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  • Stefan Waldhauser

Ist das Potential der Airbnb Aktie ausgereizt?




Seit Ende 2022 bin ich mit großem Erfolg in Airbnb investiert, hier gibt's den Airbnb Investment Case zum Nachlesen. Das Timing zum Einstieg war gut, nach weniger als 2 Jahren liegt meine Airbnb Position gut 60% im Plus.


Die Airbnb Aktie notiert nach langer Durststrecke damit auch endlich wieder oberhalb ihrer Erstnotierung von 146$ zum IPO Ende 2020.




Einer meiner regelmäßigen Checks mit dem Screener des aktien.guide sieht vor, dass ich das "Kurspotential" meines Portfolios gemäß der vorherrschenden Analystenmeinungen überprüfe. Denn auch wenn ich nicht besonders viel auf die Kursziele der Analysten gebe: Es ist doch immer wieder interessant, was andere Marktbeobachter über "meine" Unternehmen so denken.


Eine solche Routine-Untersuchung hat jetzt ergeben, dass Airbnb das einzige Unternehmen in meinem wikifolio ist, bei dem das durchschnittliche Kursziel der Analysten unter dem aktuellen Aktienkurs liegt.



Grund genug, mit diesem Beitrag mal wieder genauer auf Airbnb zu schauen, auch um meine eigene Meinung zu überprüfen.


Ist das Potential der Airbnb Aktie wirklich ausgereizt, wie die Analysten meinen?


Die Airbnb Geschäftszahlen für 2023

Airbnb hat seinen Umsatz 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 18% auf $9,9 Mrd. steigern können. Die Umsatzsteigerung ist damit deutlich langsamer ausgefallen als noch 2022. Damals waren die Zahlen mit einem hohen 40% Wachstum noch verzerrt durch die niedrigen Vergleichszahlen in der Corona-Pandemie.


Der Free Cashflow verbesserte sich 2023 auf $3,8 Mrd., was einer hervorragenden Free Cashflow-Marge von 39% entspricht.




Nachdem 2022 erstmals ein Nettogewinn ausgewiesen wurde, konnte dieser in 2023 auf $4,8 Mrd. mehr als verdoppelt werden. Die daraus resultierende herausragende Nettomarge von 48% ist jedoch verzerrt durch steuerliche Einmaleffekte, der Nettogewinn und die Marge wird in 2024 deutlich niedriger ausfallen.


Airbnb hat sich in der Pandemie zu einem sehr effizienten Unternehmen entwickelt. Ende 2023 beschäftigte Airbnb ca. 6.900 Mitarbeiter, das bedeutet einen Umsatz von fast $1,5 Mio. pro Mitarbeiter. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Booking liegt bei ca. 900.000$ Umsatz pro Mitarbeiter.


Airbnb hat sich durch diese Effizienzsteigerungen in den vergangenen Jahren zu einer regelrechten Cash-Maschine entwickelt und "schwimmt" im Geld. Ende 2023 verfügte man über $10 Mrd. Cashreserven.



Airbnb vor dem nächsten Expansionsschritt

In den vergangenen Jahren war Airbnb nach der Bewältigung der Corona Pandemie in erster Linie damit beschäftigt, sein Kernprodukt zu optimieren. Ich bin selbst Airbnb Gastgeber (also Vermieter) einer Ferienvilla im Südwesten von Mallorca (Villa Calmatzo) und konnte daher auch aus Kundensicht beobachten, wie ständig neue Optimierungen für Gäste und noch mehr für die Gastgeber auf der Plattform umgesetzt wurden.


Es war wohl noch sie so einfach wie heute, selbst Airbnb Gastgeber zu werden und das schlägt sich in den Zahlen nieder: Es gab Ende 2023 erstmals mehr als 5 Mio. Airbnb Vermieter weltweit, zur Vermietung angeboten werden 7,7 Mio. Objekte, was einem Zuwachs von 18% im Vorjahresvergleich entspricht.


Für die mittelfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens ist es besonders wichtig, dass die Anzahl der verfügbaren Mietobjekte auf der Plattform möglichst weiterhin zweistellig anwächst. Das soll zukünftig auch durch einen noch größeren Fokus auf die internationalen Märkte erreicht werden. Denn das Angebot in Nordamerika wächst deutlich langsamer als die noch weniger für Airbnb erschlossenen Märkte in Europa, Südamerika oder Asien.


Es ist zu erwarten, dass Airbnb zukünftig auch außerhalb der reinen Vermietung in weitere Marktsegmente des Reisemarktes hinein expandiert. Bisher gibt es dazu nur vage Ankündigungen:

"We also believe that now is the time for us to expand beyond our core business and reinvent Airbnb. While this will be a gradual, multi-year journey, we’re excited to share more about this later in 2024."

Ich spekuliere darauf, dass die doch sehr verhaltene bis negative Einschätzung der weiteren Wachstumsaussichten durch die Analystengemeinde im Laufe von 2024 etwas revidiert wird. Entsprechende Produktankündigungen sollten die Phantasie der Marktbeobachter anregen können.


