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  • Stefan Waldhauser

3 Kennzahlen bei der Analyse von Growth-Aktien, auf die es wirklich ankommt



Falls Du diesem Blog schon länger folgst, dann weisst Du, dass bei der Aktienanalyse von High-Growth-Unternehmen andere Finanzkennzahlen eine bedeutende Rolle spielen als beim traditionellen Value Investing.


Anstatt mit dem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) und/oder KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) beschäftigen wir uns bei Growth-Aktien z.B. sinnvoller mit der Rule-of-40 (hier einfach erklärt) oder dem EV/Sales Verhältnis (hier einfach erklärt). Wenn diese Themen neu für Dich sind, dann empfehle ich Dir zum Einstieg in die Thematik den (kostenlosen) Download des E-Books zu den Grundlagen meiner High-Growth-Investing-Strategie.


Heute soll es darum gehen, einige weitere wichtige Kennzahlen vorzustellen, die sehr hilfreich für mich sind, um das Geschäftsmodell von Wachstumsunternehmen zu beleuchten und letztlich das Potential einer Aktie besser einschätzen zu können.


1. Free Cashflow pro Aktie


Bei der Analyse der Profitabilität eines Unternehmens ist mir und vielen anderen Profi-Investoren die Entwicklung des Cashflows wesentlich wichtiger als der Nettogewinn. Denn letzterer kann vom Management durch kreative Buchführungstechniken viel leichter "gestaltet" - sprich manipuliert - werden.

Dabei ist die Cashflow-Entwicklung aus Sicht eines Investors jedoch grundsätzlich unter Berücksichtigung der Verwässerung zu betrachten. Denn oftmals wird das Wachstum einer High-Growth-Company durch die Ausgabe neuer Aktien teuer erkauft. Dieser Effekt wird bei der Cashflow-Berechnung ausgeschaltet, wenn man statt des absoluten Cashflows die Entwicklung des Cashflow pro Aktie verfolgt.

Was bedeutet der Free Cashflow pro Aktie?


Der Free Cashflow pro Aktie (FCF pro Aktie) gibt an, wie viel Free Cashflow (FCF) jedem einzelnen Anteil einer Aktiengesellschaft zusteht. Zur Erinnerung: Der Free Cashflow ist der verfügbare Geldbetrag, den ein Unternehmen nach Zahlung der laufenden Betriebskosten und Abzug aller Investitionen in langfristige Vermögenswerte (wie beispielsweise Anlagen oder Ausrüstung) generiert hat. Er kann verwendet werden, um Dividenden an Aktionäre auszuschütten, Schulden abzubauen, Aktienrückkäufe zu finanzieren oder in zukünftiges Wachstum zu investieren.


Um den Free Cashflow pro Aktie zu berechnen, teilt man den gesamten Free Cashflow des Unternehmens also durch die Anzahl der ausstehenden Aktien:

FCF pro Aktie = Gesamter Free Cashflow / Anzahl der ausstehenden Aktien

Diese Kennzahl ist besonders nützlich, um die die Fähigkeit eines Unternehmens zu bewerten, Mehrwert für die Aktionäre zu generieren. Ein nachhaltig steigender FCF pro Aktie deutet im Allgemeinen darauf hin, dass ein Unternehmen finanziell gesund ist und in der Lage ist, seine Verpflichtungen auch langfristig zu erfüllen. Es kann auch bestens als Maßstab für den Vergleich von Unternehmen innerhalb derselben Branche oder zur Beurteilung der Rentabilität und Stabilität eines Unternehmens im Zeitverlauf verwendet werden.


Für mich ist der FCF pro Aktie bzw. dessen Wachstumsrate auch die alles entscheidende Kennzahl, wenn es um die Beurteilung geht, ob die insbesondere bei Technologieunternehmen üblichen SBC (Share Based Compensation = Aktienvergütungen) negativ für eine Growth-Company zu sehen sind. In einem früheren Beitrag hatte ich dieses Thema hier schonmal ausführlich betrachtet: Was Du über Aktienvergütungen (SBC) und Verwässerung bei Aktien wissen solltest


Free Cashflow pro Aktie am Beispiel CrowdStrike und Datadog

Zwei schnell wachsende SaaS-Unternehmen in meinem wikifolio sind CrowdStrike und Datadog. Beide erwirtschaften seit ca. 3 Jahren positive und steigende Cashflows. Und beide Unternehmen werden regelmäßig heftig dafür kritisiert, dass sie hohe SBC ausweisen, die dazu führen, dass das Nettoergebnis nach GAAP noch deutlich negativ ist.


