• Stefan Waldhauser

Tech - ETFs sind riskante Wetten auf Apple und Microsoft


Dies ist die Aktualisierung eines im Dezember 2019 erstmals erschienenen Beitrags, der zu den meistgelesenen Artikeln auf diesem Blog gehört. Seitdem hat sich die Abhängigkeit der Technologieaktien ETFs von Big-Tech nochmals verstärkt... Zeit für ein Update!


In einer früheren Blog-Serie hatte ich mich schon mal intensiv mit dem Thema Aktives Stock-Picking versus Passives Investieren in ETFs beschäftigt. Insbesondere ging es da um die Daseinsberechtigung von aktiven Anlagestrategien in einem Zeitalter, in dem die ETFs eine einzigartige Erfolgsstory feiern.

Immer mehr Anleger sind der Meinung, aktive Stock-Picker wie ich verschwenden nur ihre Zeit. Wenn Du diesem Blog schon etwas länger folgst, dann weißt Du, dass ich zwar weiterhin von der Überlegenheit eines aktiven Portfoliomanagement überzeugt bin, wohl aber unter bestimmten Umständen das Investieren mit ETFs durchaus befürworte.

Allerdings war ich bisher immer davon ausgegangen, dass ETF-Anleger grundsätzlich mit möglichst wenig Aufwand und zu möglichst geringen Kosten ein sehr breit betreutes Depot aufbauen möchten. Das ist immer dann eine gute Idee, wenn man mit der durchschnittlichen Rendite des Gesamtmarktes zufrieden ist (wie auch immer man für sich den Gesamtmarkt definiert) und sein Geld auch keinem Dritten anvertrauen möchte.

Was ich aber in der Praxis seit einigen Jahren beobachte ist, dass immer mehr ETF-Fans sich ihr Portfolio aus teilweise hochspezialisierten ETFs zusammenbasteln und dabei eine Outperformance anstreben. Sie gehen dabei von der Grundannahme aus, ein ETF sei grundsätzlich nicht nur kostengünstiger sondern auch sicherer als ein aktiver Fonds oder wikifolio, da ein Indexfonds ja generell sehr breit gestreut investiert und einen Markt, eine Branche oder Thema ganzheitlich abdeckt.

Konkret werde ich in meiner Domäne, der Technologiebranche, immer wieder auf den MSCI World Information Technology Index und auf den NASDAQ 100 Index angesprochen. Diese Indizes haben seit dem Start meines High-Tech Stock Picking wikifolios in 2016 eine fast ebenso beeindruckende Entwicklung hingelegt.

In 2019/2020 haben ETFs auf diese Indizes sogar deutlich an Boden gutgemacht gegenüber dem wikifolio:

Abb.: Performance-Vergleich von High-Tech Stock Picking wikifolio mit Technologie ETFs


Es ist also an der Zeit sich den MSCI World Information Technology Index ebenso wie den NASDAQ 100 Index mal näher anzusehen:

Der MSCI World Information Technology Index


Dieser Index hat den Anspruch, die weltweite Technologiebranche abzubilden. Der Anlageschwerpunkt wird vom Herausgeber MSCI wie folgt angegeben: „Informationstechnologieunternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung in 23 Industriemärkten.“

In diesen Index kann man mit einer ganzen Reihe von ETFs der unterschiedlichen Anbieter investieren. Viele der großen Asset Management Firmen wie Blackrock (iShares), DWS (Xtrackers), Lyxor, u.a. haben ETFs auf den MSCI World Information Technology Index herausgegeben.

Am 15. Oktober 2020 waren im MSCI World Information Technology Sector Index insgesamt 178 Positionen enthalten. Das waren 11 mehr als im Vorjahr, was sich tatsächlich nach einer breiten Diversifikation anhört.


Vor allem wenn man mit einem hochkonzentrierten Portfolio wie dem High-Tech Stock Picking wikifolio vergleicht, in dem aktuell gerade mal 17 Aktien (plus 3 Tenbagger-Trophäen ;-) enthalten sind.

