Party auf dem Pulverfass? Meine Eindrücke vom Fonds-Kongress 2018

January 26, 2018

 

 

Ich habe in dieser Woche zum ersten Mal den Fonds-Kongress in Mannheim besucht. Diese jährliche Veranstaltung ist das wohl größte Branchentreffen der Vermögensverwalter und Fondsmanager in Deutschland mit täglich ca. 6.000 Besuchern. Ich war zunächst mal überrascht über die schiere Größe dieses Events. Bedenkt man, dass dies eine reine B2B-Veranstaltung der Asset-Management-Branche ist, so ist mir erst so richtig bewusst geworden wie groß diese vermögensverwaltende Finanzindustrie in Deutschland ist.

 

Über 200 Aussteller laden auf diesem Kongress an ihre Stände ein und mehr als 200 Vorträge werden angeboten. Für mich war das eine wirklich hervorragende Möglichkeit, um mir aus erster Hand ein Bild von der aktuellen Stimmung der Kapitalmarktexperten zu machen. Vor allem aber konnte ich mir die verfügbaren Anlageprodukte zu meinem Thema der Digitalen Transformation einmal etwas näher ansehen.

 

Und selbstverständlich war es für mich als Neuling in der Profi-Finanzwelt sehr interessant, auch die ganz Großen dieser Industrie wie Dr. Jens Ehrhardt, Bert Flossbach, Klaus Kaldemorgen etc. einmal live zu erleben. Doch dazu später mehr. 

 

Robo-Advisor etablieren sich 

Spannend fand ich eine Diskussionsrunde verschiedener ETF-Anbieter zum Thema Robo-Advisor, die ja seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden spriessen. Dieser Trend wird also nicht nur forciert durch die Robo-Angebote verschiedener FinTech-StartUps wie Scalable Capital, sondern mittlerweile auch befeuert durch neue Angebote etablierter Vermögensverwaltung wie der Robo-Advisor truevest von Patriarch

 

Allerdings muss man schon genau aufpassen was dem Anleger unter dem Buzzword Robo-Advisor da jetzt so alles angeboten wird. Mit Künstlicher Intelligenz im eigentlichen Sinne hat das nämlich in den seltensten Fällen etwas zu tun. Die klassischen Vermögensverwalter nutzen ihre Art der Robos m.E. mehr als modernen zusätzlichen Vertriebskanal und um den durch MiFID II gerade nochmals verschärften Dokumentationspflichten Herr zu werden. Auf dem Fondskongress wurde den Vermögensverwaltern und Anlageberatern im Auditorium jedenfalls eindringlich versichert, dass sie auch im Zeitalter der Robos zukünftig NICHT arbeitslos werden. 😉

 

Die Party auf dem Pulverfass

Wirklich beeindruckt hat mich Frank Fischer vom Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen mit seinem Vortrag unter dem passenden Titel „Party auf dem Pulverfass“. Mit  seiner Art des Value Investing kann ich mich sehr gut identifizieren.  Er investiert mit seinen mittlerweile milliardenschweren Fonds sehr gerne in „eigentümergeführte" Unternehmen, die einen echten Burggraben haben und unter ihrem fairen Wert notieren.

 

Das kommt wahrscheinlich vielen von Euch ziemlich bekannt vor denke ich… 

 

Und tatsächlich gibt es viele Parallelen zu den Lehren von Buffet und Graham. Allerdings schafft es Frank Fischer m.E. besser als andere, die alten Prinzipien des Value-Investing auch auf Titel der New Economy anzuwenden. Und er schreckt mit seinem Team auch vor der Bewertung von spannenden Technologieaktien nicht zurück. Übrigens ist Frank Fischer „nebenbei“ auch noch Vorstand der börsennotierten Shareholder Value Beteiligungen AG, die sehr erfolgreich nach dem gleichen Konzept in Nebenwerte investiert.

 

Am Rande seines Vortrages hatte ich Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch und ich bin sehr beeindruckt  von der Bodenständigkeit, die sich Frank Fischer auch als „Starfondsmanager“ bewahrt hat. Er rät übrigens wie auch ich aktuell dazu, überdurchschnittlich viel Cash zu halten und geduldig auf bessere Kaufgelegenheiten zu warten. Solche Gespräche bestätigen mich natürlich darin, dass meine 30-35% Cashquote im High-Tech Stock Picking wikifolio durchaus Sinn macht, obwohl ich in 2017 damit eine noch bessere Performance „verschenkt“ habe. 

 

Der Sauren Fondsmanager-Gipfel 2018 

Vorsichtig optimistisch waren die Einschätzungen zum Börsenjahr 2018 beim Fondsmanager-Gipfel des Dachfondsmanagers Eckhard Sauren. Pessimistischer als die anderen äußerte sich allerdings Klaus Kaldemorgen.  Er meint, dass viele Anleger die Risiken nicht mehr sehen und erkennt die Anzeichen einer Blase in den USA.

