Mit der richtigen Exit-Strategie zum Tenbagger

September 17, 2018

 

Wenn Du meinem High-Tech-Investing Blog schon etwas länger folgst, dann hast Du im Laufe der Zeit schon einige Beiträge über meine Strategie zum Stock-Picking von Technologieaktien gelesen:

 

Da ging es um den Zeitpunkt des Einstiegs in eine Technologieaktie und darum wie Du das Potential einer Technologieaktie richtig einschätzen kannst. Außerdem habe ich mich generell mit der Bewertung von Technologieaktien befasst und in einem weiteren Beitrag die "Rule of 40" vorgestellt, mit der man die Güte und Skalierbarkeit eines Geschäftsmodells recht gut beurteilen kann.

 

Eine wichtige Frage blieb bisher allerdings weitgehend unbeantwortet:

 

Wie sieht meine Exit-Strategie aus? Wann gehe ich raus aus einer Aktie?

 

Wie schafft man es, möglichst regelmäßig dreistellige Kursgewinne einzufahren? 

 

Und wie erhält man sich die Chance auf einen "Tenbagger" im Depot? So werden seit den Zeiten des grossartigen Fondsmanagers Peter Lynch diejenigen Aktien bezeichnet, die sich im Laufe der Jahre im Wert verzehnfachen.

 

Ich will versuchen, mit dem vorliegenden Beitrag eine möglichst einfache Antwort auf diese schwierigen Fragen zu geben.

 

Die Krux mit dem fairen Wert

 

Natürlich könnte ich es mir einfach machen und die reine Lehre der Fundamentalanalyse propagieren. Die besagt, dass man aus einer Aktie aussteigen sollte, wenn sie ihren fairen Wert erreicht hat und somit das Unternehmen nicht (mehr) unterbewertet ist.

 

Theoretisch ist das sicher richtig und ich hatte ja auch schon mal (hier) eine Faustformel angegeben, mit der Du den fairen Wert eines IT-Unternehmens anhand des Umsatzmix abschätzen kannst. 

 

Aber das ist nur die Theorie, die ich in früheren Jahren sogar recht diszipliniert in die Praxis umgesetzt habe. Aus meiner mittlerweile 30 jährigen Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass ich viele Jahre lang zu oft den Fehler begangenen habe, zu früh aus einer Aktie auszusteigen.

 

So sind mir viele Gewinne entgangen - weil ich ständig der Meinung war, eine Aktie sei zu teuer und nach einem steilen Kursanstieg überbewertet.

 

Was ist da falschgelaufen?

 

In der Praxis hat man natürlich immer das Problem, dass der faire Wert nicht einwandfrei berechnet werden kann, sondern man muss ihn mit den verschiedensten Methoden abschätzen. 

 

Beim Investment in Wachstumsunternehmen kommt dazu, dass der faire Wert im Zeitablauf sehr dynamisch ist und im besten Fall bei einem langanhaltenden nachhaltigen Wachstum exponentiell wächst.

 

Jede Näherungsformel zur Berechnung der fairen Bewertung eines Unternehmens ist grundsätzlich unvollständig, wenn sie nur eine Momentaufnahme ist und keine zeitliche Komponente enthält. Die gebräuchlichen Formeln, die eine zeitliche Komponente enthalten, wie z.B. das Discounted Cashflow-Verfahren (DCF) haben aber zwei wesentliche Nachteile: 

 

1. Sie sind relativ komplex und 2. Sie basieren auf Annahmen für die Zukunft (wie die zukünftigen Cashflows), die in einem dynamischen Umfeld meist nicht seriös genug prognostiziert werden können. Daher halte ich trotz (oder gerade aufgrund?) meiner Ausbildung als Wirtschaftsmathematiker wenig davon, wenn mit solchen Modellen gerechnet wird und dann so getan wird, als sei das Ergebnis "DER" faire Wert schlechthin. 

 

Die Zeit arbeitet beim High-Growth-Investing für Dich!

 

Viel wichtiger als die korrekte Berechnung eines DCF-Modells ist das grundsätzliche Verständnis dafür, welch zentrale Bedeutung die zeitliche Komponente hat. Bei einem Investment in ein echtes Wachstumsunternehmen arbeitet die Zeit grundsätzlich für den Anleger. Daher liebe ich das High-Growth-Investing!

 

Hier ein einfaches Beispiel: Angenommen ein Unternehmen macht €200Mio. wiederkehrenden Umsatz aus Softwaresubskriptionen und ich gehe (z.B. aufgrund meiner Faustformel zur Bewertung von IT-Unternehmen) von einem fairen Enterprise Value (EV) von 6*€200 Mio. = €1,2 Mrd. aus. 

 

An der Börse wird das Unternehmen zum Zeitpunkt meines Einstiegs mit einem EV von €800 Mio. bewertet. Und wird damit deutlich unter dem fairen Wert gehandelt. Ich erwerbe eine Position zu diesem Schnäppchenpreis und innerhalb der nächsten 6 Monate steigt die Aktie tatsächlich um 50%. Das Unternehmen wird also nun mit €1,2 Mrd. bewertet. Die Aktie wäre dann wohl zumindest auf den ersten Blick keinen Kauf mehr wert, sondern höchstens noch eine Halteposition. Plötzlich entdeckt der breite Markt die Aktie und sie wird ein paar Monate später zu einem Enterprise Value von €1,6 Mrd bewertet - hat sich also um 100% gesteigert gegenüber meines ursprünglichen Einstiegskurses. 