Die Diversifikation des ETF als Mogelpackung

Schaut man sich die größten Positionen im MSCI World Information Technology Index an, so zeigt sich jedoch ein ganz und gar anderes Bild dieses Portfolios:

Abb.: Die Top10-Positionen im iShares MSCI World Information Technology Sector UCITS ETF

Tatsächlich sind über 35% der Assets all der ETFs auf diesen weltweiten Technologieindex in Apple und Microsoft investiert. Ende 2019 waren es noch 31%.


Das ist schon bemerkenswert auch vor dem Hintergrund, dass aktiv gemanagte Fonds gesetzlich zu Diversifikation verpflichtet sind und nicht mehr als 10% ihrer Assets in einen einzigen Wert investieren dürfen.

Die 10 wertvollsten Technologieunternehmen im MSCI World Information Technology Index sind mit mehr als 55% gewichtet. Damit bleiben für die anderen 168 Unternehmen weniger als 45%. Das ist eine durchschnittliche Gewichtung dieser Werte von 0,265%

Ein ordentlich diversifiziertes Portfolio sieht sicherlich anders aus. Der Grund dafür liegt in der Definition des MSCI World Information Technology Index, der eine Gewichtung der größten börsennotierten IT-Werte proportional zu ihrer Marktkapitalisierung vorsieht. Und da sind Apple und Microsoft allen anderen IT-Werten mittlerweile meilenweit enteilt. „The Winner Takes it All“.

Der NASDAQ 100 Index


Die NASDAQ wird immer als DIE Technologiebörse schlechthin bezeichnet. Auch wenn an der NASDAQ viele andere Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen notiert sind.


Im NASDAQ 100 Index werden die 100 größten an der NASDAQ gehandelten Unternehmen außerhalb der Finanzbranche zusammengefasst. Der Index gilt nicht zu Unrecht als Benchmark für die meisten Technologie-Fonds.


Es gibt etliche ETFs auf diesen Index. Der Anlageschwerpunkt wird z.B. von Blackrock iShares wie folgt angegeben: "Internationale Unternehmen aus verschiedenen großen Branchen, darunter Computer-Hardware und -Software, Telekommunikation, Einzelhandel/Großhandel und Biotechnologie".


Schaut man sich die größten Positionen im NASDAQ 100 Index an, so zeigt sich jedoch auch hier ein wenig diversifiziertes Portfolio:


Abb.: Die Top10-Positionen im iShares NASDAQ 100 UCITS ETF


Tatsächlich sind über 46% der Assets all der ETFs auf den NASDAQ 100 in Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Facebook investiert.


Für einen aktiv gemanagten Fonds ist ein solches Klumpenrisiko wie schon erwähnt ein gesetzlich untersagtes No-Go. NASDAQ ETFs beinhalten jedoch dieses Risiko, ihre Performance hängt direkt von der weiteren Entwicklung von Big-Tech ab.

Die 10 größten Positionen im NASDAQ 100 Index sind mit mehr als 56% gewichtet. Damit bleiben für die anderen 90 Unternehmen weniger als 44%. Das ist eine durchschnittliche Gewichtung dieser Werte von weniger als 0,5%.



Die Outperformance von Apple, Amazon und Microsoft

In den vergangenen 3 Jahren haben sich die Börsenkurse sowohl von Apple (+205%) als auch von Amazon (+230%) und Microsoft (+182%) atemberaubend gut entwickelt und selbst den NASDAQ 100 Index deutlich outperformt, der um knapp 95% gestiegen ist.

Dafür gibt es sicherlich auch gute fundamentale Gründe.

Abb.: Entwicklung von Apple, Amazon und Microsoft 2018-2020

Aber könnte auch die hohe Gewichtung von Apple, Amazon und Microsoft in den Technologie-Indizes eventuell ein nicht unerheblicher Grund dafür sein, warum diese Aktien in den letzten Jahren so gut gelaufen sind?

