM meint es offenbar sehr ernst mit der Hortonworks-Partnerschaft.

 

Denn es handelt sich hier nicht nur um gemeinsame Marketing- und Vertriebsbemühungen, sondern IBM integriert die eigenen Komponenten mit (erheblichem?) Entwicklungsaufwand mit den Hortonworks Produkten. 

 

 

Der verbesserte Umsatzmix 

Die Hortonworks Zahlen zum 3. Quartal 2017 waren jedenfalls schonmal sehr gut und haben die Analysten und auch mich positiv überrascht.

 

45% Umsatzwachstum gegenüber Vorjahr sind gut. Noch viel besser ist allerdings, dass dieses Umsatzwachstum fast ausschliesslich aus den Software-Subskriptionen resultiert und nicht etwa aus den Dienstleistungen zur Implementierung der Software. So sind denn auch die Umsätze aus Softwaresubskriptionen im Q3 deutlich schneller mit 64% gegenüber dem Vorjahresquartal gewachsen. 

 

 

Diese gut planbaren wiederkehrenden Software-Umsätze sind es, die moderne Softwareunternehmen so teuer an der Börse machen. Damit hat Hortonworks also auch vom Geschäftsmodell her die Weichen gestellt für eine höhere Bewertung in der Zukunft.

 

Der Cashflow-Breakeven ist nah

Bisher hat Hortonworks jede Menge Geld "verbrannt“.  Das ist auch nicht ungewöhnlich für eine im Hypergrowth-Modus fahrende Softwarefirma, deren Umsatz von 2014 bis 2017 sich um mehr als den Faktor 5 vervielfacht hat. In 2017 dürfte der Umsatz $260 Mio. betragen, das ist eine Steigerung von mehr als 450% in nur 3 Jahren.

 

In dieser Unternehmensphase geht es ausschliesslich darum, Marktanteile zu gewinnen. An Profitabilität denken solche Unternehmen und ihre Investoren aus dem Silicon Valley erstmal nicht.

 

Doch nun verlangsamt sich das Wachstum auf „nur“ noch ca. 40% in 2017 und da wird es Zeit, langsam aber sicher in den Profitabilitäts-Modus zu schalten. Der erste Meilenstein auf diesem Weg ist der Cashflow-Breakeven. Und diesen wird man wohl im nächsten Quartal erreichen. Ab 2018 sollte dann kein Kapital mehr benötigt werden, um das weitere Wachstum zu stemmen.

 

Das ist ein großer Erfolg, zumal der Kapitalmarkt noch vor wenigen Quartalen davon ausgegangen ist, dass auf dem steinigen Weg zur Profitabilität eine weitere Kapitalerhöhung notwendig werden würde. Das hätte natürlich eine entsprechende Verwässerung der Hortonworks Aktionäre bedeutet. Das ist jetzt erstmal vom Tisch.

 

Die Bewertung der Aktie  

Der Enterprise Value von Hortonworks beträgt aktuell ca. $1,4 Mrd., das ist mehr als das 5-fache des Umsatzes. Die Hortonworks Aktie ist damit wahrlich kein Schnäppchen mehr - sie ist aber auch nicht hoffnungslos überbewertet wie etliche andere Softwaretitel.  

 

Die Aktie notiert derzeit um 18$ und damit immer noch weit unter den Kursen in der Zeit direkt nach dem IPO in 2014/2015. Aktuell sieht es danach aus als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis neue Höchstkurse über 27$ pro Aktie erreicht werden. 

 

Diese wären diesmal im Gegensatz zu 2014 auch fundamental nicht ungerechtfertigt. Denn in 2014 machte Hortonworks gerade mal $46 Mio. Umsatz und hatte dennoch schonmal eine Milliardenbewertung im damaligen Hype um Big Data-Unternehmen.  

 

Fazit

Auch nach einem Gewinn von aktuell über 140% seit meinem Einstieg für das High-Tech Stock Picking wikifolio im September 2016 denke ich aktuell nicht daran, meine bestehende Position an Hortonworks Aktien zu verkaufen. Erste Gewinne hatte ich ja im Juni 2017 schon realisiert.

 

Sollte es Hortonworks gelingen, die IBM Vertriebsmaschinerie erfolgreich in Gang zu setzen, dann könnte das Unternehmen in eine neue Dimension wachsen. Auch der Preis für eine Übernahme von Hortonworks z.B. durch IBM würde damit sicherlich deutlich steigen.

 

Dazu wird man allerdings wohl auch in den Wettbewerb mit Nutanix eintreten müssen, die ja von der Hardware-Seite her kommend ebenfalls versuchen, das Datenmanagement für die hybride Cloud zu übernehmen.  In diesem Artikel hatte ich Euch die Investment Story erzählt rund um Nutanix - das Betriebssystem für die hybride Cloud

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