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  • Stefan Waldhauser

Warum Du keine IPO Aktien kaufen solltest


IPO Aktien

Dieser Beitrag erschien erstmals im September 2020. Er wurde aktualisiert und erweitert nach den IPOs von Arm und Instacart im September 2023.


Die IPOs sind zurück!


Nach dem Platzen der Tech-Blase gab es 2022 und im bisherigen Verlauf von 2023 eine lange Durststrecke ohne nennenswerte Börsengänge. Doch in den vergangenen Tagen konnte die US Technologiebörse Nasdaq mit dem Chip-Designer Arm (+$50 Mrd. Marktkapitalisierung) und dem Lebensmittel-Lieferdienst Instacart (+$10Mrd. Marktkapitalisierung) gleich zwei große Börsengänge zu vermelden.


Diese verliefen zumindest kurzfristig für die Zeichner der jungen Aktien durchaus erfolgreich und deren Zeichnungsgewinne haben nun auch Privatanleger wieder für das Thema IPO elektrisiert.


Angesichts der ambitionierten Bewertungen von Arm und Instacart möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, mit diesem Beitrag noch einmal einen generellen Kommentar zu IPO Werten abzugeben.


Falls Du mein öffentliches Musterdepot schon längere Zeit verfolgst, dann ist Dir sicherlich schon aufgefallen, dass ich mich von IPOs zunächst grundsätzlich fern halte. Spannende IPO Werte wandern nach dem Börsengang zunächst auf meine Watchlist. Ich warte dann i.d.R. mindestens 2 Quartalsergebnisse ab, vorzugsweise mehr, aber normalerweise mindestens 8 oder 9 Monate nach dem IPO. Erst dann entscheide ich in aller Ruhe über einen Einstieg.


Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:


1. FOMO ist kein guter Berater

Viele Anleger wollen die nächste "heiße" Aktie nicht verpassen. FOMO - "Fear of missing out" nennt man dieses Phänomen.


Als menschliche Wesen sind wir empfänglich für Gefühle wie Gier und Angst. Wenn viele Experten dem Unternehmen positiv gegenüberstehen, muss es doch eine gute Investition sein, oder?


Diese Einstellung ist gefährlich, denn wenn man getrieben durch FOMO mit der Herde mitläuft, dann handelt man emotional und nicht rational. Man neigt dazu, ohne fundamentale Betrachtung der Kennzahlen und des zugrunde liegenden Geschäftsmodells Kaufentscheidungen zu treffen.


Oft steigen die Kurse nach dem IPO kurzfristig gegenüber dem Emissionspreis. Der Anleger fühlt die FOMO und steigt z.B. am ersten Handelstag mit einem Aufschlag ein. Denn im Gegensatz zu institutionellen Investoren kommen Privatanleger nur in Ausnahmefällen bereits zum Ausgabepreis als Erstzeichner an die Aktien.


Doch früher oder später korrigiert die heiß gelaufene IPO-Aktie oder es kommt im Falle eines Hypes / einer Blase sogar zu einem Crash. Die folgende Grafik zeigt - sehr nett gemacht wie ich finde - die Psychologie des “typischen FOMO-Investors”.


Psychologie an der Börse

Beispiele dafür gibt es genug. Mir fallen hier der Hype um immer neue - letztendlich wertlose - Kryptowährungen im Jahr 2017 ein, oder auch der IPO-Boom am Neuen Markt im Zuge der Dotcom-Blase, die im März 2000 letztendlich geplatzt ist.


Noch besser in Erinnerung ist den meisten von Euch sicherlich der Crash der Tech-Aktien aus 2022, welcher dazu geführt hat, dass die allermeisten IPOs der letzten Jahre den Privatanlegern bis heute große Verluste bescherten.


Die Aktien aus den zehn größten US-Börsengänge der vergangenen 4 Jahre liegen heute allesamt unter ihren Kursen am ersten Handelstag! Darunter sind durchaus klangvolle Namen und hervorragende Unternehmen wie Airbnb oder Snowflake (Quelle: Handelsblatt).


