Der Hintergrund zum Crash der iRobot Aktie

February 9, 2018

 

Diejenigen unter Euch, die diesem Blog schon länger folgen, wissen vielleicht, dass ich in iRobot investiert bin. In dem Beitrag "iRobot: vom Katzen-Chauffeur zur Datenkrake" hatte ich vor ca. 6 Monaten den führenden Hersteller von Robotik-Haushaltsgeräten erstmals vorgestellt.

 

Falls Du auch Aktionär bei iRobot bist, so hast Du Dir sicherlich beim Blick auf den Aktienkurs  verwundert die Augen gerieben: -35% Kursverlust sind da in den letzten Tagen seit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2017 zu verzeichnen. Wenn Du auf die Zahlen geschaut hast, dann hast Du die wahrscheinlich wie auch ich als durchaus positiv wahrgenommen auf den ersten Blick.

 

Wie passt das zusammen? Mittlerweile habe ich mir diese Zahlen und den Analysten-Call dazu genauer angesehen - und ich möchte Euch meine Meinung über die Hintergründe für diesen echten Crash in der iRobot-Aktie natürlich nicht vorenthalten.

 

 

Die Rekord-Zahlen aus 2017

Erstaunlich ist, dass iRobot tatsächlich nicht etwa enttäuschende Zahlen für 2017 vorgelegt hat, die einen solchen Kurssturz rechtfertigen könnten. Im Gegenteil: das Umsatzwachstum hat sich mit +34% in 2017 deutlich beschleunigt gegenüber dem Vorjahr.  Insgesamt wurden die eigenen Erwartungen an das Geschäftsjahr 3-mal erhöht im Verlaufe von 2017.

 

Und nun hat man diese Erwartungen sogar noch übertroffen: Vor 12 Monaten hatte man für 2017 ein Wachstum von 17-19% angekündigt. Am Ende stand nun (allerdings auch begünstigt durch die Akquisitionen von zwei regionalen Vertriebspartnern) ein 34% Umsatzwachstum bei einem respektablen operativen Ergebnis. Und auch das rein organisches Wachstum war mit 25% so stark wie schon lange nicht mehr.

 

Das Problem ist die Prognose für 2018

Warum also stürzt eine Aktie nach einem derart erfolgreichen Geschäftsjahr so dermassen ab? Ich denke das Hauptproblem ist - neben dem aktuell schwachen Gesamtmarkt - die konservative (bzw. übervorsichtige) Wachstums-Prognose des Managements für 2018.

 

Und dabei ist diese Guidance mit einer Spanne von +19% bis +22% sogar etwas positiver ausgefallen als vor einem Jahr. Der Gewinn pro Aktie (EPS) soll in 2018 etwas überproportional auf ca. $2,20 wachsen. D.h. wir sehen hier (bei einem aktuellen Kurs von 56$) jetzt ein KGV von 25 - wenn man diese offizielle Prognose für 2018 zugrunde legt. Das klingt zunächst tatsächlich mal nicht nach einem Schnäppchen, sondern eher nach einer in etwa fairen Bewertung.

 

Der Gründer und CEO

Ich beobachte die Arbeit des Unternehmensgründers und CEO Colin Angle schon seit einiger Zeit. Colin Angle hat einen sehr technischen Background mit einem erfolgreichen Doppelstudium am MIT in Informatik und Elektrotechnik. Er ist nicht ansatzweise der Charismatiker vom Kaliber eines Elon Musk, Mark Zuckerberg oder auch Jack Dorsey (Twitter) bzw. Aaron Levie (Box). 

 

Im folgenden Interview könnt ihr Euch einen ganz guten Eindruck über Colin verschaffen. Er nennt sich ganz gerne selbst den „erfolgreichsten Staubsaugerverkäufer der Welt“, aber er ist absolut kein Verkäufertyp… 

 

 

Der Fehler des CEO

iRobot ist übrigens auch keine Silicon Valley Company, sondern kommt aus der Nähe von Boston an der Ostküste. Dort ticken die Uhren anders als im sonnenverwöhnten Kalifornien. Diese Firma ist technik-getrieben und nicht etwa marketing-getrieben oder financially engineered wie so viele Firmen von der Westküste. 

 

Und genau das ist iRobot m.E. jetzt zum Verhängnis geworden. Meiner Meinung nach hat Colin Angle einen großen Fehler begangen, überhaupt eine so genaue Prognose für 2018 zu veröffentlichen. Er als ehrlicher Techniker hat m.E. einfach mit seinem Team den Markt analysiert, dann wie ein ordentlicher Geschäftsführer einen Sicherheitspuffer eingerechnet, um später nicht enttäuschen zu müssen und hat dann nach bestem Wissen und Gewissen diese Zahlen mit den Analysten geteilt. Dabei wäre das m.E. zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht nötig gewesen in dieser Detailierung.

 

Man kann jetzt natürlich trefflich darüber streiten, ob Colin als Gründer mit solchen Defiziten überhaupt noch der richtige CEO für ein Unternehmen mit über $1 Mrd. Umsatz in 2018 ist. Ich persönlich sehe das ziemlich entspannt und mir ist der Gründer und Mit-Eigentümer mit seiner typischerweise längerfristigen Strategie im Zweifelsfall immer lieber als ein angestellter Manager.

 

Wo bleiben die neuen Produkte

Eine weitere Enttäuschung war wohl, dass Colin noch nicht konkret über die neuen Produkte für 2018 reden wollte. Der Markt erwartet seit geraumer Zeit, dass iRobot als nächstes mit einem disruptiven Rasenmäher-Roboter auf den Markt kommt. Doch das wurde nicht weiter konkretisiert, vielmehr wurde nur allgemein auf neue Produkte in der 2. Jahreshälfte verwiesen.

