• Stefan Waldhauser

Lending Club - eine Aktie für antizyklisch denkende Investoren


Die aufmerksamen Beobachter meines High-Tech Stock Picking wikifolios haben schon bemerkt, dass ich vor einigen Tagen ein neues Investment eingegangen bin und Aktien von Lending Club gekauft habe. Auch die Follower meiner Digital Transformation Strategie bei INVESTORY haben Lending Club nun in ihren Depots.

Grund genug für mich, das FinTech-Unternehmen hier im Blog vorzustellen und meine Beweggründe für den Kauf etwas näher zu erläutern. Insbesondere weil Du Dir angesichts meiner Kaufentscheidung vielleicht verwundert die Augen reibst beim Blick auf den Chart der vergangenen 3 Jahre seit dem Börsengang:

Aber bevor wir zur abgestürzten Bewertung der Aktie kommen, zunächst einige Hintergründe zum Unternehmen:

Die Historie

Lending Club ist ein 2006 gegründetes Unternehmen aus San Francisco, das trotz seiner noch jungen Geschichte schon einige Höhen und Tiefen erlebt hat. Lending Club hat Pionier-Arbeit geleistet im Bereich der Peer-to-Peer-Kredite (P2P-Lending) und ist in diesem Bereich auch heute noch Marktführer.

Das FinTech-Unternehmen bietet in den USA Privatpersonen und kleinen Unternehmen, die einen Kredit benötigen, einen Online-Marktplatz als Alternative zur Hausbank. Angeboten werden Konsumentenkredite bis $40.000 und Geschäftskredite bis $300.000 sowie KFZ-Finanzierungen.

Das Geschäftsmodell

Dabei wird der allergrößte Teil der Kredite nicht etwa vom Unternehmen selbst begeben, sondern man bringt Kreditnehmer mit Investoren zusammen, die gemeinsam als Kreditgeber auftreten. Die Investoren bekommen je nach Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers unterschiedliche Zinssätze.

Lending Club generiert seinen Umsatz aus Gebühren von Seiten der Investoren als auch von den Kreditnehmern.

Die ursprüngliche Geschäftsidee des P2P-Lending war, dass ausschliesslich Privatanleger anderen Privatleuten über eine solche Online-Plattform einen „Privatkredit“ gewähren. Mit diesen P2P-Krediten können wesentlich preisgünstiger die völlig überteuerten Kredite der Kreditkartenunternehmen abgelöst bzw. umgeschuldet werden.

Das ist ein grundsätzlich attraktives Angebot, welches schon 2 Mio. US-Bürger gerne in Anspruch genommen haben. Insgesamt wurden so bereits Kredite mit einem Volumen von über $31 Mrd. über die Lending Club Plattform vermittelt.

Dieses Geschäftsmodell hat sich mittlerweile jedoch deutlich weiterentwickelt. Die Kreditgeber sind schon seit einigen Jahren nicht mehr nur Privatanleger, sondern zunehmend Banken und andere institutionelle Anleger.

Über die Lending Club Plattformen konnten zumindest in den vergangenen Jahren interessante Renditen erwirtschaftet werden. Daher werden diese Angebote nun gerne von den verschiedensten Anlegergruppen genutzt.

Der Wettbewerb

Der große Erfolg des Geschäftsmodells P2P-Lending zieht natürlich Nachahmer an. Lending Club als der Pionier auf dem Gebiet des P2P-Lending sieht sich mittlerweile In USA großem Wettbewerb ausgesetzt. Neben mindestens einem Dutzend anderer FinTechs mit ähnlichem Geschäftsmodell ist da vor allem das Angebot von "Marcus by Goldman Sachs" zu nennen.

Der große Unterschied zwischen dem Goldman Sachs Angebot und Lending Club besteht darin, dass Lending Club ein Online-Marktplatz ist, der Kreditnehmer und Investoren zusammenbringt. Demgegenüber ist Marcus eine Online-Plattform für Konsumentenkredite, wobei die Darlehen direkt von Goldman Sachs vergeben werden. Goldman wirbt mit der Gebührenfreiheit der Kredite, was zumindest ein guter Marketing-Schachzug ist und Lending Club derzeit etwas unter Druck setzt.

P2P-Lending in Europa

Übrigens ist das P2P-Geschäftsmodell mittlerweile auch nach Europa übergeschwappt. Lending Club als Marktführer in USA ist hierzulande gar nicht am Markt präsent. Stattdessen buhlen hier eine Vielzahl von kleineren P2P-Lending-Anbietern um die Kreditnehmer und Investoren. Wer sich von Euch für dieses Thema interessiert, der findet in zahlreichen Finanzblogs z.B. bei Freaky Finance oder Finanzfluss alle notwendigen Informationen dazu. Um es klar zu sagen: Mich als Kapitalanleger können diese P2P-Angebote hierzulande allesamt nicht überzeugen, ich würde da mein Geld nicht investieren. Aber das ist ein anderes Thema...

Die Krise

Im Dezember 2014 also vor gerade mal 3 Jahren hat Lending Club beim sehr erfolgreichen Börsengang $900M eingesammelt und die zu 15$ augegebene Aktie wurde kurz nach dem IPO zum Preis von über 25$ gehandelt, das entsprach damals einer Marktkapitalisierung von weit über $8 Mrd. Damit war das Unternehmen natürlich völlig überteuert.