Da fällt mir ein wunderbares Zitat von Warren Buffett zu diesem Thema ein:

“Be fearful when others are greedy and greedy only when others are fearful.”

2. Wie verhält sich ein IPO Unternehmen als „Public Company"?

Es ist für jedes Unternehmen ein riesengroßer Schritt von der vorbörslichen „Private Company“ zu einem an der Börse gehandelten Unternehmen. Denn das Management muss dann i.d.R. quartalsweise seinen Investoren Rechenschaft ablegen.


Ich möchte vor einem Investment sehen, wie sich ein Unternehmen zumindest einige Quartale lang als "Public Company" unter den kritischen Augen der Analysten in der Öffentlichkeit verhält.


Wie fallen die Zahlen der ersten 2-3 Quartale an der Börse aus?


Kann das Management in den Analystencalls überzeugen und den vor dem IPO kommunizierten Business Plan erfolgreich umsetzen?


So manche zum IPO aufgehübschte Braut verliert im rauhen Börsenalltag ganz schnell an Glanz.


Soll heißen: Die Alt-Investoren tun verständlicherweise alles, um ein Unternehmen zum Börsengang in ein gutes Licht zu rücken. Die im Emissionsprojekt veröffentlichten Zahlen müssen gut aussehen, um den IPO zu ermöglichen.


Doch sind diese Zahlen auch nachhaltig?

Das kommt erst nach einigen Quartalen als "Public Company" ans Licht.


3. Die Lock-up-Periode

Nach (meist) 6 Monaten läuft die Lock-up-Periode ab, dann können Insider und Altaktionäre erstmals ihre Aktien verkaufen. Es ist ganz normal und verständlich, dass Gründer und vorbörsliche Investoren dann oftmals zumindest einen Teil ihrer Positionen verkaufen wollen.


Denn die Gründer haben meist den überwiegenden Teil ihres Vermögens in ihrer eigenen Aktie und müssen diversifizieren. Siehe dazu auch meinen Beitrag über die Bedeutung der Insiderverkäufe.


Der Exit von vorbörslichen Risikokapitalgebern gehört zu deren Geschäftsmodell und ist ebenfalls nicht beunruhigend.


Steigt das Angebot an angebotenen Aktien am Finanzmarkt an, so drückt das auf den Kurs. Der Ablauf der Lock-up-Periode nach dem Börsengang führt daher oft zu Kursverlusten, so dass ca. 6-12 Monate nach dem IPO oftmals ein gutes Zeitfenster für Käufe sind.


Beispiele gefällig?


1. Shopify

Im Mai 2015 kam der heutige E-Commerce-Riese Shopify zu (splitbereinigt) 1,70$ je Aktie an die Börse und wurde bereits am ersten Handelstag zu gut 2,50$ gehandelt. 9 Monate später war die Aktie dann für ca. 2$ zu haben.


Ich habe die Entwicklung des Unternehmens damals in Ruhe beobachtet (hier im Blog nachzulesen) und im November 2016 bei ca. 4$ eine Shopify Position aufgebaut. Eine Restposition der Shopify Aktie halte ich bis heute mit aktuell +1.200% Performance im High-Tech Stock Picking wikifolio.

Shopify Aktienkursentwicklung


2. Duolingo

Im Juli 2021 kam der E-Learning-Anbieter Duolingo zum Ausgabekurs von 102$ an die Nasdaq und beendete den ersten Handelstag mit einem Kurs von 139$. Ein halbes Jahr später nach Ende der Lockup-Frist war die Aktie unter 100$ zu haben, bis Ende 2022 sackte die Aktie trotz hervorragender fundamentaler Entwicklung sogar auf 70$ ab.

Duolingo Aktienkursentwicklung

Es gab also genug Zeit, um die Duolingo Aktie deutlich unter ihrem damaligen Ausgabekurs einzusammeln. Heute ist die Aktie wieder deutlich mehr wert und das zurecht, denn das Unternehmen entwickelt sich weiterhin herausragend (Hier Duolingo Investmentstory nachlesen).


4. An IPO Aktien verdienen zunächst die Banken

Ein klassischer IPO ist nicht nur ein Weg zur Eigenkapital-Beschaffung von Wachstumsunternehmen, sondern vor allem auch ein Riesengeschäft für die beteiligten Konsortialbanken.