In den vergangenen Quartalen ist der FCF pro Aktie bei CrowdStrike jedoch wesentlich schneller vorangekommen als bei Datadog. Für mich ist das einer der Hauptgründe, warum die CrowdStrike Aktie die Datadog Aktie zuletzt deutlich outperformt hat.



2. Umsatz je Mitarbeiter

Der Umsatz je Mitarbeiter ist eine wichtige Finanzkennzahl, weil sie ein Maß für die Produktivität und Effizienz eines Unternehmens darstellt. Sie gibt an, wie viel Umsatz ein Unternehmen im Verhältnis zur Anzahl seiner Mitarbeiter generiert. Um den Umsatz je Mitarbeiter zu berechnen, teilt man den Gesamtumsatz des Unternehmens einfach durch die Anzahl der Mitarbeiter:


Umsatz je Mitarbeiter = Gesamtumsatz / Anzahl der Mitarbeiter

Was bedeutet der Umsatz je Mitarbeiter?

Diese Kennzahl ist aus mehreren Gründen wichtig:

  1. Produktivität: Ein hoher Umsatz pro Mitarbeiter deutet darauf hin, dass das Unternehmen seine Arbeitskräfte effektiv einsetzt. Dies kann als Zeichen für ein starkes Management und effiziente Prozesse gewertet werden.

  2. Vergleichbarkeit: Sie ermöglicht den Vergleich von Unternehmen innerhalb derselben Branche, um zu beurteilen, welche Unternehmen produktiver und effizienter sind. Unternehmen mit einem höheren Umsatz pro Mitarbeiter können als wettbewerbsfähiger und besser geführt angesehen werden.

  3. Kostenkontrolle: Ein höherer Umsatz je Mitarbeiter kann auf eine bessere Kontrolle der Personalkosten hindeuten. Da Personalkosten gerade bei Software- und Plattformunternehmen oft einen großen Anteil der Gesamtkosten ausmachen, ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Ressourcen effizient nutzen, um die Rentabilität zu erhöhen.

  4. Ressourceneffizienz: Der Umsatz je Mitarbeiter hilft uns als Investoren und Analysten dabei zu beurteilen, wie gut ein Unternehmen seine Ressourcen nutzt. Unternehmen, die in der Lage sind, mehr Umsatz mit weniger Mitarbeitern zu generieren, können als effizienter angesehen werden. Sie bieten möglicherweise bessere langfristige Investitionsmöglichkeiten.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Umsatz je Mitarbeiter von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ist und je nach Art des Geschäftsmodells variieren kann. Deshalb ist es wichtig, diese Kennzahl im Kontext der jeweiligen Branche und in Verbindung mit anderen Finanzkennzahlen zu betrachten.


Umsatz je Mitarbeiter am Beispiel von Meta und Alphabet

In der Technologiebranche konnte man anhand des Umsatzes je Mitarbeiter in 2022 beobachten, dass viele Unternehmen in der durch die Covid Pandemie ausgelösten Sonderkonjunktur zu schnell zu viele neue Mitarbeiter eingestellt hatten. Dann folgte das böse Erwachen: Man musste vielerorts gerade bei den Tech-Riesen wie Meta und Alphabet realisieren, dass die pandemiebedingt hohen Wachstumsraten aus 2021 (Stichwort Digitalisierungsschub) nicht nachhaltig waren. Nun folgt der schmerzhafte Anpassungsprozess, oftmals durch Entlassungen beschleunigt.




Ich erwarte, dass der Umsatz pro Mitarbeiter 2023 in der Technologiebranche in vielen Unternehmen sehr deutlich ansteigen wird - gerade auch bei Unternehmen, die aktuell eine Wachstumsschwäche durchmachen wie bei Meta und der Alphabet.


Bemerkenswert ist, dass beide auch heute noch weit über $1 Mio. Umsatz pro Mitarbeiter erwirtschaften. Das ist ein im Branchenvergleich großartiger Wert und zeigt, welches Ertragspotential in diesen Konzernen trotz aller aktuellen Herausforderungen vorhanden ist.

3. Die Forschungsquote (F&E/Umsatz)


Die Forschungsquote, auch als F&E-Intensität oder F&E-Quote bezeichnet, ist ein Indikator, der das Verhältnis der Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E) zum Umsatz eines Unternehmens, misst.