 

Sollte man nach 100% Kursgewinn verkaufen?

 

Um diese Königsfrage zu beantworten, musst Du ein Gefühl dafür entwickeln wie sich der faire Unternehmenswert mittelfristig entwickeln wird.  Dafür ist es natürlich äußerst hilfreich, wenn Du das Unternehmen und den Markt in dem es sich bewegt, möglichst gut verstehst. Ich investiere daher grundsätzlich in kein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell und Markt ich nicht verstehe.

 

Wenn das Unternehmen aus unserem Beispiel 3 Jahre lang um 30% p.a. wächst, dann steigert es seinen Umsatz von anfänglich €200 Mio. auf ca. €440 Mio.

 

D.h. (bei unverändertem Umsatzmix) steigert sich der faire Unternehmenswert in 3 Jahren ebenfalls um ca. 120% auf ca. €2,6 Mrd. Nach 6 Jahren mit 30% p.a. organischem Wachstum wären es schon ca. €5,8 Mrd.

 

Das wäre dann ein Potential für eine Wertsteigerung deines ursprünglichen Investments um den Faktor 7 innerhalb von 6 Jahren. Da wäre es doch schade, mit nur 100% Kursgewinn ausgestiegen zu sein, oder?

 

Der unsichere Blick in die Zukunft

 

Aber natürlich habe auch ich keine magische  Kristallkugel und weiss nicht sicher, ob das Wachstum wirklich so lange aufrechterhalten werden kann. Du musst Dich gerade bei gut gelaufenen Werten immer wieder fragen, wie realistisch es ist, dass das Unternehmen wirklich über viele Jahre hinweg so stark wachsen und damit in seine meist hohe Bewertung hinein- und darüber hinauswachsen kann. 

 

Oftmals wirst Du Dir da nicht wirklich sicher sein. Dann ist es sicher keine schlechte Idee, bei den gut gelaufenen Aktien immer wieder mal nach steilen Kursanstiegen einige Gewinne mitzunehmen und einen kleineren Teil der Position zu verkaufen. Nach dem Motto: "An Gewinnmitnahmen ist noch keiner pleite gegangen“ (leider weiss ich nicht von welchem schlauen Börsianer dieses Zitat überliefert ist... ;-)

 

Oftmals gehören die am stärksten gelaufenen Titel - aufgrund des Kursanstiegs - zu den größten Positionen im Portfolio. Will man ein gut diversifiziertes Depot beibehalten, so muss man solche Positionen ohnehin reduzieren, um das Risiko in den entsprechenden Einzelwerten zu senken. Denn was hoch gestiegen ist, das kann auch tief fallen.  

 

Für mein High-Tech Stock Picking wikifolio habe ich mir die Regel auferlegt, dass grundsätzliche keine Position größer als 12% werden darf - egal wie sehr ich vom weiteren langfristigen Kursanstieg einer Aktie überzeugt bin. Und für das Portfolio unseres Digital Leaders Funds verlangt schon alleine die aktuelle Gesetzgebung, dass keine Position größer als 10% des Fonds sein darf. 

 

In den letzten Wochen habe ich etliche kleinerer Verkaufs-Transaktionen im wikifolio durchgeführt. The Trade Desk, Hortonworks, iRobot, Twilio, Shopify, Nutanix - bei allen habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten Gewinne in meist dreistelliger Höhe realisiert und die Positionen etwas verkleinert. Aber das hat nichts damit zu tun, dass ich nun weniger von der Zukunft dieser Unternehmen überzeugt wäre.

 

Im Zweifelsfall lieber mal Gewinne mitnehmen

 

Wenn Du Dir unsicher bist, ob ein Unternehmen nach einer Kursverdoppelung zügig in seine Bewertung hineinwachsen kann, dann ist es sicher keine schlechte Idee, 50% der Position zu verkaufen. Damit hast Du Dein ursprüngliches Kapital wieder zu 100% für neue Investments verfügbar gemacht und Du hältst noch weitere 50% deiner Position. Die verkaufst Du unabhängig vom Kurs erst dann, sobald Du nicht mehr überzeugt bist vom weiteren Wertzuwachs.

 

Zeit für den Exit

 

Denn erst in diesem Moment wird es Zeit für den endgültigen Ausstieg. Der sollte dann aber auch zügig erfolgen.

 

Nämlich genau dann wenn Dir erhebliche Zweifel kommen, ob das Unternehmen weiter dynamisch wachsen wird. Dafür kann es vielfältige Gründe und Anzeichen  geben. Und es ist wichtig, dass Du diese Zeichen der Zeit rechtzeitig erkennst, möglichst noch bevor diese in den Geschäftszahlen offenbar werden. Denn der Absturz einer High-Growth-Aktie kann durchaus dramatisch ausfallen, wenn das Unternehmen den hohen Erwartungen des Marktes nicht mehr gerecht werden und die eigene hohe Bewertung nicht mehr rechtfertigen kann. 

 

Wenn Du das befürchtest, dann musst Du aus einem Unternehmen aussteigen, egal wieviel Gewinn oder auch Verlust Du damit realisierst. Der Einkaufskurs sollte grundsätzlich bei Deiner Verkaufsentscheidung keine Rolle spielen. Das ist psychologisch sicher nicht einfach, aber die vielleicht wichtigste Übung auf dem Weg zu einem nachhaltig erfolgreichen Investor.

 

Wenn Du mehr über meine Strategie lesen willst, dann findest Du hier einen Überblick über die wichtigsten Blog-Artikel zum Stock-Picking von Technologieaktien.

 

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