Privatanleger haben bei den wirklich attraktiven Unternehmen i.d.R. keinerlei Chancen zum Ausgabekurs an die meist hoffnungslos überzeichneten IPO Aktien zu kommen. Denn die Emissionsbanken zeichnen einen Großteil der auszugebenden jungen Aktien für sich selbst bzw. ihre Fonds und für ihre wichtigsten Kunden.


Banken profitieren dabei auf verschiedene Arten:


Zunächst verdienen sie am sogenannten Underwriting-Spread. Das ist der Unterschied zwischen dem Preis, welche die Konsortialbank, die den IPO begleitet, für die Aktien bezahlt und dem Preis, den die Öffentlichkeit angeboten bekommt. Dieser beträgt zwischen 3 und 7 Prozent.


Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass sobald eine Underwriting-Erklärung unterzeichnet wurde, der Underwriter (oder das Underwriter-Syndikat, bei mehreren Banken) das Risiko trägt, die Anteile zu verkaufen. Die Anteile werden von der Konsortialbank komplett aufgekauft und sie bleibt im Falle dessen, dass das Angebot größer als die Nachfrage ist, auf den Anteilen sitzen.


Im Falle von Arm gab es knapp 100 Mio. zum Verkauf stehende Aktien a 51$. Wenn wir von einem Underwriting-Spread von 5% ausgehen, dann gehen von den eingesammelten ca. $5 Milliarden weit über $200 Mio. direkt an die Underwriter.


Noch größer dürften die kurzfristigen Zeichnungsgewinne sein, welche die am IPO beteiligten Banken, deren Fonds und ihre großen Kunden gemacht haben. Denn die Arm Aktien wurden in den ersten Tagen nach der Emission über 60$ gehandelt, die Verkäufer zu diesen Kursen sind oftmals die glücklichen Erstzeichner aus dem Umfeld der emissionsbegleitenden Banken. Sie kassieren - vereinfacht gesagt - die Differenz und tunen so z.B. die Performance ihrer Aktienfonds.


Es gibt auch immer wieder mal Vorwürfe, dass Konsortialbanken durch "Kickbacks" ihrer bei der Zuteilung bevorzugten Kunden zusätzlich abkassieren. D.h. Kunden würden sich angeblich verpflichten, einen Teil möglicher Zeichnungsgewinne an die Bank abzuführen. Ob diese Geschäftspraxis immer noch existiert, ist mir ehrlich gesagt unklar.


In jedem Fall werden die Banken alles in ihrer Macht stehende tun, um jeden in der Branche dazu zu drängen, die Nachfrage nach den Aktien im Zuge des Börsengangs zu steigern. Auch die Finanz-Medien profitieren vom Hype durch steigende Leserzahlen und machen gerne mit.


Ein erfolgreicher Börsengang wird von den Banken leider oft an den Kursen kurz nach dem IPO bemessen. Für mich als mittel- bis langfristig orientierter Investor ist ein Börsengang hingegen nur dann erfolgreich, wenn der Aktienkurs bzw. Enterprise Value auch in den Quartalen und Jahren danach über dem Emissionskurs liegt und idealerweise unter mehr oder weniger großen Schwankungen stetig steigt.



Fazit

Lass Dich nicht von dem aktuellen Hype um die IPOs von Arm, Instacart und Co. anstecken. Es bleibt Dir genug Zeit, um später einzusteigen. Dann hast Du eine viel bessere Entscheidungsgrundlage.


Der Emissionsprospekt als Informationsquelle ist wichtig. Er ist trotz zahlreicher rechtlicher Vorgaben aber immer auch eine Art Hochglanz-Werbebroschüre für den Verkauf der Aktien.


Die ersten Quartalsberichte nach dem IPO sind meist noch viel erhellender, um die Spreu vom Weizen zu trennen.


Wenn Du die spannendsten IPO Werte gemeinsam mit mir in aller Ruhe nach dem Börsengang beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen High-Growth-Investing-Newsletter abonnieren.


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