Um die Forschungsquote eines Unternehmens zu berechnen, teilt man die F&E-Ausgaben des Unternehmens durch den Umsatz und multipliziert das Ergebnis mit 100, um es als Prozentsatz auszudrücken:


Forschungsquote = (F&E-Ausgaben / Umsatz) × 100

Was bedeutet die F&E-Quote?

Die Forschungsquote ist aus verschiedenen Gründen wichtig:

  1. Innovationspotential: Eine höhere Forschungsquote deutet darauf hin, dass ein Unternehmen stark in Forschung und Entwicklung investiert, was zu neuen Technologien oder Produkten führen sollte. Dies kann auf ein größeres Innovationspotential und Wachstumsmöglichkeiten hinweisen.

  2. Wettbewerbsfähigkeit: Die Forschungsquote hilft, die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens im globalen Markt zu beurteilen. Ein höherer Anteil an F&E-Investitionen kann darauf hindeuten, dass ein Unternehmen stärker darauf ausgerichtet ist, wettbewerbsfähig zu bleiben und seine Marktstellung zu erhalten oder zu verbessern.

  3. Kostenkontrolle: Selbstverständlich ist eine höhere Forschungsquote nicht per se gut. Entscheidend ist immer was dabei letztendlich rauskommt. Hat ein Unternehmen seine Entwicklungskosten besonders gut unter Kontrolle (z.B. wenn in kostengünstigeren Ländern entwickelt wird), so kann auch eine relativ niedrige F&E-Quote zum Erfolg führen. Es geht hier vor allem um die Tendenz im Zeitablauf.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Forschungsquote von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ist und je nach Art des Geschäftsmodells variieren kann. Unternehmen in Technologiebranchen oder Branchen, die auf Innovationen angewiesen sind, wie zum Beispiel Pharma- oder Biotechnologieunternehmen, haben in der Regel eine höhere Forschungsquote als Unternehmen in weniger forschungsintensiven Branchen.


Forschungsquote am Beispiel von Datadog, Elastic und Dynatrace

In der Softwarebranche werde ich immer dann stutzig, wenn eine Company dauerhaft weniger als 20% des Umsatzes für F&E ausgibt. Dann stellt sich schon die Frage, ob man dauerhaft mithalten kann mit dem Wettbewerb, der teilweise deutlich höhere F&E-Quoten hat.


Vergleicht man z.B. verschiedene Player im Markt für Application Performance Monitoring (APM) und Cloud-Infrastrukturüberwachung, so fällt auf, dass Datadog wesentliche aggressiver in die Zukunft investiert als der direkte Wettbewerber Dynatrace. Ob es schlau ist, in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten für SaaS fast die Hälfte des Umsatzes für die Entwicklung auszugeben, das ist eine ganz andere Frage. Ein Unternehmen mit einer besonders hohen F&E-Quote wie Datadog könnte seine Profitabilität jedenfalls sehr kurzfristig deutlich verbessern, indem man die Forschungsquote auf ein „normales Maß“ zurückfährt. Elastic hat übrigens gerade diesen Weg eingeschlagen.

Wie Du fortgeschrittene Finanz-Kennzahlen einfach für Dich nutzen kannst

Du fragst Dich jetzt vielleicht wie Du diese fortgeschrittenen Kennzahlen für Deine Aktienanalyse nutzen kannst, ohne Dich zeitaufwendig in Geschäftsberichte einlesen und diese zusammengesetzten Zahlen selbst berechnen zu müssen.

Tatsächlich sind diese Kennzahlen nicht ganz zufällig in der umfangreichen Toolbox des aktien.guide enthalten, dessen laufende Weiterentwicklung ich selbst mit gestalten darf. Zu fast 7.000 weltweiten Aktien findest Du dort im "Charts" Bereich neben über 40 anderen Fundamentaldaten auch den Free Cashflow pro Aktie, den Umsatz pro Mitarbeiter und die Forschungsquote (F&E/Umsatz).


All diese Daten werden als Chart visualisiert, so dass Du auf einen einzigen Blick die Entwicklung dieser Kennzahlen im Zeitablauf erfassen und sogar von mehreren Aktien ganz einfach miteinander vergleichen kannst.

Die Fundamental Charts bei aktien.guide


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Disclaimer: Ich erhalte keine Vergütung von aktien.guide für die Empfehlung dieser Plattform. Aber ich bin als Aktionär und Verwaltungsrat an der aktien.guide AG maßgeblich an deren wirtschaftlichem Erfolg beteiligt.

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