• Stefan Waldhauser

5 Gründe für den Absturz der Twitter Aktie



Die Twitter Aktie ist seit einigen Monaten einer der am höchsten gewichteten Werte in meinem High-Tech Stock Picking wikifolio. Daher hat mich der aktuelle Kurssturz um über 20% nach den Q3 Zahlen besonders heftig getroffen.


Zahlreiche Anfragen von Euch zeigen mir, dass ich wohl nicht ganz alleine bin in meinem Interesse an Twitter. 😉 Daher hier ein kurzes Update mit meiner aktuellen Einschätzung zur Twitter Aktie.



Bitte beachte: Der vorliegende Beitrag ist keine Einführung in den Twitter Investment Case. Wenn Du Dich zum ersten Mal mit Twitter beschäftigst, dann empfehle ich Dir zum Start den folgenden Content:

  1. Meine Twitter Analyse vom DLF Blog aus dem September 2020

  2. Diskussion der Twitter Aktie bei “HGI meets Finanzrocker” auf YouTube

Jetzt aber zu den 5 Gründen, die ich für den regelrechten Crash der Twitter Aktie ausgemacht habe:


1. Enttäuschendes Wachstum der Userbasis im Q3


In der Berichterstattung der Medien zur Twitter Aktie wird vor allem auf die Verfehlung der Analystenschätzungen für das Wachstum der Userbasis im Q3 hingewiesen. Mag sein, dass der ein oder andere Investor tatsächlich enttäuscht war, dass nach dem Rekordzuwachs im Q2 nun im Q3 der Ausbau der Userbasis etwas langsamer erfolgte und nur 1 Mio. zusätzliche monetarisierbare tägliche User (mDAUs) gegenüber dem Q2 hinzukamen.


Aber das Q2 war durch die Corona-Pandemie nicht vergleichbar mit einem normalen Quartal und daher ist dieser Vergleich extrem unfair. In so einem Datenpunkt ist keinesfalls ein negativer Trend zu erkennen, der da jetzt offenbar vorschnell reininterpretiert wird.



Sollte das wirklich der Hauptgrund sein wie von den Medien behauptet?


Ich glaube da würde man es sich zu einfach machen.


Denn ansonsten waren die Twitter Zahlen zum Q3 gerade im Vergleich zum Q2 sehr gut:

  • Der Umsatz stieg um 14% auf $936 Mio.

  • Die Anzahl der mDAUs stieg um 29% gegenüber Vorjahr auf 187 Mio.

  • Das operative Einkommen betrug 6% vom Umsatz.

  • Auch unterm Strich stand im Gegensatz zum Q2 ein Nettogewinn von $29 Mio. oder 3% vom Umsatz.


2. Negativer Free Cashflow im Q3


Trotz dieses Nettogewinns musste Twitter im Q3 wie auch schon im Q2 einen Cashabfluss vermelden. Zwar war der operative Cashflow mit $215 Mio. deutlich positiv, aber die Investitionen (z.B. in Rechenzentren) wuchsen um über 70% auf $289 Mio., so dass unterm Strich ein Cash-Burn von $74 Mio. zu verzeichnen war.



Die Twitter-Aktie hatte in der Vergangenheit aufgrund seiner prall gefüllten Kasse (aktuell $7,7 Mrd.) und hohen Cashflows zahlreiche Value-Investoren angelockt. Einige sind jetzt wohl enttäuscht davon, dass Twitter diese Zahlen aktuell nicht mehr liefern kann bzw. will. Für diese Investoren ist es auch eine schlechte Nachricht, dass das angekündigte $2 Mrd. Aktienrückkaufprogramm noch nicht gestartet wurde.


Ich als Growth-Investor hingegen vernehme sehr gerne, dass Twitter wie angekündigt nun tatsächlich wieder verstärkt in künftiges Wachstum und den Ausbau seiner Infrastruktur investiert.


3. Verzögerung des MAP Produktrelease


Die für mich wirklich schlechte Nachricht des Tages kam aus der Produktentwicklung: Die mit Spannung erwartete Verfügbarkeit des Produktes zur Promotion von Apps in Twitter (MAP = Mobile Application Promotion) verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Ich habe die Aussagen dazu so verstanden, dass man mit den Pilotkunden einige Probleme hat und zudem wohl von den von Apple angekündigten Änderungen in der Privacy-Funktionalität auf iOS14 abhängig ist, so dass man auf dieses Apple-iOS-Release warten will.


