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  • Stefan Waldhauser

LendingClub Aktie: Tiefstand erreicht trotz schwacher Prognose?



Dieser Beitrag ist das Update eines erstmals am 13.01.23 veröffentlichten Artikels. Aktualisiert nach den Zahlen zum im Dezember 2022 beendeten 4. Quartal des FY22.


Die Aktie der Konsumentenkredite-Plattform LendingClub (hier die Investment Story zum Nachlesen) war eine der ganz großen Enttäuschungen in meinem Portfolio in 2022. Die Aktie stürzte von den Höchstkursen Ende 2021 um mehr als 80% ab - obwohl das Management im Krisenjahr 2022 lieferte, was man Anfang des Jahres versprochen hatte!


Auch meine eigene Position im High-Tech Stock Picking wikifolio liegt aktuell um mehr als 40% unter dem Einstandspreis. Outch!

https://aktien.guide/aktien/LendingClub-Corp-US52603A2087

Die LendingClub Investoren sind angesichts der Kursimplosion verunsichert. Trotz einer guten fundamentalen Entwicklung des Unternehmens seit der Übernahme der Radius Bank vor mittlerweile fast 2 Jahren. Wie geht es nun weiter?


Das gute Ergebnis für 2022


Am 25. Januar hat LendingClub die finalen Zahlen für das Q4 2022 und das Gesamtjahr bekanntgegeben:

Quelle: LendingClub Investors Presentation


Diese Zahlen waren angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen im Q4 gut. Zumal hier bereits einmalige Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von $4,4 Mio. enthalten sind.


Denn auch der LendingClub reiht sich ein in die lange Reihe von Silicon Valley Firmen, die angesichts des schwachen wirtschaftlichen Umfeldes eine Vielzahl von Mitarbeitern entlassen. 14% der Belegschaft, das sind 225 Mitarbeiter, mussten das Unternehmen verlassen.


Das ist schlimm für die betroffenen Kollegen und ihre Familien. Aber es ist angesichts der aktuell wegbrechenden Umsätze aus dem Kredit-Marktplatz wohl die einzig richtige Entscheidung für das Unternehmen. Denn mit diesen Maßnahmen wird die Kostenbasis für 2023 um $25-30 Mio. abgesenkt.


Das LendingClub Management versucht damit Strukturen zu schaffen, um bei einem gegenüber 2022 wohl deutlich rückläufigen Umsatz auch in den kommenden Quartalen profitabel zu bleiben.


Das Vertrauen der Investoren


Das ist wohl tatsächlich genau das, was es braucht, um das Vertrauen der Investoren nachhaltig zurückzugewinnen. Denn der LendingClub hat es leider bis heute nicht verstanden, dem Finanzmarkt zu erklären, dass das Unternehmen seit 2021 als digitale Bank nun vernünftig aufgestellt ist, um auch in einer Phase steigender Zinsen, steigender Kreditausfallraten und rückläufiger Kreditvolumina nachhaltig profitabel wirtschaften zu können.


Die gute Nachricht ist: Diesen Beweis erbringt LendingClub gerade. Auch im schwierigen Q4 2022 hat man trotz der Millionen Aufwendungen für die Restrukturierung einen Nettogewinn von knapp $24 Mio. erzielt. Die Kreditvergabe war im Q4 deutlich rückläufig. Nach $3,5 Mrd. im Q3 hat man im Q4 "nur" noch Kredite für $2,5 Mrd. gezeichnet. Der Umsatz daraus betrug immerhin $263 Mio. und lag am oberen Ende der eigenen Guidance.


Eine Nettomarge von 9% ist ordentlich in diesen Zeiten für ein Unternehmen, das sein Geld mit ungesicherten Krediten verdient. Noch wichtiger als dieses Q4 Ergebnis erscheint mir die Tatsache, dass das LendingClub Management damit trotz der historisch schnellen Zinserhöhungen 2022 seine Ziele trotz der Gegenwindes erreicht hat:


Im Gesamtjahr 2022 betrug der Umsatz $1,2 Mrd. und der Nettogewinn lag bei $290 Mio. bzw. $146 Mio., wenn man eine Steuergutschrift herausrechnet. Zur Erinnerung: Anfang 2022 hatte das LendingClub Management mit seiner initialen Guidance einen Umsatz von $1,1 - $1,2 Mrd. und einen Nettogewinn von $130 - $150 Mio. in Aussicht gestellt.


