Zum Umgang mit Short Seller - Attacken

January 19, 2020

 

Aus aktuellem Anlass heute mal ein genereller Kommentar zum Umgang mit den Angriffen von Short Sellern auf Euer Depot. Hintergrund ist die derzeitige Attacke von Hindenburg Research (verantwortlich: Nathan Anderson) auf Opera.

 

Was sind Short Seller überhaupt? 

 

Wenn Du ein Depot aus Einzelaktien führst, dann werden Dir früher oder später Short Seller über den Weg laufen. Diese auch "Shorties" genannten Marktteilnehmer sind Spekulanten, die sich darauf spezialisiert haben, durch Leerverkäufe auf fallende Kurse zu setzen. 

 

Manchmal erstellen die Short Seller durchaus mehr oder weniger aufwendige Aktienanalysen, um dem Markt zu beweisen, dass ein Unternehmen zu hoch bewertet ist. In der Regel sollen diese Studien die Aktionäre eines Unternehmens verunsichern, zum Verkauf bewegen und so einen Kurssturz auslösen. 

 

Short Sellern wird gerne mal die gezielte Streuung von Falschinformationen vorgeworfen, mit denen sie die Aktien ihres Angriffsziels im Wert drücken wollen. Ich sehe das differenzierter (siehe auch: Leerverkäufer: Engel oder Teufel der Börse) und denke, dass es neben zahlreichen schwarzen Schafen in dieser Szene auch durchaus ernstzunehmende Shorties gibt, die wirklich gut recherchieren und von denen man als Aktionär einiges über sein Unternehmen lernen kann.

 

Was aber sollte man als Privatanleger tun, wenn die eigene Aktie im Depot zum Opfer einer Short-Attacke geworden ist? Zunächst mal gilt wie immer: Panik ist ein ganz schlechter Berater. Du kannst getrost davon ausgehen, dass der Markt schon auf die Short-Story reagiert hast und die Aktie im Zweifelsfall gefallen ist, bevor Du die Situation überhaupt wahrnimmst geschweige denn bewerten kannst. Es gibt also grundsätzlich keine Eile, ganz schnell noch zu verkaufen.

 

Beruhige Dich.

 

In der Ruhe liegt die Kraft, auch in einer solchen Situation. Der Short Seller wird in seinem Report das Unternehmen immer völlig einseitig darstellen und versuchen aus irgendwelchen Problemen oder Missständen im Unternehmen eine reißerische Geschichte zu machen, die sich möglichst beängstigend liest und die Investoren zu Panik-Verkäufen verleitet.

 

Lass Dich nicht zu sehr davon beeindrucken: der Schaden (sprich Kursverlust) ist meistens ohnehin schon passiert und Du kannst in aller Ruhe eine vernünftige Entscheidung vorbereiten, wie Du mit Deiner Position umgehst. 

 

Grundsätzlich solltest Du Short-Reports aber ernst nehmen. Wahrscheinlich wirst Du nicht daran vorbeikommen, Dich gut über die Vorwürfe zu informieren, d.h. Du musst unter Umständen auch mal Dinge lesen, mit denen Du Dich eigentlich gar nicht beschäftigen willst.

 

Es genügt aber nicht, die Argumente des Short-Sellers zu kennen. Es ist immer auch wichtig, dem Unternehmen die Chance zu geben auf die Vorwürfe zu reagieren bzw. sich dazu zu äußern.

 

Das alles braucht Zeit. In dieser Zeit solltest Du bewerten was die Vorwürfe für das Unternehmen bedeuten, wenn sie denn teilweise oder vollständig zutreffend sind. In den seltensten Fällen steht das Unternehmen dann vor der Pleite. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es eine begrenzte Auswirkung gibt. Und die ist im Ausverkaufspreis direkt nach der Short Attacke dann oft schon enthalten.  

 

Sollten sich die Vorwürfe als wenig substantiell herausstellen, dann erweist sich eine Short Attacke im Nachhinein auch gerne mal als Kaufgelegenheit. Ich kann mich noch gut an die große Aufregung nach einem 20%-Kurssturz erinnern, die eine Short-Attacke auf Shopify in 2017 hier im Blog bei einigen Lesern ausgelöst hatte. Seitdem hat sich die Shopify-Aktie im Wert vervielfacht. 

 

Ob das auch im Falle Opera nur ein Sturm im Wasserglas ist, das werden wir sehen. Hinterher bin auch ich immer schlauer. Die Vorwürfe von Hindenburg sind nicht völlig neu und durchaus nicht substanzlos. Aber die möglichen Konsequenzen sind (selbst falls die Vorwürfe zu 100% berechtigt wären) nicht existenzgefährdend für das Unternehmen. Denke immer daran: reißerische Geschichten und Kursziele gehören nunmal zum Geschäft eines jeden Short Sellers. 

 

Eventuell kann eine solche Short Attacke auf ein Unternehmen wie Opera für uns Aktionäre sogar hilfreich sein, wenn es darum geht, die Corporate Governance wesentlich zu verbessern und mehr Transparenz zu schaffen. Auch ich gehöre zu den Kritikern des Unternehmens was das angeht. Ich bin selbst gespannt wie diese Geschichte ausgeht und wie nachhaltig sie mein ohnehin begrenztes Vertrauen in das chinesische Management weiter beschädigt.

 

Opera in meinem Portfolio

 

Opera ist der wohl spekulativste Wert im High-Tech Stock Picking wikifolio. Das Risiko ist nun noch größer geworden, dass der Anteilschein durch diese Short-Attacke zum hochvolatilen Spielball der Zocker verkommt. Das ist kein Umfeld in dem ich mich besonders wohl fühle, aber solche Situationen gehören beim Investieren in Einzelaktien leider dazu.

 

Derzeit liege ich mit der Opera Position im High-Tech Stock Picking wikifolio nun 20% im Minus. Natürlich ärgert mich das, zumal das wikifolio derzeit nach längerer Seitwärtsbewegung wieder neue Höchstkurse verzeichnet und Opera jetzt zu einem der wenigen Sorgenkinder im Depot mutiert ist. 

 

Wenn Du meine Strategie schon länger verfolgst, dann weisst Du, dass ich mir bei weiteren Kursverlusten gemäß meiner Rule of 30 zum Umgang mit Buchverlusten sehr ernste Gedanken um die Zukunft dieser Position machen werde. Derzeit versuche ich, mir ein komplettes Bild zu verschaffen, um eine mögliche Entscheidung über Nachkauf oder Ausstieg gemäß der Rule of 30 gut vorzubereiten.

 

Mit einem weiteren Beitrag für den Blog von The Digital Leaders Fund werden wir demnächst näher auf den Fall Opera und konkret auf die Vorwürfe eingehen. 

 

Es bleibt also spannend… Du kannst Dich jetzt hier für den kostenlosen High-Growth-Investing-Newsletter anmelden, um garantiert nichts zu verpassen. 

 

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