Noch vor 3 Monaten wurde MAP als einer der neuen Hoffnungsträger für neue Umsatzquellen genannt. Diese Hoffnung ist jetzt erstmal geplatzt. Sowas passiert, aber ich frage mich ob diese Herausforderungen nicht auch schon vor 3 Monaten hätten antizipiert werden können.


Einige Investoren (mich eingeschlossen) hatten zudem die Hoffnung, dass nach dem Q3 ein neues subskriptionsbasiertes Produkt zumindest angekündigt wird. Dazu gab es leider keine Neuigkeiten aus der Produktentwicklung. Noch eine kleine Enttäuschung...


4. Ist Jack Dorsey müde?


Ich bewundere Jack Dorsey als Mensch und Visionär. Er hat nicht nur als einer der wenigen Menschen auf diesem Planeten mit Twitter und Square gleich zwei Milliarden-Unternehmen aufgebaut. Nein, er ist auch ein wahrhaftig sozialer Mensch, der mit seinen Milliarden Gutes tun will und Twitter wohl in erster Linie aufgebaut hat, um der Menschheit etwas positives zu schenken. Der Shareholder Value stand bei ihm noch nie an erster Stelle und auch dafür respektiere ich ihn.


Aber sein Auftritt beim Analystencall in dieser Woche war schwach. Er wirkte auf mich müde oder gar gelangweilt. Auch sein Online-Auftritt mit extralangem Bart bei einer US Senatsanhörung sorgte in dieser Woche bei einigen Konservativen für Kopfschütteln.


Zum wiederholten Male offenbaren sich bei Twitter Schwächen in der Execution. Ich bin davon überzeugt, dass Twitter viel mehr Potential hat, das bislang nicht ausreichend genutzt wird. Es stellt sich da schon die Frage, ob Jack Dorsey in dieser Phase noch der richtige CEO ist.


Twitter braucht jetzt keine neuen Visionen eines großen Visionärs, sondern jemanden an der Firmenspitze, der sich um die augenscheinlichen Probleme in der Execution kümmert und die möglichen neuen Geschäftsmodelle für Twitter zügig erschliesst.


5. Die Twitter Aktie war viel zu schnell gestiegen


Ich höre immer wieder die Twitter Aktie sei schon alleine deswegen kein gutes Investment, weil sie 7 Jahre nach dem IPO jetzt wieder unter dem ersten Kurs nach Börsenstart notiert.



Dem möchte ich entgegnen, dass Twitter im Jahre 2013 einen Umsatz von $665 Mio. machte und die Aktie bei einem EV/Sales Verhältnis von 50 völlig overhyped war.

In 2020 macht Twitter $3,6 Mrd. Umsatz und wird zu einem EV/Sales Verhältnis von unter 10 gehandelt.


Aus dem Kursverlauf der letzten 7 Jahren auf die kommenden 7 Jahre zu schließen, macht aus meiner Sicht grundsätzlich wenig Sinn und in diesem speziellen Kontext schon mal gar nicht. Tatsächlich sollten Twitter-Aktionäre m.E. einen Anlagehorizont von mindestens 5 bis 7 Jahren mitbringen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit Freude an diesem Investment zu haben.

Kursverlauf von Twitter seit dem IPO


Langfristig orientierten Investoren machen derzeit leider nicht die Kurse. Die Twitter Aktie wurde vielmehr gerade in den letzten Monaten von immer mehr kurzfristig orientierten Spekulanten entdeckt. Wie andere Social Media Werte auch wurde das Unternehmen als Corona-Gewinner identifiziert (auch wenn das zumindest kurzfristig nicht unbedingt korrekt ist) und notierte ohne echten fundamentalen Grund zuletzt 50% über ihrem Kurs zu Jahresbeginn. Dann kam der Q3 Call und hat die Momentum-Trader auf dem falschen Fuß erwischt...


Twitter Aktie - Fazit


Ich sehe die Kursimplosion nach den Q3 Zahlen als heftige Konsolidierung, welche die Momentum-Trader aus der Aktie geschüttelt haben dürfte. An meiner Investment-These, die ich im o.g. DLF Blog erläutert hatte, hat sich nichts geändert. Die Twitter Aktie bleibt daher auch in den kommenden Monaten eine Kernposition in meinem High-Tech Stock Picking wikifolio.


Wenn Du die spannende Entwicklung bei Twitter gemeinsam mit mir weiterverfolgen willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen wöchentlichen High-Growth-Investing Newsletter abonnieren.


Falls Du noch häufiger von mir hören willst, dann kannst Du mir für noch aktuellere Infos auch unter @stwboerse auf Twitter folgen.


Disclaimer

Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Twitter. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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