5 Red Flags bei der Shop Apotheke Aktie

November 8, 2017

 

Mittlerweile habe ich Euch hier im Blog fast alle meine Investments aus dem High-Tech Stock Picking wikifolio in mindestens einem Beitrag näher vorgestellt. Es gibt lediglich zwei Ausnahmen und das sind zufällig die derzeit einzigen europäischen Unternehmen in meinem ansonsten sehr USA-lastigen Portfolio von Technologieaktien.

 

Die erste Ausnahme ist das italienische Unternehmen Gruppo Mutuionline aus dem Fintech-Bereich, dem ich bei nächster Gelegenheit sicherlich auch mal einen eigenen Beitrag widmen werde. 

 

Die zweite Ausnahme im Portfolio ist die Aktie der Shop Apotheke, in die ich kurz nach dem IPO Ende 2016 investiert hatte. Ich sage bewusst „hatte“, denn aus aktuellem Anlass habe ich gestern diese Position verkauft mit einem schönen Gewinn von über 100% innerhalb von 12 Monaten.

 

Was hat eine Versand-Apotheke in einem High-Tech-Portfolio zu suchen? 

 

„High-Tech Unternehmen" sind für mich alle Firmen, welche die Digitale Transformation mit gestalten und die Veränderungen in ihrer Branche mit Hilfe moderner Technologien vorantreiben. 

 

Ich möchte bewusst nicht nur Software- und Internetfirmen in meinem High-Tech-Portfolio haben. Sondern ich investiere auch gezielt in Unternehmen verschiedener Branchen, welche die neuen Technologien anwenden und so ein neues disruptives Geschäftsmodell entwickelt haben, welches ihren Markt entscheidend verändern kann.

 

Shop Apotheke passt als führende europäische Online-Apotheke natürlich prinzipiell gut in diese erweiterte Definition von „High-Tech-Unternehmen“ - denn gemeinsam mit dem grossen Konkurrenten Doc Morris mischen die den starren Apothekenmarkt ganz gehörig auf.

 

Historie der Shop Apotheke

"Die Versandapotheke wurde 2001 von Peter Weber und Stephan Weber als Onlineshop ihrer stationären Apotheke in Köln gegründet. Nach einer Änderung des OTC-Arzneimittelgesetzes im Jahr 2004 wurde der Versand nicht verschreibungspflichtiger Medikamente ermöglicht.

 

2010 wurde Shop Apotheke zunächst von Europa Apotheek Venlo übernommen, 2012 gingen Europa Apotheek und Shop Apotheke durch ein Management-Buy-out zurück an die Gründer. 

 

2015 wurde Shop Apotheke aus der Europa-Apotheek-Gruppe ausgegliedert. Seit Oktober 2016 ist Shop Apotheke börsennotiert.“

 

(Quelle: Wikipedia)

 

Die folgenden 5 Warnsignale ("Red Flags“) haben mich jetzt dazu veranlasst, die Reissleine zu ziehen und meine Aktien zu verkaufen:

 

1. Undurchsichtige Verflechtung von Shop Apotheke und Europa Apotheek

Shop Apotheke hat beschlossen, die Europa Apotheek nur 2 Jahre nach der eigenen Ausgliederung zu übernehmen und damit beide Unternehmen wieder zusammenzuführen.

 

Zum Hintergrund: In der Shop Apotheke werden verschreibungsfreie OTC-Medikamente verkauft. Demgegenüber betreibt die Europa Apotheek das Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien. Beide Unternehmen kombiniert werden vom Umsatz her die größte Online-Apotheke in Europa bilden, von daher ist das erstmal eine gute Story.

 

Aber mir gefällt das hin und her bzgl. der Unternehmensstruktur nicht.

 

Sicher hat es gute Gründe gegeben, das unkritische und aus meiner Sicht einfachere OTC-Geschäft in 2015 auszugliedern und alleine an die Börse zu bringen.

 

Nun entscheiden die gleichen Leute, dass nach dem sehr erfolgreichen IPO des OTC-Geschäftes ihr eigenes nicht börsennotiertes Unternehmen rund um die kritischen verschreibungspflichtigen Medikamente wieder eingegliedert wird. 

 

Für mich ist das alles sehr undurchsichtig und ein erstes Red Flag.

 

 

 

2. Die zugekauften Risiken

Es bestehen erhebliche politische Risiken in Deutschland für das gerade zugekaufte Online-Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten. 

 

Im schlimmsten Fall könnte eine zukünftige deutsche Regierung den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten komplett verbieten.  Damit wäre die Geschäftsgrundlage für den größten Teil des zugekauften Europa Apotheke Geschäftes entzogen.

 

Ich kann aus Sicht eines Kleinaktionärs der Shop Apotheke nicht verstehen, warum ich mir dieses Risiko einkaufen sollte in dieser unklaren politischen Situation ehrlich gesagt. Für mich ein dickes fettes Red Flag.

 

Hier die Darstellung des Unternehmens, das immerhin sehr offen und ehrlich mit diesem Risiko umgeht:

 

  • ... the German Federal Ministry of Health (BMG) provided a draft on the prohibition of the sale by mail order of Rx medications on 17 February 2017. After not having achieved a coalition´s majority, the proposal was not further pursued in the current legislative period of the German Federal Parliament.

