Mein Ausflug in die Welt der Profi-Investoren

November 29, 2017

 

Vor 2 Wochen hatte ich die Gelegenheit anlässlich der "World of Trading" Messe meinen Ausflug in die Welt der Daytrader zu unternehmen. Nun habe ich auch gerne die Gelegenheit genutzt, nur wenige Kilometer entfernt erstmals beim Deutschen Eigenkapitalforum 2017 in Frankfurt dabei zu sein. 

 

Unternehmer treffen Investoren

Diese Investorenkonferenz ist jährlich die größte Zusammenkunft der Eigenkapitalgeber für kleinere und mittelgroße börsennotierte Aktiengesellschaften in Deutschland. Über 200 Gesellschaften nutzen diese Chance, sich den Investoren zu präsentieren. Für die Investoren ist diese Konferenz die einmalige Gelegenheit, innerhalb kürzester Zeit an 3 Tagen eine Vielzahl von Vorständen und Investor Relations Verantwortlichen persönlich zu treffen.

 

Das Eigenkapitalforum ist ein voller Erfolg

Ich bin ja erst seit 2017 als Full-Time-Investor aktiv und war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Zunächst mal war ich beeindruckt wie ausnehmend gut besucht diese Konferenz war. Die Präsentationen waren fast alle sehr gut nachgefragt, einige Räume waren gar überfüllt.

 

 

Das riesengroße Interesse an dieser Konferenz zeigt mir, dass deutsche Nebenwerte wirklich angesagt sind in der Investoren-Community - natürlich nicht zuletzt aufgrund der überragenden Performance in den vergangenen Jahren.

 

Die Outperformance der Nebenwerte

So hat in den vergangenen 3 Jahren der aus deutschen Nebenwerten bestehende SDAX Index um über 67% zugelegt und damit den DAX deutlich outperformt. Denn der DAX-Index für deutsche Standardwerte ist in diesem Zeitraum "nur" um ca. 30% gestiegen.

 

 

Mein Blick auf die deutsche Softwarebranche

Ich habe mir unter den fast 200 Präsentationen auf dem Eigenkapitalforum natürlich die m.E. spannendsten High-Tech-Firmen rausgesucht mit einem klaren Schwerpunkt auf die Software- und Internetbranche. Insgesamt habe ich fast 20 Vorträge gehört und viele Einzelgespräche geführt.

 

Warum beschäftige ich mich so intensiv mit deutschen Nebenwerten? 

Wenn Du schon mal einen Blick auf die Zusammensetzung meines High-Tech Stock Picking wikifolio geworfen hast, so ist Dir sicher aufgefallen, dass sich darin momentan ein einziges europäisches Unternehmen befindet - die italienische Gruppo MutuiOnline.

 

Mein Ziel ist es, nach Möglichkeit dieses doch sehr USA-lastiges Portfolio an Technologieaktien etwas besser regional zu diversifizieren. Sehr gerne würde ich das ein oder andere Unternehmen aus meinem Heimatmarkt Deutschland hinzunehmen -

denn ein bisschen Patriotismus darf ruhig sein, oder?

 

Das ernüchternde Fazit

Aus diesem Grund suche ich aktiv nach spannenden Software/Internet-Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, die auch einem internationalen Vergleich standhalten. Aber mein bisheriges Fazit dieser Suche fällt ehrlich gesagt ziemlich ernüchternd aus.

 

Neben einigen wenigen wirklich spannenden Plattform-Stories (dazu kommen wir später...) habe ich auf dem Eigenkapitalforum viele Unternehmen gesehen, die ein solides und profitables Geschäft haben. Aber in den allermeisten Fällen werden diese Unternehmen viel zu teuer gehandelt gerade im Vergleich zu ihren doch begrenzten Wachstumsaussichten.

 

Die führenden deutschen Softwarefirmen sind oftmals lokale Champions in ihrer Nische, aber echte internationale Player mit globalen Wachstumschancen kann man wirklich an einer Hand abzählen.

 

Deutsche Technologieaktien sind aktuell sehr teuer

Insofern bin ich tatsächlich etwas enttäuscht. Als High-Growth-Investor habe ich nur sehr wenig interessante Möglichkeiten gefunden.

 

Aber auch mit der Brille eines Value-Investors gab es unter den soliden und moderat wachsenden Softwarefirmen eigentlich keine Schnäppchen zu finden. 

 

Soll heissen: deutsche Nebenwerte im Bereich Software/Internet sind m.E. generell sehr teuer momentan. Ich beobachte diese Branche nun schon seit vielen Jahren und habe den Eindruck, dass diese Unternehmen noch nie so teuer waren wie heute - und das bei oftmals beschränkter Wachstumsphantasie.

 

Wo sind die echten Disruptoren?

Was ich besonders vermisst habe, waren die jungen und dynamischen CEO’s, die mit einem wirklich disruptiven Geschäftsmodell und dem Selbstbewusstsein antreten, ihren Markt nachhaltig zu verändern.

Aber der deutsche Tech-Gründer Tobias Lütke z.B. ist halt leider nach Kanada ausgewandert und hat dort Shopify zu DEM Disruptor der E-Commerce-Software entwickelt mit einer Marktkapitalisierung von ca. $10 Mrd. Ganz aktuell gibt es im Manager Magazin einen Artikel über den deutsch-kanadischen Software-Milliardär. Hier auf dem High-Tech-Investing-Blog war Shopify ja auch schon in mehreren Beiträgen ein Thema.

 

Intershop - welch Kontrast zu Shopify...

