Tech - ETFs sind riskante Wetten auf Apple und Microsoft

December 7, 2019

 

In einer früheren Blogserie hatte ich mich schon mal intensiv mit dem Thema Aktives Stock-Picking versus Passives Investieren in ETFs beschäftigt. Insbesondere ging es da um die Daseinsberechtigung von aktiven Anlagestrategien in einem Zeitalter, in dem die ETFs eine einzigartige Erfolgsstory feiern. 

 

Offensichtlich sind immer mehr Anleger der Meinung, aktive Stock-Picker wie ich verschwenden nur ihre Zeit. Wenn Du diesem Blog schon etwas länger folgst, dann weißt Du, dass ich zwar weiterhin von der Überlegenheit eines aktiven Portfoliomanagement überzeugt bin, wohl aber unter bestimmten Umständen das Investieren mit ETFs durchaus befürworte. 

 

Allerdings war ich bisher immer davon ausgegangen, dass die ETF-Anleger grundsätzlich mit möglichst wenig Aufwand und zu möglichst geringen Kosten ein sehr breit betreutes Depot aufbauen möchten. Das ist immer dann eine gute Idee, wenn man mit der durchschnittlichen Rendite des Gesamtmarktes zufrieden ist (wie auch immer man für sich den Gesamtmarkt definiert) und sein Geld auch keinem Dritten anvertrauen möchte.

 

Was ich aber in der Praxis vermehrt beobachte ist, dass viele ETF-Fans sich ihr Portfolio aus teilweise hochspezialisierten ETFs zusammenbasteln und dabei eine Outperformance anstreben. Sie gehen dabei von der Grundannahme aus, ein ETF sei grundsätzlich nicht nur kostengünstiger sondern auch sicherer als ein aktiver Fonds oder wikifolio, da ein Indexfonds ja generell sehr breit gestreut investiert und einen Markt, eine Branche oder Thema ganzheitlich abdeckt. 

 

Konkret bin ich in meiner Domäne, der Technologiebranche, jetzt schon mehrfach auf den MSCI World Information Technology Index angesprochen worden. Dieser Index hat seit dem Start meines High-Tech Stock Picking wikifolio in 2016 eine fast ebenso beeindruckende Entwicklung hingelegt.

 

Gerade in 2019 haben ETFs auf diesen Index sogar deutlich an Boden gutgemacht gegenüber dem wikifolio: 

 

 

Es ist also an der Zeit sich den MSCI World Information Technology Index mal näher anzusehen:

 

Dieser Index hat den Anspruch, die weltweite Technologiebranche abzubilden. Der Anlageschwerpunkt wird vom Herausgeber MSCI wie folgt angegeben: „Informationstechnologieunternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung in 23 Industriemärkten.“

 

In diesen Index kann man mit einer ganzen Reihe von ETFs der unterschiedlichen Anbieter investieren. Viele der großen Asset Management Firmen wie Blackrock (iShares), DWS (Xtrackers), Lyxor, u.a. haben ETFs auf den MSCI World Information Technology Index und sein US-Pendant MSCI USA Information Technology Index herausgegeben. Letzterer beschränkt sich auf US-Tech-Unternehmen. 

 

Am 5. Dezember 2019 waren im MSCI World Information Technology Sector Index insgesamt 167 Positionen enthalten. Das hört sich also tatsächlich erstmal nach einer breiten Diversifikation an. Vor allem wenn man das mit einem hochkonzentrierten Portfolio wie dem High-Tech Stock Picking wikifolio vergleicht, in dem aktuell gerade mal 19 Aktien enthalten sind.

 

 

Die Diversifikation des ETF als Mogelpackung

 

Schaut man sich die größten Positionen im MSCI World Information Technology Index an, so zeigt sich jedoch ein ganz und gar anderes Bild dieses Portfolios:

 

Abb. Die Top10-Positionen im iShares MSCI World Information Technology Sector UCITS ETF 

 

 

Tatsächlich sind über 31% der Assets all der ETFs auf diesen weltweiten Technologieindex in Apple und Microsoft investiert. Das ist schon bemerkenswert auch vor dem Hintergrund, dass aktiv gemanagte Fonds gesetzlich zu Diversifikation verpflichtet sind und nicht mehr als 10% ihrer Assets in einen einzigen Wert investieren dürfen.

 

Die 10 wertvollsten Technologieunternehmen im MSCI World Information Technology Index sind mit mehr als 52% gewichtet.  Damit bleiben für die anderen 157 Unternehmen weniger als 48%. Das ist eine durchschnittliche Gewichtung dieser Werte von 0,3%.

 

Ein ordentlich diversifiziertes Portfolio sieht sicherlich anders aus. Der Grund dafür liegt in der Definition des MSCI World Information Technology Index, der eine Gewichtung der größten börsennotierten IT-Werte proportional zu ihrer Marktkapitalisierung vorsieht. Und da sind Apple und Microsoft allen anderen IT-Werten mittlerweile meilenweit enteilt. „The Winner Takes it All“.

 

 

Die Outperformance von Apple und Microsoft in 2019

 

In 2019 haben sich die Börsenkurse sowohl von Apple (+70%) als auch von Microsoft (+50%) atemberaubend gut entwickelt.