Fakt ist, dass gerade Apple und Microsoft beide gemessen am EV/Sales Verhältnis so hoch bewertet sind wie seit vielen Jahren nicht mehr.


Abb.: Apple und Microsoft Aktien sind teuer (gemessen am EV/Sales-Verhältnis)

Unterstützen ETFs eine Blasenbildung bei den Tech-Riesen?

In die ETFs auf den MSCI Information Technology und den NASDAQ 100 Index von Blackrock, DWS, Luxor, u.a. wird von den Anlegern weltweit kräftig investiert. Oftmals ohne zu wissen, dass man damit eigentlich mehr oder weniger ein hochkonzentriertes Portfolio der Tech-Riesen erwirbt.

Dadurch fliessen immer mehr Mittel aus diesen ETFs in die Aktien von Apple, Microsoft, Amazon und Co. , deren Kurszuwächse werden weiter befeuert. Dadurch steigen wiederum diese Branchenindizes und damit der Kurs der ETFs, die damit für die renditehungrigen Anleger noch attraktiver aussehen.

Eine Spirale nach oben kommt in Gang… Das klingt tatsächlich nach dem Stoff aus dem die Börsen-Blasen sind.

Aber ob diese ETFs wirklich einen nennenswerten Effekt auf die Kursentwicklung der Tech-Riesen haben, das müsste man mal genauer untersuchen. Es wäre sicherlich sehr spannend, weitergehend zu analysieren, welche Börsenumsätze mit solchen Produkten generiert werden und welchen Effekt der Boom des ETF-Marktes auf die Kursentwicklungen von Microsoft und Apple haben.

Mir selbst fehlt für eine derartige Analyse leider die Zeit. Wenn Du Lust auf eine solche quantitative Forschung hast oder gerade ein spannendes Thema für eine Studienarbeit suchst, dann können wir uns gerne mal näher darüber unterhalten und ich freue mich über Deine Kontaktaufnahme.

Im Moment möchte ich aber gar nicht weiter spekulieren, ob es tatsächlich einen sich selbst verstärkenden Trend durch passive Investmentstrategien gibt oder nicht. Ich weiß es nicht.

Halten wir uns bis auf Weiteres an die Fakten:

Und Fakt ist, dass der MSCI World Information Technology Sector Index genauso wie der NASDAQ 100 Index erheblich von der Kursentwicklung bei Apple und Microsoft abhängt. Sobald es bei den Tech-Riesen mal wieder zu einer schärferen Korrektur kommt, dann trifft es auch sehr ernsthaft die entsprechenden ETFs.

Fazit

Von einem geringeren Risiko infolge einer besseren Diversifikation eines solchen Branchen-ETFs im Vergleich zu einem konzentrierten Portfolio von Technologieaktien kann keine Rede sein.

Ich bin mit der Performance des High-Tech Stock Picking wikifolios seit dem Start in 2016 (bisher mehr als +25% p.a.) sehr zufrieden, zumal der Anteil an den genannten Tech-Riesen mit nur 9% sehr gering und das Portfolio damit trotz der Konzentration auf max. 20 Werte besser diversifiziert ist.

ETFs auf den MSCI World Information Technology Index sind ebenso wie ETFs auf den NASDAQ 100 Index vor allem eine Wette auf die weitere Outperformance von Apple, Amazon, Microsoft und wenigen anderen Dickschiffen.

Ich bin nach dieser Analyse noch optimistischer, dass in den kommenden Jahren wieder die Stunde von uns aktiven Stock-Pickern schlägt. Denn die Börse ist bekanntlich keine Einbahnstraße. Das gilt auch für die in den vergangenen Jahren gefeierten Aktien von Apple, Amazon und Microsoft.

Wenn Du gemeinsam mit mir weiterverfolgen willst, wie der ewige Wettstreit zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien mit ETFs weitergeht, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter bestellen.


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