Die Risiken aus der Regulierung

Besonders wichtig für die weitere Kursentwicklung ist die Einschätzung der Risiken, die für Airbnb aus einer zunehmenden Regulierung entstehen könnten. Es ist derzeit noch nicht einschätzbar, ob viele weitere Städte dem Vorbild New Yorks folgen werden. Die Stadtverwaltung dort hat seit September 2023 die Vermietbarkeit von Apartments via Airbnb drastisch eingeschränkt.


Ich persönlich denke, dass diese Risiken aus der Regulierung für Airbnb teilweise überhöht dargestellt werden. Denn es kann ja auch nicht im Sinne der Stadtverwaltungen sein, dass die Hotelpreise nach einem weitgehenden Bann von Airbnb drastisch ansteigen (wie in New York gesehen) und diese Städte für viele Touristen dadurch unbezahlbar werden.


Im Übrigen ist Airbnb geographisch extrem gut diversifiziert. Keine einzige Stadt steht für mehr als 2% des Umsatzes. Dennoch ist die zunehmende Regulierung von Kurzzeitvermietung eines der größten Risiken für die Airbnb Aktie.


Aktienrückkäufe verhindern Verwässerung der Aktionäre

Seit 2022 kauft Airbnb aus dem hohen Cashflow umfangreich eigene Aktien zurück und wirkt damit der Verwässerung aus den Share-Based Compensations (SBC) entgegen.


Die Airbnb Aktienrückkäufe in 2023 beliefen sich auf insgesamt $2,25 Mrd. USD, seit 2022 wurden damit für fast $4 Mrd. Aktien zurückgekauft. Die Anzahl ausgegebener Aktien blieb damit zuletzt stabil.



Mittlerweile wurde ein neues Aktienrückkaufprogramm angekündigt, das ab 2024 den Rückkauf von Aktien im Wert von bis zu 6 Mrd. USD ermöglicht. Zudem werden ab 2025 die SBC wesentliche langsamer wachsen, da 2024 die generösen Mitarbeiter-Beteiligungsprogramme aus dem IPO auslaufen.


Die Airbnb Guidance für 2024

Anfang 2023 hatten die Analysten orakelt, dass das Wachstum bei Airbnb drastisch zurückgehen werde, im Durchschnitt erwarteten die Experten für 2023 nur ein Umsatzplus von weniger als 12%. Am Ende sind 18% hochprofitabler Umsatzzuwachs herausgekommen, wie wir jetzt alle wissen.


Nun sind die Analysten für 2024 wieder recht pessimistisch. Für die kommenden Jahre erwarten sie "nur" noch ein knapp zweistelliges Wachstum. Die Nettomarge soll sich bei ca. 25% einpendeln.


Für das 1. Quartal 2024 prognostiziert das Airbnb Management hingegen ein Umsatzwachstum von 12-14%. Für das Gesamtjahr wurde noch keine Guidance ausgegeben.


Ich selbst bin etwas optimistischer als die meisten Analysten und gehe davon aus, dass der Airbnb Umsatz 2024 deutlich über $11 Mrd. erreichen wird nach $9,9 Mrd. in 2023.


Viel wichtiger als das kurzfristige Wachstumstempo ist mir ohnehin das Versprechen des Managements, dass man die Airbnb Organisation genauso schlank und effizient halten will wie in der jüngeren Vergangenheit. D.h. ich erwarte 2024 durchaus eine weitere deutliche Steigerung von Cashflow und EBIT, auch wenn der Nettogewinn aufgrund steuerlicher Einmaleffekte wohl deutlich unter dem Gewinn je Aktie aus 2023 liegen wird.


Die Bewertung der Airbnb Aktie

Der Gewinn pro Airbnb Aktie sprang 2023 auch aufgrund von Einmaleffekten von 2,79$ auf 7,24$ . Damit errechnet sich bei einem Aktienkurs von 158$ ein KGV (TTM) von 22. Dieses KGV wird aber im Laufe der nächsten Quartale aufgrund der genannten Einmaleffekte aus 2023 deutlich ansteigen.


Das EV/Sales - Verhältnis (forward) von Airbnb beträgt über 8. Das ist ein durchaus stolzer Preis für die Aktie angesichts eines Wachstums von zukünftig max. 15%.


Die Airbnb Aktie ist zu diesen Kursen sicherlich kein Schnäppchen mehr. Ich empfinde die Bewertung der Airbnb Aktie in Anbetracht des extrem effizienten Wachstums dennoch als fair. Der Rule-of-40 Score (hier einfach erklärt) liegt seit Jahren weit über 40%.


Allerdings gibt es aufgrund der doch schon relativ hohen Bewertung der Airbnb Aktie wohl wenig Spielraum für kurzfristige Kurssteigerungen. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Aktie auch auf diesem Niveau ein gutes Langfristinvestment ist. Ich plane daher, die Aktie langfristig im High-Tech Stock Picking wikifolio zu halten.


Derzeit ist Airbnb aber wohl nicht mehr als eine gute Halteposition. Ich führte die Übergewichtung daher nun etwas zurück und habe erste Gewinne mitgenommen, auch um meine Barreserve im wikifolio vor der erwartet unruhigen Quartalssaison wieder auf 10% zu erhöhen.


Wenn Du die Entwicklung von Airbnb zukünftig gemeinsam mit mir beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter bestellen.


Disclaimer


Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Airbnb. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.






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