• Stefan Waldhauser

Warum tolle Cloud-Unternehmen aktuell miese Investments sind


Mit meinem wikifolio High-Tech Stock Picking bin ich vor knapp 3 Jahren mit dem Anspruch angetreten, die besten Wachstumsunternehmen aus dem Technologiesektor zu finden und langfristig in diese Aktien zu investieren.

Wenn es mir gelingt, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die tatsächlich über viele Jahre hinweg möglichst schnell und organisch wachsen können, dann spielt bei einem solchen Ansatz der Einstiegspreis normalerweise nicht die allergrößte Rolle.

Denn diese High-Growth-Companies wachsen dann relativ schnell auch in eine ambitionierte Bewertung hinein und darüber hinaus.

Daher kaufe ich lieber erstklassige Aktien zu einem einigermaßen vernünftigen Preis als durchschnittliche Aktien zu einem günstigen Preis.

Leider fällt es mir in der gegenwärtigen Marktphase sehr schwer, diese Strategie durchzuziehen. Denn die Aktien viele der wohl besten Unternehmen am Markt sind so unverschämt teuer geworden, dass sie mittelfristig wohl keine Chance haben werden, diesen Preis zu rechtfertigen.

Was ist eine Software wert?

In meiner Vergangenheit in der Softwareindustrie haben wir immer wieder im Zusammenhang mit möglichen Übernahmen oder Zusammenschlüssen über den Wert einer Softwarefirma diskutiert. Ein heißes Diskussionsthema war dabei natürlich immer die Kernfrage, was das geistige Eigentum (IP) an einer Software denn wert sei.

Ein erfahrener Berater für Merger+Acquisitions sagte mir einmal, dass ein Softwareunternehmen und damit das IP genau soviel wert sei, wie ein "Wahnsinniger" dafür zu zahlen bereit wäre.

Das war natürlich nicht zu ernst gemeint und damals habe ich herzlich darüber gelacht. Aber angesichts der Bewertungen heutiger Cloud-Lieblinge an der Börse muss ich immer wieder daran denken, welche "Wahnsinnigen" das wohl sind, die die aktuell aufgerufenen Preise wohl bezahlen. ;-)

Als ich mit diesem High-Growth-Investing-Blog vor 2 Jahren gestartet bin, waren die Besonderheiten subskriptionsbasierter Geschäftsmodelle in der breiten Masse der Investorenwelt zumindest im deutschsprachigen Raum noch nicht wirklich angekommen.

Mittlerweile haben sowohl Profi-Investoren als auch viele Hobby-Börsianer verstanden, wie attraktiv und gut planbar solche Business-Modelle dank der stetig wiederkehrenden Umsätze sind.

Dadurch ist die Nachfrage nach solchen Aktien sprunghaft angestiegen. Das betrifft vor allem die Anbieter von hochspezialisierten Cloud-Services.

In einige dieser Aktien würde ich allesamt liebend gerne investieren, wenn denn der Preis vernünftig wäre. Ist er aber nicht. Er ist oftmals sogar irrwitzig hoch.

Beispiel Zoom Video Communications

Vor wenigen Wochen erfolgte der Börsengang von Zoom Video Communications. Ich benutze die Zoom Software schon seit etlichen Jahren zur Online-Kommunikation.

Das Unternehmen hat innerhalb weniger Jahre eine der besten Video Conferencing Lösungen am Markt etabliert und gräbt dem (zu Cisco gehörenden) Marktführer Webex zügig Marktanteile ab. Zoom hat nicht nur ein tolles Produkt, sondern auch ein sehr gut skalierbares Geschäftsmodell, ein tolles Management, zufriedene Mitarbeiter. Da passt einfach alles.

Ich hatte mich schon lange auf den IPO gefreut und war bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um mich an der Zoom-Wachstumsstory zu beteiligen.

Jetzt ist der IPO da, ich gucke auf den Preis und reibe mir die Augen: Zoom hat im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von $331 Mio. gemacht und der Enterprise Value beträgt tatsächlich ca. $20 Mrd.

What the f*** ???

Das entspricht einem EV/Sales-Verhältnis von weit über 50 auf Basis der vergangenen 12 Monate.

HGI-Analyse für Zoom von https://aktien.guide

Das ist "way too much" !!!

Das Unternehmen müsste seinen Umsatz in den kommenden 2 Jahren nochmals (wie in den letzten 3 Jahren auch) jeweils mehr als verdoppeln und das EV/Sales - Verhältnis wäre immer noch deutlich zweistellig.

Die Größe des von Zoom adressierbaren Marktes wird von Analysten auf $20 Mrd. geschätzt. Zoom müsste schon dauerhaft große Teile dieses Marktes für sich erobern, um Potential für eine weitere Wertsteigerung zu bieten.

Aber was sollte neue Wettbewerber davon abhalten, ebenso wie Zoom innerhalb von einigen Jahren eine konkurrenzfähige Online-Kommunikationslösung zu entwickeln? Ich kann da zumindest keinen tiefen Burggraben entdecken, der dauerhaft vor Angreifern schützen würde.

Wo ist da die Chance auf eine weitere Vervielfachung der Aktie, die das hohe Risiko rechtfertigen würde?

Natürlich kann die Zoom-Aktie noch länger weiter steigen. Nämlich genau solange wie durch die schnellen Gewinnen nach dem IPO noch mehr Momentum-Trader und andere Zocker angelockt werden und das schnelle Geld machen wollen.

Aber auch nur dann. Fundamental betrachtet ist das Ende der Fahnenstange längst erreicht. Und wenn der Absturz dann kommt, dann wird er umso heftiger ausfallen, je weiter diese offensichtliche Übertreibung geht.

Zoom ist hier nur ein Beispiel unter vielen. Auch bei ZScaler und Okta, zwei spannenden Cloud-Cybersecurity Unternehmen auf meiner Watchlist, sieht es nicht viel anders aus.

Der Unterschied zum dot.com Hype

Mich erinnert das fatal an vergangene Spekulationsblasen. Einige Marktbeobachter warnen schon vor einer Wiederholung der großen Baisse an den Technologiemärkten nach der Jahrtausendwende, als nach dem Platzen der dot.com Blase der NASDAQ Composite Index weit über 70% verlor.

Allerdings kann man die gegenwärtige Situation nicht direkt mit dem dot.com Boom vergleichen. Denn zumindest bei den hier angesprochenen Werten handelt es sich allesamt um erstklassige Unternehmen, die innovative und teilweise disruptive Produkte in einem großen Markt verkaufen und nicht etwa heiße Luft wie einige Highflyer aus der dot.com Ära.

Außerdem gibt es im Gegensatz zu damals aktuell durchaus gute Technologieaktien, die fundamental attraktiv bewertet sind.

Allerdings muss ich meine Strategie beim Stock-Picking aktuell etwas anpassen und antizyklischer agieren als in den vergangenen Jahren.

Denn viele der allerbesten Tech-Unternehmen sind momentan für mich aus Bewertungsgründen nicht investierbar.

Die aktuell fragile Lage an den Technologiebörsen hatte ich auch in einem Gastartikel für dem Wikifolio-Blog hier kommentiert: https://www.wikifolio.com/de/de/blog/stwboerse-tech-aktien-unter-der-lupe

#Zoom

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