• Stefan Waldhauser

7 Tipps zum Depot-Check in Zeiten des Corona-Crashs


Der Corona-Virus hat zumindest die westliche Welt fest im Griff. Die Nachrichtenlage insbesondere aus den USA wird sich wohl in den kommenden Tagen und Wochen eher verschlimmern als verbessern. Und wenn man den Experten glauben kann, dann müssen wir uns darauf einstellen, dass der Kampf gegen das Virus die Menschheit auch nach Beendigung des aktuellen Lock-Down-Ausnahmezustandes noch lange Zeit beschäftigen wird.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat in einem hörenswerten Interview zurecht darauf hingewiesen, dass "die Welt danach anders aussehen wird“. Ich glaube wie er, dass die Globalisierung auch dauerhaft ein stückweit hinterfragt werden wird und ich befürchte, dass einige Branchen sich wohl auf Jahre hinaus nicht wieder vollständig erholen werden.

Fast jeder Anleger, der wie ich ein "Long-Only" Aktiendepot verwaltet (also grundsätzlich nicht auf fallende Kurse spekuliert), hat derzeit in 2020 erhebliche Buchverluste zu verkraften. Diese sind nicht weiter besorgniserregend, sofern sie nicht realisiert werden müssen und solange die Werthaltigkeit der im Portfolio enthaltenen Unternehmen durch die Corona-Krise nicht dauerhaft gefährdet ist.

Wenn Du einen langfristigen Anlagehorizont hast und das Geld nicht in absehbarer Zeit anderweitig benötigst, dann gibt es jetzt überhaupt keinen Grund für Panikverkäufe.

Du solltest aber gerade jetzt immer wieder hinterfragen, was der reale Wert Deiner Unternehmensanteile ist und inwiefern er sich durch Corona evtl. dauerhaft verändert hat.

Nötig ist es jetzt einen Depot-Check durchzuführen. Dazu möchte ich Dir folgende Hinweise geben:

1. Krisencheck jedes einzelnen Unternehmens nötig

Du solltest dir jetzt jedes einzelne Unternehmen in Deinem Portfolio daraufhin anschauen, wie gut es aufgestellt ist, um eine nun wohl unvermeidliche Rezession zu überstehen. Bist Du zuversichtlich, dass „Dein" Unternehmen diese Krise aus eigener Kraft überleben wird? Oder kann es evtl. sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen?

Es wird in den kommenden Monaten etliche Insolvenzen geben und es wird Unternehmen geben, die vom Staat gerettet werden müssen. Dies geht i.d.R zu Lasten der Alt-Aktionäre. Denn deren Anteile werden bei einer Staatsbeteiligung, die ja Finanzminister Olaf Scholz schon ins Spiel gebracht hat, mehr oder weniger viel verwässert. Ich persönlich möchte nicht an Unternehmen beteiligt sein, die aus einer Position der Schwäche heraus voraussichtlich auf Rettung angewiesen sind wie Luftfahrt- oder Touristikunternehmen.

2. Vorsicht vor optisch billigen Aktien

Warnen möchte ich generell vor scheinbar billigen Aktien mit historisch niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und hoher Dividendenrendite. Ein vermeintliches Schnäppchen, das jetzt optisch billig aussieht, könnte sich bald als Fata Morgana erweisen. All die Aktien-Screener, die auf Basis von Geschäftszahlen der Vergangenheit und/oder Analystenschätzungen funktionieren, sind derzeit noch mehr als sonst mit Vorsicht zu geniessen.

Das auf zahllosen Börsendiensten einsehbare KGV für 2020 ist i.d.R. unbrauchbar. Die Gewinnschätzungen der Analysten suggerieren eine vermeintliche Sicherheit, die derzeit noch mehr als in normalen Zeiten unangebracht ist. Nicht einmal die Unternehmenslenker selbst können derzeit seriöse Schätzungen über den Geschäftsverlauf in 2020 anstellen, da keiner weiß wie sich diese Krise weiter entwickeln wird.

Ebenso unbrauchbar für das Stock-Picking wie das KGV ist derzeit die Dividendenrendite, die oftmals dort am höchsten angegeben wird, wo jetzt die größten Probleme drohen. Auch eine hohe Dividendenrendite z.B. in der Ölindustrie schützt nicht vor einem möglichen Konkurs.

3. Cash ist King

Viel wichtiger als optisch günstige Werte für KGV und Dividendenrendite ist der Cashbestand eines Unternehmens im Vergleich zu der Schuldensituation. Du solltest also in der Krise mehr auf die Bilanzqualität als auf die kurzfristige Profitabilität schauen.

Eine einfache Bilanz-Kennzahl, auf die ich in diesem Zusammenhang besonders achte, ist der Verschuldungsgrad. Dieser wird berechnet, indem die Summe aus kurz- und langfristigen Schulden ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt wird. Ein Verschuldungsgrad kleiner als 1 zeigt eine niedrige Verschuldung an, ein Verschuldungsgrad größer als 2 weist auf mögliche Risiken aus der Verschuldung hin.

Ich hatte kürzlich hier im Blog den aktien.guide als für mich essentielles Stock-Picking-Tool vorgestellt. Der Verschuldungsgrad ist eine der Top-Kennzahlen der High-Growth-Investing-Strategie, die vom aktien.guide im Rahmen der quantitativen HGI-Strategie für 6.000 Aktien wöchentlich neu ausgewertet und in den dortigen HGI-Analysen ausgewiesen werden.

4. Die Crux mit den Wandelanleihen

Seit einigen Jahren ist es üblich, dass High-Growth-Unternehmen zur Finanzierung ihres Wachstums keine normale Kapitalerhöhung begeben, sondern sich stattdessen Geld über Wandeldarlehen besorgen. Diese werden zu sehr niedrigen Zinsen (bis zu 0,0%) ausgegeben. Durch zusätzliche Optionsgeschäfte wird sichergestellt, dass eine Verwässerung der Altaktionäre nur zu deutlich gestiegenen Kursen stattfindet.