  • On 24 September 2017, the Federal Parliament in Germany was elected. Therefore no further parliamentary action was taken during the last legislative period. Due to the principle of discontinuity the draft of the former ministry is expired.

  • Alternative measures have also been discussed at parliamentary level (but neither adopted), e.g. a bonus cap for Rx medications or a system of maximum prices for Rx medications.

  • There is a risk that one of these legislative actions will be started again within the current or a future legislative period. In particular the implementation of a prohibition of mail-order sales of Rx medications would have a massive material adverse effect on our business financial condition and results of operations, as we could no longer mail order Rx medications to German customers. The implementation of one of the alternative measures could also adversely affect our business 

Quelle: http://shop-apotheke-europe.com/investorrelations/restricted/pdf/2017_09_25-Shop_Apotheke-Roadshow-Creating_Europes_Largest_Online_Pharmacy.pdf

 

3. Die Profiteure der Übernahme

Die Akquisition der Europa Apotheek  wird finanziert durch einen Aktientausch auf Basis einer massiven Kapitalerhöhung der Shop Apotheke. Dazu werden fast 3 Mio. neue Aktien ausgegeben, das sind mehr als 30% der bisherigen gut 9 Mio. Aktien.

 

Auf Basis des aktuellen Aktienkurse von ca. 55€ wird die Europa Apotheek also mit über €160 Mio. bewertet. Das ist ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das zwar ca. €150 Mio. Umsatz macht, aber seit 2015 nicht mehr gewachsen ist und unterm Strich kein Geld verdient. 

 

Zunächst mal profitieren vor allem die Großaktionäre von dieser Übernahme, denn sie tauschen ihre nicht handelbaren Anteile am risikoreichen Geschäft der Europa Apotheek in börsennotierten Anteile der Shop Apotheke. Die könnten sie dann nach einer Mindesthaltefrist von 6 Monaten verkaufen. 

 

Das muss nichts Schlechtes für die Kleinaktionäre bedeuten, aber zumindest sind da Interessenskonflikte ziemlich wahrscheinlich.

 

Diese Vorteile der Großaktionäre sind für mich jedenfalls Red Flag Nummer 3.

 

 

 

4. Die Profitabilität des Geschäftsmodells

Bedenklich finde ich vor allem die sehr mageren Gross Margins bei Europa Apotheek, die deutlich unter denen der Shop Apotheke liegen.

 

 

Das kombinierte Geschäft wird zunächst mal Gross Margins von deutlich unter 20% haben. Da ist noch viel Luft nach oben… wenn man es positiv ausdrücken will. 

 

Für mich ist diese magere Gross Margin jedenfalls  erstmal ein weiteres Red Flag.

 

Allerdings hat die Marktposition des kombinierten Unternehmens als größte europäischen Online-Apotheke natürlich ihren Charme und sollte viele Wachstumschancen und Synergieeffekte eröffnen.

 

Ich sehe da vor allem die Chance auf beeindruckendes Umsatzwachstum. Ob eine Gelddruckmaschine daraus werden kann, das ist aber zumindest eine Herausforderung für das Management angesichts dieser Gross Margins. 

 

5. Der rasante Kursanstieg

Natürlich freue ich mich, dass ich mit der Shop Apotheke in nur 12 Monaten einen Gewinn von über 100% für das High-Tech Stock Picking wikifolio realisiert habe.

 

Aber ehrlich gesagt ging mir dieser Kursanstieg viel zu schnell und ich habe den Eindruck als ob er getragen wird von den Käufen der Kleinaktionäre, die durch die Kaufempfehlungen in Börsenmagazinen wie „Der Aktionär“ angelockt wurden.

 

Derartiges "Pushen" eines Nebenwertes in reichweitestarken Börsenmedien ist für mich grundsätzlich ein zusätzliches Red Flag.

 

Dafür kann natürlich das Unternehmen nichts. Und ich würde auch nicht nur wegen einiger positiver Medienberichte eine Aktie verkaufen. Aber ich fühle mich als Antizykliker generell einfach unwohl bei solchen Berichten... 

 

Fazit

Ich werde aufgrund der Vielzahl dieser Warnsignale jetzt  erstmal von der Seitenlinie zuschauen wie sich die Shop Apotheke weiter entwickelt. Eventuell bin ich hier viel zu vorsichtig, das wird die Zukunft zeigen. Aber man kann nicht auf jeder Party bis zum Ende dabei sein...

 

Eine Vielzahl solcher Red Flags sind für mich grundsätzlich ein klares Signal zum Ausstieg ganz egal ob ich mit einer Position 100% Gewinn oder 50% Verlust gemacht habe. Das ist einfach ein fester Bestandteil meiner Anlagestrategie. In diesem Fall fällt der Abschied von der Aktie natürlich leicht, da er durch die Gewinnrealisierung versüsst wird.  

 

Wenn Du mehr über meine Anlagestrategie erfahren willst, dann solltest Du hier weiterlesen:  Der Tornado als Signal zum Einstieg - Grundlagen des High-Tech-Investing

 

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