Demgegenüber notiert hier in Deutschland im E-Commerce-Segment mit der Intershop-Aktie ein Überbleibsel vom Neuen Markt. Das Unternehmen versucht jetzt als Business Partner von Microsoft in der B2B-Nische des E-Commerce zu überleben.

 

Die Marktkapitalisierung von Intershop beträgt gerade mal €60 Mio. oder weniger als 1% von Shopify.  Und dieses Missverhältnis besteht nicht zu Unrecht. Die Intershop-Präsentation auf dem Eigenkapitalforum hat mich jedenfalls nicht überzeugt ehrlich gesagt.

 

Der schwierige Weg in die Cloud

Intershop war leider kein Einzelfall - viele der auf dem Eigenkapitalforum präsentierten Softwareunternehmen sind 20-30 Jahre alt und haben alle Hände voll damit zu tun, ihr ebenso altes Geschäftsmodell in die schöne neue "Software as a Service"-Welt (SaaS) zu transferieren. Da wird zwar überall von Cloud geredet, aber ein echtes multi-mandantenfähiges und hochskalierbares SaaS-Modell steckt in den wenigsten Fällen dahinter.

 

Das sind alles hochsolide Unternehmen, die noch immer mit 10-15% p.a. wachsen können über eine ganze Reihe von Jahren. Aber ich kann nicht erkennen wie diese Unternehmen in eine andere Dimension wachsen oder gar weltweit Erfolg haben könnten.

 

Die Oldtimer der Softwarebranche

In Anbetracht dieser beschränkten Wachstumsphantasie finde ich, dass die meisten dieser Firmen in den letzten 2-3 Jahren viel zu teuer geworden sind. Mensch und Maschine Software, USU Software, Atoss Software, Nexus, IVU Traffic Technologies, Reply SpA sind für mich alles Unternehmen in dieser Kategorie. Das sind alles super solide Unternehmen - aber wenn auch nicht unbedingt "angestaubt" dann sind sie doch zumindest etwas "angegraut". Jedenfalls sind das allesamt keine guten Investments für mich zu diesen Preisen.

 

Alles in allem erlebte ich also ziemlich viel Ernüchterung während meiner mehrtägigen Schnäppchen-Suche auf dem Eigenkapitalforum 2017.

 

Aber vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch? 

 

Warum gibt es an der deutschen Börse offenbar keine jungen wachstumsstarken Softwareunternehmen, die es mit den Companies aus dem Silicon Valley aufnehmen können?  

 

Sicherlich sind die Antworten auf diese Fragen (mindestens) einen eigenen Artikel wert...  aber vielleicht wollt Ihr Eure Meinung dazu auch in den Kommentaren hinterlassen? 

 

Die Hoffnungsträger

Glücklicherweise habe ich aber auf dem Eigenkapitalforum neben etlichen Enttäuschungen auch 3-4 spannende Unternehmen gefunden, die ein Investment wert sein könnten und die ich mir in den nächsten Wochen näher ansehen werde. 

 

Hierbei handelt es sich um Hypoport, JDC Group, Pantaflix und SNP Schneider-Neureither. Auch deren Aktien sind mehr oder weniger teuer - wie eben auch der Gesamtmarkt für deutsche Nebenwerte. Aber bei diesen Unternehmen sehe ich das Potential, mittelfristig in eine neue Dimension zu wachsen und den aktuellen Wert des Unternehmens deutlich zu steigern. Also werde ich da jetzt mal genauer hingucken - und dann in aller Ruhe über ein Investment entscheiden. 

 

Die FinTech-Group - ein gutes Langzeitinvestment

Einer der Höhepunkte dieser Investorenkonferenz war für mich die Präsentation der FinTech Group. Ich habe das Unternehmen ja schon seit geraumer Zeit mit schönem Gewinn in meinem Value-Aktien wikifolio Stock Picking nach Peter Lynch. 

 

Nach dem überzeugenden Vortrag des CFO Muhamad Chahrour fühle ich mich jetzt noch wohler mit meinem Investment trotz des schnellen Anstiegs der Aktie in den vergangenen Monaten.  Das Unternehmen hat die volle Kontrolle über eine moderne Banken-Technologie zu bieten und verfügt im B2C-Geschäft über eine Kostenstruktur, die dem Wettbewerb weit überlegen ist.

 

Das Geschäftsmodell der FinTech Group ist gut skalierbar, das ist also prinzipiell genau das, was ich als High-Tech-Investor suche. Ich denke die FinTech Group ist  auf jeden Fall einen eigenen Beitrag hier im High-Tech-Investing-Blog wert. 

 

Mein ganz persönliches Highlight

Neben dem offiziellen Teil hatte diese Konferenz für mich aber noch ein weiteres Highlight zu bieten: sehr gefreut habe ich mich über die erstmalige persönliche Begegnung mit einigen anderen erfahrenen Investoren, die ich schon lange aus dem Börsenforum www.stw-boerse.de kenne und schätze. 

 

Helmut mit seinem überragenden Musterdepot im langjährigen Depotvergleich und Hans-Jürgen aka Covacoro mit seinem Value-Investing-Blog sind zwei wunderbare Beispiele dafür, wie man als aktiver Privatanleger nachhaltig über Jahrzehnte hinweg deutlich besser abschneiden kann als ein passiver ETF-Investor - wenn man denn seine Hausaufgaben macht.  

 

Die Beiträge zu diesem immer wieder heiss diskutierten Thema "Aktives versus Passives Investieren" gehören zu den meistgelesenen Artikeln auf diesem Blog und ich möchte sie auch Dir ans Herz legen:

 

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