 

Völlig unverständlich ist für ihn, dass alleine Apple und die Google-Mutter Alphabet soviel wert sind wie alle DAX-Werte zusammen. Mit dieser Einschätzung der Überbewertung der beiden Tech-Riesen habe ich so meine Probleme. Ich denke Herr Kaldemorgen tut sich schwer damit zu akzeptieren, dass Deutschland so gar keine Rolle spielt in der Welt der Digitalisierung. Und er unterschätzt damit m.E. (wie auch viele andere Finanzexperten) den Wert der Daten in unserer heutigen Gesellschaft. Denn diese Datenhoheit ermöglichen es den Tech-Riesen, auch in Zukunft in immer mehr Geschäftsfelder vorzudringen und neue Umsatzquellen zu erschliessen. Und das spiegelt sich m.E. zurecht in der Bewertung gerade von Apple und Alphabet wider.

 

Die anderen Teilnehmer dieser Diskussionsrunde waren zwar nicht sorglos, aber doch optimistischer für 2018 gestimmt. Ein Fondsmanager sagte in dieser Runde „Die Börsen sind langweilig geworden“ - und ein kleines bisschen habe ich ehrlich gesagt auch diesen Fondsmanager-Gipfel so empfunden. 

 

Die Deutschen kaufen lieber Bitcoin als Aktien

Einen wirklich tollen Vortrag hielt der Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran von der boomenden Fondsboutique Flossbach von Storch. Er geht davon aus, dass die Zinsen in Europa noch lange Zeit niedrig bleiben werden, obwohl die Inflation deutlich steigen wird. Das bedeutet dann deutlich negative Realrenditen, so dass die Anleger praktisch gezwungen sind, einen hohen Aktienanteil zu halten, selbst wenn sie „nur“ auf Kapitalerhalt aus sind.

 

Herr Vorndran hat sehr eindringlich die miserable Aktienkultur in Deutschland beklagt. Die führt nämlich dazu, dass wir Deutschen durchschnittlich sehr gut verdienen, aber das durchschnittliche Nettovermögen im weltweiten Vergleich längst nicht so wächst wie anderswo.

 

Aberwitzigerweise sieht es für ihn mittlerweile so aus, dass die Deutschen lieber Bitcoin als Aktien kaufen. Ich beobachte das ganz genauso und finde das sehr sehr traurig.  Ich  befürchte sogar, dass bei einem Crash des Bitcoins (den ich früher oder später erwarte) eine ganze Generation von Anlegern für den Kapitalmarkt verbrannt wird. Das wäre dann schon die zweite Generation, nachdem vor fast 20 Jahren das Blasen der Blase am Neuen Markt dafür sorgte, dass das langsam wachsende Pflänzchen der Aktienkultur schon einmal brutal niedergetrampelt wurde. 

 

Ich jedenfalls gelte bei vielen deutschen Bekannten als Spekulant und Zocker, sobald sie mitbekommen, dass ich an der Börse aktiv bin. In meinem internationalen Bekanntenkreis ist die Wahrnehmung da eine ganz andere.

 

Habt ihr da ähnliche Erfahrungen gemacht?

 

Der erste Schritt vom Sparer zum Investor

Flossbach von Storch meint, dass die Deutschen mit sicheren und preisgünstigen Anlageprodukten an den Kapitalmarkt herangeführt werden müssen. Aber ob ein Fonds mit einer Zielrendite von 1% p.a. nach Kosten und Inflation (Flossbach von Storch - der erste Schritt) eine Erfolgsstory wird? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich bin sicherlich auch nicht repräsentativ für den typischen deutschen Sparer… 😉

 

Übrigens wurde in mehreren Vorträgen deutlich, wie kostensensitiv die Anleger mittlerweile geworden sind. Viele Asset-Management-Gesellschaften haben erkannt, dass die aktiv gemanagten Anlageprodukte von der Gebührenstruktur her günstiger werden müssen, um erfolgreich zu sein. Auch Herr Vorndran sieht insbesondere die früher üblichen hohen Ausgabeaufschläge für den Vertrieb als nicht mehr zeitgemäss an. 

 

Blick über den Tellerrand: von Brexit und Eurokrise

Superspannend war auch der Vortrag von Prof. Dr. Hans-Werner Sinn zur allgemeinen Wirtschaftslage. Ich denke er gehört zurecht seit vielen Jahren zu den meistbeachteten Ökonomen Deutschlands. Ich jedenfalls könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er über die Folgen des Brexit referiert. Das grösste Risiko für die Wirtschaft in 2018 ist seiner Meinung nach die politische Entwicklung in Italien. Und ich glaube mit ihm, dass es nach den Wahlen in Italien im März turbulent an den Märkten werden könnte. Zumindest falls es dann wirklich Bestrebungen geben sollte, dort eine Parallelwährung neben dem Euro einzuführen.