 

Dafür gibt es sicherlich auch gute fundamentale Gründe.

 

 Abb. Entwicklung von Apple und Microsoft in 2019

 

Aber könnte auch die hohe Gewichtung von Microsoft und Apple in den Technologie-Indizes eventuell ein nicht unerheblicher Grund dafür sein, warum diese beiden Aktien in 2019 gar so gut gelaufen sind?  

 

Denn jeder Anleger, der einen ETF auf die Tech-Branche kauft, erwirbt (meist ohne es zu wissen) zu einem großen Teil Microsoft und Apple - Anteile.

 

Fakt ist, dass Apple und Microsoft beide gemessen am EV/Sales Verhältnis so hoch bewertet sind wie seit vielen Jahren nicht mehr.

 

Apple und Microsoft Aktien sind teuer (gemessen am EV/Sales-Verhältnis)

 

 

Eine deutliche Korrektur der Tech-Riesen ist nur eine Frage der Zeit. Ich habe mich daher kürzlich von meiner Microsoft Position im wikifolio getrennt und den Microsoft-Verkauf hier begründet.  

 

 

Unterstützen ETFs eine Blasenbildung bei den Tech-Riesen? 

 

In die MSCI Information Technology Index ETFs von Blackrock, DWS, Luxor, u.a. wird von den Anlegern weltweit kräftig investiert. Oftmals ohne zu wissen, dass man damit eigentlich mehr oder weniger ein hochkonzentriertes Portfolio der Tech-Riesen erwirbt. 

 

Dadurch fliessen immer mehr Mittel aus diesen ETFs in die Aktien von Apple, Microsoft und Co. , deren Kurszuwächse werden weiter befeuert. Dadurch steigen wiederum diese Branchenindizes und damit der Kurs der ETFs, die damit für die renditehungrigen Anleger noch attraktiver aussehen.

 

Eine Spirale nach oben kommt in Gang… Das klingt tatsächlich nach dem Stoff aus dem die Börsen-Blasen sind. 

 

Aber ob diese ETFs wirklich einen nennenswerten Effekt auf die Kursentwicklung der Tech-Riesen haben, das müsste man mal genauer untersuchen. Es wäre sicherlich sehr spannend, weitergehend zu analysieren, welche Börsenumsätze mit solchen Produkten generiert werden und welchen Effekt der Boom des ETF-Marktes auf die Kursentwicklungen von Microsoft und Apple haben.

 

Mir selbst fehlt für eine derartige Analyse aktuell leider die Zeit. Wenn Du Lust auf eine solche quantitative Forschung hast oder gerade ein spannendes Thema für eine Studienarbeit suchst, dann können wir uns gerne mal näher darüber unterhalten und ich freue mich über Deine Kontaktaufnahme.

 

Im Moment möchte ich aber gar nicht weiter spekulieren, ob es tatsächlich einen sich selbst verstärkenden Trend durch passive Investmentstrategien gibt oder nicht. Ich weiß es nicht.

 

Halten wir uns bis auf Weiteres an die Fakten:

 

Und Fakt ist, dass der MSCI World Information Technology Sector Index genauso wie der MSCI USA Information Technology Sector Index erheblich von der Kursentwicklung bei Apple und Microsoft abhängt. Sobald es bei diesen beiden Tech-Riesen wieder zu einer schärferen Korrektur kommt, dann trifft es auch sehr ernsthaft die entsprechenden ETFs.

 

 

Fazit

 

Von einem geringeren Risiko infolge einer besseren Diversifikation eines solchen Branchen-ETFs im Vergleich zu einem konzentrierten Portfolio von Technologieaktien kann keine Rede sein.

 

Ich bin mit der Performance des High-Tech Stock Picking wikifolios gerade in 2019 (bisher +22%) sehr zufrieden, da ich rechtzeitig die Gewichtung der zu teuer gewordenen High-Growth-Aktien reduziert hatte und damit einen größeren Drawdown verhindern konnte.

 

Und dennoch hat das wikifolio in 2019 erstmals schlechter abgeschnitten als ein ETF auf den MSCI World Information Technology Index. Der Grund ist ganz einfach die enorme Outperformance von Apple und Microsoft in 2019 im Zusammenhang mit der enormen Übergewichtung der beiden im Index.

 

Im Endeffekt waren diese ETFs in 2019 eine Wette auf Apple und Microsoft, die voll aufgegangen ist. Nicht mehr und nicht weniger. 

 

Wer in diese Tech-ETFs investiert, der sollte sich im Klaren sein, dass er auch für 2020 vor allem eine hochkonzentrierte Wette auf die Outperformance von Apple und Microsoft und einige andere Dickschiffe eingeht. 

 

Ich bin nach dieser Analyse noch optimistischer, dass in den kommenden Jahren wieder die Stunde der aktiven Stock-Picker schlägt. Denn die Börse ist bekanntlich keine Einbahnstraße und das gilt auch für die in 2019 gefeierten Aktien von Apple und Microsoft. 

 

Wenn Du gemeinsam mit mir in 2020  weiterverfolgen willst, wie der ewige Wettstreit zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien weitergeht, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter bestellen

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