Diese Instrumente sind i.d.R. so ausgestaltet, dass es für die Inhaber der Wandeldarlehen nur zu deutlich gestiegenen Kursen möglich bzw. attraktiv ist, in Aktien zu wandeln. Hier ein Beispiel von Nutanix.

Du solltest Dir jetzt für „Deine“ Unternehmen genau anschauen, welche Wandelanleihen es gibt: dazu googelst Du z.B. nach "Nutanix convertible notes".

Wann sind diese Darlehen fällig? Um welche Summen geht es?

Viele Wandlungspreise liegen jetzt nach dem Crash um ein Vielfaches über dem aktuellen Aktienkurs. Es ist daher damit zu rechnen, dass keine Wandlung in Aktien stattfinden wird, sondern diese Instrumente wie normale Kredite zu behandeln sind, die zurückgezahlt werden müssen.

Der aktien.guide behandelt in seiner Berechnung des Verschuldungsgrades Wandelanleihen grundsätzlich wie normale Schulden. D.h. mit dem dort angegebenen Wert liegst Du auf der „sicheren Seite“.

5. Der Weg zum positiven Cashflow

Im Crash wurden diejenigen Wachstumsunternehmen überdurchschnittlich abgestraft, die noch keinen positiven Cashflow erzielen. Tatsächlich bevorzuge auch ich i.d.R. diejenigen High-Growth-Unternehmen, die aus eigener Kraft wachsen können und keine weitere externe Finanzierung mehr benötigen.

Ein negativer Free Cashflow treibt mir immer erstmal die Sorgenfalten auf die Stirn. Dennoch kann es gerade für extrem schnell wachsende Unternehmen ein berechtigter Teil des Business-Plans sein, auch einige Jahre mit Cashburn in Kauf zu nehmen, um zügig Marktanteile zu erobern.

Solltest Du (wie auch ich) Unternehmen mit einem negativen Cashflow im Portfolio haben, so ist es wichtig zu beurteilen, ob dieser Cashabfluss in einer Krisensituation bei Bedarf sehr schnell gestoppt werden könnte.

Bei schnell wachsenden Software-Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen und hohen Bruttomargen wird meist besonders viel Geld für Sales und Marketing ausgegeben. Diese Kostenblöcke kann ein Unternehmen innerhalb von 1-2 Quartalen deutlich zurückfahren, falls es notwendig ist, um einen Cashburn zu stoppen.

Daher sehe ich die Situation bei meinen Cashburn-Sorgenkindern Pluralsight, MongoDB oder Nutanix trotz negativem Cashflow recht entspannt.

6. Auswirkung einer Rezession auf die Umsatz- und Gewinnsituation

Du solltest generell nur in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell Du verstehst.

Wie sehen die verschiedenen Umsatzströme aus? Kennst Du den Umsatzmix, so kannst Du mit Blick auf die wirtschaftliche Lage abschätzen, wie schlimm der kurzfristige Ausfall bei den Billings und damit die Belastung des Cashflows werden kann.

SaaS-Unternehmen mit einem hohen Anteil von Recurring Revenues kommen relativ einfach durch die Krise, auch wenn durch die gegenwärtige Schockstarre einige Monate lang viel weniger Neugeschäft abgeschlossen wird.

Im Crash wurden auch diese Aktien wie alle anderen Branchen gnadenlos abverkauft. Manchmal zu Unrecht. Daher gibt es jetzt erstmals seit vielen Jahren wieder gute Einkaufskurse. Ich habe für das High-Tech Stock Picking wikifolio in den vergangenen Tagen bei Pluralsight, Slack, Pure Storage, Hubspot sowie Alteryx die Ausverkaufskurse genutzt und behutsam (nach)gekauft.

7. In die Gewinner der Corona Krise investieren?

Einige Leser fragten mich in der vergangenen Woche, warum ich nicht stärker in die offensichtlichen Tech-Gewinner dieser Krise wie Zoom (Online-Konferenzen) oder Teladoc (Online-Medizin) investiere.

Hierfür gibt es eine ganz einfache Erklärung, die in Krisenzeiten unverändert gilt: im Einkauf liegt der Gewinn. Wenn der Preis = Einstiegskurs nicht passt, dann ist ein tolles Unternehmen, das den Zeitgeist der Krise perfekt trifft, dennoch kein gutes Investment.

Ich werde daher keine kurzfristigen Gewinner der Corona Krise kaufen, aber sehr wohl auf die Gewinner der langfristigen Trends setzen, die jetzt durch Corona verstärkt werden.

Hier zu nennen ist vor allem der Megatrend Digitalisierung. Diese wird gerade quer über alle Branchen hinweg durch Corona deutlich beschleunigt. Wenn Du Dich in Deinem eigenen Umfeld umschaust, dann wirst du bemerken, wieviel sich da gerade verändert: Büroarbeiter lernen Work-At-Home, Schüler und Lehrer probieren Online-Unterricht, Einzelhändler führen in Windeseile bargeldlose Zahlungsmethoden ein.

Wir erleben dank Corona einen regelrechten Digitalisierungs-Sprung und der wird nachhaltig sein.

Börsennotierte Gewinner dieses Digitalisierungs-Sprungs gibt es aktuell in vielen Branchen zu guten Einkaufspreisen. Einige davon werde ich in den kommenden Wochen hier im Blog vorstellen.

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#Crash

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Gemeinsam investieren in die Gewinner des digitalen Wandels

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3 digitale Werkzeuge auf die ich nicht  verzichten möchte

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