 

Prof. Sinn hat auch eine einleuchtende Erklärung für die Abschaffung der 500 Euro - Banknoten  geliefert, die fast schon einer Verschwörungstheorie gleicht: Seiner Meinung nach kann die Europäische Zentralbank die Zinsen nur dann weiter in den negativen Bereich absenken, wenn es noch weniger attraktiv wird, Bargeld zu horten. Dies ist der Fall wenn die Lagerkosten von Bargeld steigen. Und genau das erreicht man natürlich, wenn zukünftig große Bargeldbestände in Form von 200 EUR Noten gelagert werden müssen, weil es keine 500 EUR Scheine mehr gibt. Ein sehr interessanter Gedanke wie ich finde….

 

Wenn man Prof. Sinn so zuhört und sich auf seine Gedanken einlässt, dann kann es einem wirklich Angst und Bange um den Euro werden.

 

Investieren in die Digitale Transformation

Aber natürlich habe ich mir auf dem Fonds-Kongress in den letzten Tagen nicht nur Promi-Vorträge angehört, sondern habe mich insbesondere darüber informiert, wie man als Anleger zielgerichtet in "mein" Thema der Digitalen Transformation investieren kann. Und tatsächlich gibt es mittlerweile auch einige aktiv gemanagte Fonds zum Thema Technologie bzw. Digitalisierung. 

 

Das Schwergewicht in diesem Bereich ist der über 2 Mrd. Euro schwere Pictet Digital-Fonds, der weltweit in Technologieaktien anlegt. Die Performance seit der Auflegung in 2008 betrug Ende 2017 ca. 300% (in USD). Das klingt erstmal beeindruckend, vor allem da der Fonds sich offiziell vergleicht mit dem MSCI World Index. Aber wenn man sich die größten Positionen in diesem Fonds so anschaut (z.B. Amazon, Google, Facebook, Salesforce, Apple, Microsoft), so wird klar, dass man den Fonds wohl eher mit dem NASDAQ 100 Index vergleichen sollte, der in dieser Zeit 450% gewonnen hat. Und unter diesem Blickwinkel ist das Ergebnis dieses Fonds dann doch eher ernüchternd.

 

Einen interessanten wesentlich kleineren Technologiefonds mit derzeit ca. 20 Mio Euro Volumen gibt es seit 2017 von Bantleon.  Das Besondere an diesem Fonds ist, dass er nicht nur von Finanzexperten verwaltet wird, sondern das der Fonds Beraterverträge mit 9 Professoren geschlossen hat, die dem Fonds beim frühzeitigen Erkennen von Technologietrends und auch beim Stock-Picking helfen sollen.

 

Ein interessanter Ansatz wie ich finde. Ich bin gespannt wie das in der Praxis funktionieren wird bei diesem noch jungen Fonds. Allerdings kommen diese Professoren allesamt aus dem deutschsprachigen Raum und ich befürchte daher etwas, dass da ein etwas einseitiges Weltbild durch die deutsche Akademikerbrille vorherrscht. Denn nicht immer gewinnt am Markt die beste Technologie oder der First Mover.

 

Daneben gibt es noch einige weitere Spezialfonds zu Modethemen wie Künstliche Intelligenz, Robotik oder auch Big Data von verschiedenen Anbietern. Bei solch eng angelegten Themen-Fonds bin ich allerdings generell skeptisch. Denn diese Fonds zu Modethemen vermarkten sich zwar leicht, aber es ist doch sehr schwer für die Fondsmanager hier attraktiv bewertete Anlagemöglichkeiten zu solchen Hype-Themen zu finden.  

 

Fazit

Es gibt also hierzulande durchaus einige Möglichkeiten, um mit einem aktiv gemanagten Anlageprodukt in die Digitale Transformation zu investieren. Von den mittlerweile zahlreichen investierbaren wikifolios zu diesem Thema ganz zu schweigen. 100%ig überzeugt bin ich aber von keinem dieser Fonds. Ich habe kein Produkt gefunden, das ich einem passiven NASDAQ ETF vorziehen würde ehrlich gesagt.

 

Aber wahrscheinlich hat hier im Blog ohnehin niemand von Euch eine Kaufempfehlung für einen Fonds von mir erwartet. Denn ich als überzeugter Stock-Picker bin halt grundsätzlich ein Fan von Einzelaktien. 

 

In meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich mal skizzieren wie aus meiner Sicht ein perfektes Anlageprodukt beschaffen sein muss, um damit umfassend in die Profiteure der Digitalisierung investieren zu können. Denn dabei geht es ja eigentlich um viel mehr als nur um die Technologieaktien im eigentlichen SInne.

 

Wenn Du Dir bis dahin einen Überblick verschaffen möchtest in welchen Titeln ich so investiert bin, dann empfehle ich Dir einen Blick in meine beiden investierbaren wikifolios  oder diesen Beitrag über den Doppelsieg beim INVESTORY-Wettbewerb um die besten Anlagestrategien im Schweizer Asset Manager Magazin. 

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