Wie geht es 2023 weiter mit der LendingClub Aktie?


Leider sieht sich das LendingClub Management anders als vor Jahresfrist nicht in der Lage, eine Guidance für das Gesamtjahr abzugeben. Ich kann das aus Sicht des Unternehmens gut nachvollziehen, denn auch Scott Sanborn (CEO) und Drew LaBenne (CFO) haben keine Kristallkugel und keine Sichtbarkeit ihres Geschäftsverlaufs bis ins zweite Halbjahr 2023 hinein.


Daher haben sie sich dazu entschieden, nur eine Prognose für das 1. Quartal 2023 abzugeben. Die fiel sehr vorsichtig aus: So will man "nur" noch Kredite für $1,9-$2,2 Mrd. ausgeben, das wären nochmals 20% weniger als im 4. Quartal 2022 und bis zu 40% weniger als im Vorjahresquartal. Entsprechend wird man einen Umsatzeinbruch gegenüber Vorjahr ausweisen müssen.


Die gute Nachricht ist, dass LendingClub im Rahmen der Guidance nochmals bestätigt hat, dass man davon ausgeht, auch eine solche Phase sinkender Umsätze mit einem positiven Nettoergebnis abzuschließen.


Das dürfte den Aktienkurs zumindest auf dem aktuell niedrigen Niveau bei 9-10$ stabilisieren. Zumal die LendingClub Aktie damit unter ihrem Buchwert bepreist wird, der zum 31.12.2022 bei knapp 11$ lag und mit jedem profitablen Quartal weiter steigt.


Ich bin optimistisch, dass LendingClub nach einem sicherlich schwierigen 2023 in wenigen Jahren das Rekordergebnis aus 2022 übertreffen wird. Denn die Positionierung als digitale Bank ist gut, die Kunden sind zufrieden, das Marketing sehr kosteneffizient. Und man beweist gerade, dass man in der Lage ist, die Strukturen in kurzer Zeit so anzupassen, dass man auch bei kleinerem Geschäftsvolumen profitable bleibt.


Und das Geschäftsvolumen könnte im Laufe des Jahres genauso schnell wieder anziehen wie es eingebrochen ist, sobald die Nachfrage seitens der externen Kreditgeber auf dem LendingClub-Kreditmarktplatz wieder anzieht.


Dennoch würde ich mir wünschen, dass LendingClub sein Geschäftsmodell als digitale Bank diversifiziert und schnellstmöglich andere Umsatzquellen neben den ungesicherten Konsumentendarlehen erschliesst. Die 4,5 Mio. Kunden und der unternehmenseigene Datenschatz sollten eigentlich eine hervorragende Basis dafür sein.


Dennoch hat das Management beschlossen, in der aktuellen Marktschwäche keine Investitionsoffensive zu starten und stattdessen den Fokus auf die Profitabilität zu legen. Es ist also keine schnelle Diversifikation des LendingClub Geschäftes zu erwarten, was ich zwar verständlich aber dennoch etwas enttäuschend finde.


Dennoch: Auch nach der Bekanntgabe der schwachen (oder vorsichtigen?) Guidance für das Q1 2023 bin ich sehr positiv gestimmt für die mittel- und langfristige Zukunft von LendingClub. Ich bin davon überzeugt, dass die Aktie sich spätestens nach dem Ende des laufenden Zinserhöhungszyklus wieder deutlich erholt zeigen wird.


Die LendingClub Aktie bleibt daher in meinem investierbaren Musterportfolio auch weiterhin übergewichtet .


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Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzt Aktien von LendingClub. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.









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