Seitdem ist offenbar einiges schief gelaufen: das Unternehmen hatte seit 2015 Schwierigkeiten, das rasante Wachstum aufrechtzuerhalten. Nach dem anfänglichen Hype um das Thema P2P-Lending hatte Lending Club mit immer mehr konkurrierenden Plattformen um die Investoren zu kämpfen. Man sah sich gezwungen, die Zinssätze kräftig zu erhöhen und all das führte zu einem dramatischen Rückgang des Aktienkurses.

Den Tiefpunkt erreichte das Unternehmen im April 2016, als der Gründer und CEO Renaud Laplanche einige Unregelmäßigkeiten eingestehen und daraufhin zurücktreten musste. Der Vertrauensverlust in das Unternehmen war riesig und stürzte Lending Club in eine existentielle Krise.

Die Rettung

Es wurde folgerichtig im Mai 2016 ein neues Management eingesetzt, das vor allem zunächst mal Vertrauen wiederaufbauen musste. Seitdem sind nun 18 Monate vergangen und viele Anzeichen sprechen dafür, dass die Krise unter dem neuen Management nachhaltig überwunden ist. Mein Eindruck ist, dass das Unternehmen nun in den kommenden Jahren tatsächlich in eine Phase profitablen Wachstums eintreten könnte.

Denn die Banken sind inzwischen als Kreditgeber auf die Plattform zurückgekehrt und das Volumen der vermittelten Kredite hat mit $2,4 Mrd. im 3. Quartal 2017 schon wieder einen historischen Höchststand erreicht. Auch der dadurch unterm Strich erwirtschaftete Umsatz lag mit $154 M auf Rekordniveau.

Fast noch wichtiger ist für mich, dass man große Fortschritte in Richtung Profitabilität erreicht hat.

Noch vor einem Jahr betrug der operative Verlust über $30M, im letzten Quartal betrug er nur noch knapp $7M.

Während man unterm Strich also noch Verluste macht, ist die EBITDA-Marge in den letzten Quartalen dabei deutlich in den positiven Bereich vorangekommen.

Die aktuelle Situation

Trotz dieser operativen Fortschritte wachsen aber die Bäume auch bei Lending Club nicht in den Himmel und man konnte offenbar den wieder mal zu hohen Erwartungen der Wall Street nicht gerecht werden. Die Aktie fiel nach Bekanntgabe der letzten Geschäftszahlen zum 3. Quartal 2017 nochmals um fast 30%.

Einer der Gründe für die aktuelle Kursschwäche ist offensichtlich, dass man den Analysten nicht vermitteln konnte, warum man zukünftig bei der Kreditvergabe strengere Maßstäbe anlegen will. So sollen die Kredite mit den schwächsten Ratings nicht mehr so einfach vergeben werden.

Diese Massnahmen bedeuten zunächst eine Einschränkung des Kredit-Volumens auf der Plattform, das Wachstum wird dadurch kurzfristig etwas leiden. Aber für mich ist es etwas längerfristig betrachtet eher ein gutes Zeichen, dass man seinen Investoren qualitativ bessere Darlehen anbieten will. Dafür verzichtet man eben kurzfristig auf einen Teil des Geschäftes, der laut Aussage des Managements ohnehin unter 5% liegt.

Die Bewertung

Der nicht nur optisch günstige Preis der Aktie von aktuell ca. 4.20$ macht das Unternehmen für mich derzeit zu einem attraktiven antizyklischen Investment. Derzeit will in USA hier kaum ein Investor dabei sein. Die fundamental orientierten Investoren sind besorgt wegen des zunehmenden Wettbewerbs und die Chart-Techniker fassen die Aktie aus Angst vor dem Griff ins fallende Messer ohnehin nicht an.

Die Marktkapitalisierung beträgt bei einem Umsatz von rund $600M in 2017 derzeit $1,8Mrd. bei $700M Cash. Lending Club hat keine Schulden. Ich denke hier kann man nun vorsichtig einsteigen. Vorsichtig heisst für mich nur eine kleinere Position jetzt kaufen und erstmal die nächsten Monate und Quartale abwarten, ob die weitere Entwicklung so verläuft wie von mir erwartet.

Fazit

Lending Club ist ganz klar eines meiner spekulativen Investments - es geht hier nicht um schnelles Wachstum, sondern darum, dem Kapitalmarkt zu beweisen, dass man nachhaltig profitabel sein kann. Denn dann dürfte das Unternehmen als Marktführer im Zukunftsmarkt P2P-Lending in 5 Jahren deutlich mehr wert sein als heute - oder aber von einem der etablierten Finanzdienstleister aus der Old-Economy aufgekauft werden. Das dürfte dann allerdings nur zu einem deutlich höheren Preis möglich sein denke ich.

Ich habe in der Vergangenheit einige meiner besten Investments in genau so einer Situation getätigt - nämlich wenn ich dann eine Aktie gekauft habe, wenn keiner die Aktie haben wollte. Schauen wir mal wie es diesmal läuft...

Ähnlich antizyklisch eingestiegen bin ich ja vor etwas mehr als einem Jahr beim Software-Unternehmen Hortonworks. Dort war der Kurs nach einigen Enttäuschungen ebenfalls um 75% gefallen seit den Höchstkursen direkt nach dem IPO. In 2017 ist die Hortonworks-Aktie mittlerweile eines meiner besten Investments mit dreistelligem Kursanstieg. Hier findest Du die Hortonworks-Investment-Story zum Nachlesen.

#LendingClub #P2PLending #FinTech

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