 

Ich persönlich  finde es sympathisch, dass der CEO nur Dinge verspricht, wenn er sich sicher ist, auch liefern zu können. Mir ist lieber, der Rasenmäher kommt 6 Monate später und funktioniert, als dass ein teurer Flop aka Tesla Model 3 daraus wird.

 

Aber an der Börse wird leider keine Sympathie gehandelt… wenn ein Typ wie Elon Musk der CEO bei iRobot wäre, dann wäre längst ein Allzweck-Garten-Roboter (und etwas Fliegendes natürlich 😉  ) angekündigt, um die Phantasie der Investoren etwas anzuregen. Man kann dazu stehen wie man will, aber der Aktienkurs wäre dann wohl ein anderer, wenn der CEO in der Lage wäre, Analysten und Investoren zu manipulieren... was hier offensichtlich nicht der Fall ist (um es vorsichtig auszudrücken).  

 

Die Situation am Markt

Ganz nüchtern betrachtet hat es iRobot auch gar nicht nötig, wilde Versprechungen bzgl. neuer Produkte zu machen. Der am weitesten entwickelte Markt für Staubsaugerroboter sind die USA und selbst hier ist die Marktdurchdringung gerade mal 11%.  

 

Der Markt für Staubsaugerroboter wächst mit 25% p.a. und im High-End-Bereich ist iRobot unangefochtener Technologie- und Marktführer. Dazu kommt ein noch schneller wachsendes Geschäft in Europa. Für mich heisst das: ein profitables Wachstum um mehr als 20% ist mit diesem Produktportfolio für iRobot noch auf Jahre hinaus möglich, wenn man keine Fehler insbesondere in Vertrieb und Marketing macht.

 

Schlecht läuft es einzig und allein in China wo die Kunden offenbar nicht bereit sind, die Premium-Preise für einen echten iRobot zu zahlen. Den Wettbewerb dort gegen die lokalen Anbieter hat man bei iRobot mehr oder weniger aufgegeben, der Umsatzanteil beträgt nur noch ca. 5%.

 

Die Profitabilität

Besonders enttäuscht waren die Analysten wohl von der mittelfristigen Prognose des Unternehmens was die Profitabilität angeht. Im Wesentlichen hat Colin gesagt, dass man weiter erheblich in Marketing und Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung investieren will. Daher sollen in den kommenden 3 Jahren die Margen nur unwesentlich gesteigert werden und man will in diesem Zeitraum Gross-Margins von 50% sowie eine operative Marge von 10% erzielen. 

 

Das klingt natürlich wirklich nicht berauschend. Aber man darf nicht vergessen, dass es hier um schnell wachsende Märkte geht, die gerade erst verteilt werden. Da braucht es dann schon nachhaltige Investitionen in Marketing und Vertrieb, um die Technologieführerschaft auch in dauerhafte Marktführerschaft umzuwandeln. Einige Analysten erwarten offenbar vom Management, dass iRobot den doch hohen Aufwand für Forschung+Entwicklung kürzt. Ich sehe das anders und würde mir eher Sorgen machen, wenn da zu sehr gespart würde. 

 

iRobot ist in erster Linie ein moderner Hardwarehersteller - daher wachsen die Bäume bzgl. der Profitabilität sicher auch langfristig nicht in den Himmel. Gross Margins in der Größenordnung von 50% sind tatsächlich nicht zu vergleichen mit der Skalierbarkeit eines Software-Unternehmens.

 

Daher muss man wohl in den kommenden Jahren mit einer operativen Marge von 10% zufrieden sein. Ich hatte ja in einem anderen Beitrag neulich über die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und die daraus resultierende unterschiedliche Bewertung von Technologieaktien berichtet - der Fall iRobot ist ein gutes Beispiel dafür.

 

Die Aussichten der Aktie

Die offizielle mittelfristige Prognose des Managements sieht nun ein Umsatzwachstum von 20% p.a. vor in den kommenden Jahren. Ich denke gerade nach den Erfahrungen mit den bisherigen Prognosen,  dass 25% eher realistisch sein werden in den kommenden 3-4 Jahren. Das wäre ein Wachstum gemeinsam mit dem Markt - nicht mehr und nicht weniger (und neue Produkte sind da nicht berücksichtigt). 

 

Das wäre dann ein Umsatz von ca. $2 Mrd. bis 2021 bei einem operativen Gewinn von ca. $200M. Ein KGV von 20 wäre dann sicher angemessen, das wäre dann also ein Enterprise Value (EV) von $4 Mrd. bis 2021. Heute liegt bei einem Kurs von 56$ der EV bei $1,6 Mrd. Das bedeutet also ca. 150% Potential für die Aktie in den kommenden 4 Jahren. 

 

Fazit

Es ist für mich schwer zu verstehen warum iRobot aktuell derart abgestraft wird für das weiteres Investment in Wachstum und einem daraus resultierenden Margenziel von „nur“ 10%. Denn gleichzeitig verbrennen andere Unternehmen vor allem von der Westküste munter weiter Geld und deren Aktienkurse steigen munter weiter. Snap und Tesla fallen mir da beispielsweise auf Anhieb ein... Zumindest war das bis vor einigen Tagen so... ;-) 

 

Ich fühle mich jedenfalls wohl mit iRobot zu diesen Kursen und habe meine Position im High-Tech Stock Picking wikifolio, die ich ja zwischenzeitlich schon mal reduziert hatte, nun wieder aufgestockt.

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