• Stefan Waldhauser

iRobot: vom Katzen-Chauffeur zur Datenkrake


Habt Ihr auch jemanden im Bekanntenkreis, der einen der wunderbaren Roomba - Haushaltsroboter von iRobot nutzt? Eventuell sogar als Staubsauger und nicht nur als Chauffeur für seine Katze...

Mein Schlüsselerlebnis

Für mich war der Besuch bei einem alten Freund das Schlüsselerlebnis zu meinem bisher überaus erfolgreichen Investment in iRobot. Er erzählte uns in 2016 völlig begeistert, dass sein Roomba nicht nur cool aussieht, wenn er so scheinbar planlos durch die Wohnung flitzt, sondern tatsächlich erstklassige Arbeit verrichtet. Mein Freund mutierte in diesem Moment zum Staubsaugerverkäufer und das sogar ohne das er dafür Provision von iRobot bekam… In diesem Moment wurde mir klar, dass die Haushaltsroboter von iRobot viel mehr als nur ein beliebtes Gadget für Nerds sind. Vielmehr stehen sie an der Schwelle zum Massenmarkt. Ich entschied daraufhin, dass ich an diesem Unternehmen als Aktionär beteiligt sein möchte.

Der Marktführer

In den USA ist der Markt für Haushaltsroboter schon weiter entwickelt als in Europa und iRobot ist hier unangefochtener Marktführer mit einem gigantischen Marktanteil von über 85%. Insgesamt hat man seit 2002 schon über 15 Mio. Roboter verkauft. Aktuell beschleunigt sich das Wachstum von iRobot gerade in USA. Der Umsatz wächst hier aktuell mit 45% gegenüber dem Vorjahr.

Seit dem Kauf von iRobot für mein High-Tech Stock Picking Wikifolio ist der Kurs der Aktie schon um mehr als 150% gestiegen - und das innerhalb von nur einem Jahr. Die Börse hat iRobot also mittlerweile entdeckt und bewertet die Aktie nun - völlig zurecht - nicht mehr wie einen Haushaltsgerätehersteller, sondern wie ein High-Tech-Unternehmen aus dem zukunftsträchtigen Robotics-Bereich.

Die aktuelle Kursexplosion

Dennoch geht es heute mit dem Kurs nochmals zweistellig nach oben - und das aus gutem Grund. Denn gerade gestern gab es gleich zwei wesentliche Mitteilungen des Unternehmens:

  1. Einerseits hat man sehr gute Halbjahreszahlen veröffentlicht und die Wachstumsprognosen deutlich nach oben korrigiert. Nun wird für 2017 ein weltweiter Umsatz von ca. $850 Mio erwartet, das ist ein Wachstum von knapp 30% gegenüber 2016.

  2. Außerdem hat man die Übernahme des grössten europäischen Vertriebspartners Robopolis für immerhin $141 Mio in bar bekanntgegeben. iRobot wird nun in den wichtigsten europäischen Ländern (inklusive Deutschland) den Vertrieb direkt steuern. In Europa hinkt das Wachstum noch deutlich gegenüber den USA zurück und liegt aktuell bei ca. 15% p.a. Ab 2018 wird man also die Vertriebs- und Marketingaktivitäten in den europäischen Ländern selbst managen, dies sollte zu einem beschleunigten Wachstum auch hierzulande führen. In Japan hat man im vergangenen Jahr bereits den gleichen Schritt getan und den direkten Vertrieb durch die Übernahme des führenden Vertriebspartners gestärkt. Hier erwartet man in 2017 ein Wachstum von 20-25%, das ist m.E. ab 2018 auch in Europa gut möglich.

Durch diese Akquisition verändern sich natürlich die Erwartungen an das Geschäftsjahr 2017 und noch mehr 2018. Zunächst aber kostet so eine Übernahme viel Geld und drückt kurzfristig auf die Profitabilität: Daher wird der ausgewiesene Gewinn pro Aktie in 2017 nur in etwa auf dem Niveau von 2016 liegen bei ca. 1,50$ pro Aktie. Ab 2018 soll die Akquisition dann einen positiven Effekt nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Gewinn haben. Für das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis von 2017 bedeutet das aktuell einen Wert von über 50. Die Aktie ist also nun wahrlich kein Schnäppchen mehr.

Zukunftsphantasie

Die Phantasie für die Zukunft besteht darin, dass immer mehr Roomba Modelle WLAN fähig sind und schon seit 2015 kräftig Daten sammeln. Sie übertragen das Layout der Wohnung, die sie gerade säubern, in die Cloud. Diese Daten helfen nicht nur ein herausragendes Ergebnis beim Staubsaugen zu erzielen, da man Hindernisse, Möbel etc. elegant umschiffen kann. Gerade in Zusammenarbeit mit den Haushaltsassistenten Amazon Alexa, Google Home und Apple Siri kann man sich mit Hilfe dieser Daten für die Zukunft ganz neue Anwendungsfälle im „Smart Home“ vorstellen auch für andere Endgeräte, die nicht unbedingt von iRobot kommen müssen. Man denke nur an sich selbst konfigurierende Soundsysteme, Klimaanlagen oder Beleuchtungen. Diese Daten von iRobot sollten also hochinteressant sein für Google, Amazon, Apple + Co. und so hat der CEO von iRobot nun auch offiziell in einem Interview bestätigt, dass man zukünftig diese Daten verkaufen will. Natürlich soll dies nicht ohne die Einwilligung der Kunden geschehen - soweit zumindest die offizielle Sprechweise.

Herausforderungen durch neue Wettbewerber

Doch bei aller Phantasie und toller operativer Entwicklung hat iRobot natürlich auch Probleme zu bewältigen: immer neue Low-Cost-Wettbewerber drängen auf den lukrativen Markt für Staubsaugerroboter und versuchen dem Platzhirsch iRobot Marktanteile abzunehmen. iRobot muss also versuchen, die dominierende Marktposition besonders in USA so lange wie möglich zu verteidigen. Eine scharfe Waffe sollten dabei die über 1.000 Patente sein, die man seit einigen Monaten auch aktiv nutzt, um namhafte Wettbewerber wegen angeblicher Patentverstößen zu verklagen.

Fazit

Der aktuelle Unternehmenswert von $2,5 Mrd ist jedoch wohl nicht nur begründet durch die tolle Entwicklung des Marktführers in einem Wachstumsmarkt. Die hohe Bewertung ist vielmehr auch ein Ergebnis der Zukunftsphantasie als Datensammler verbunden mit Spekulationen, ob iRobot nicht letztendlich ein interessantes Übernahmeziel für Google und Co. wäre. Aktuellen US-Medienberichten zufolge hat der japanische High-Tech-Konzern SoftBank kürzlich einen Minderheitsanteil an iRobot erworben und könnte an mehr interessiert sein. Für mich ist das jedoch reine Spekulation und kein Kaufargument. iRobot ist zu den aktuellen Preisen für mich nur noch eine - allerdings hochinteressante - Halteposition. In meinem High-Tech-Wikifolio habe ich daher auch bereits einen Teil meiner Position mit grossem Gewinn verkauft und so die Übergewichtung abgebaut.

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