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  • Stefan Waldhauser

Big Tech als VC Investor: Rendite oder Schutzgeld?


Big Tech VC

Es ist an sich nicht ungewöhnlich und schon gar nichts Neues, dass Big Tech Companies auch als Risikokapitalgeber agieren und in StartUps investieren. Firmen wie Alphabet, Apple und Microsoft haben längst einen eigenen Venture Capital (VC) Arm, um diese Investments zu steuern.


So ist es auch nicht wirklich überraschend, dass Nvidia sich in den vergangenen Jahren im Rahmen seines kometenhaften Aufstiegs zu einem der aktivsten Risikokapitalgeber überhaupt entwickelt hat.  Alleine in 2023 hat Nvidia laut Zahlen von S&P Global  in 38 StartUps  investiert, das waren fast 4x so viel wie 2022. 


VC Deals von Big Tech

Zu den Details der einzelnen VC Deals hält man sich in der Szene in aller Regel bedeckt. Aber ein Blick in den aktuellen Jahresbericht von Nvidia offenbart:


Zum Ende des bereits Ende Januar beendeten Geschäftsjahres FY24 waren bei Nvidia über $1,5 Mrd. in Unternehmensbeteiligungen investiert - gegenüber weniger als $300 Mio. nur ein Jahr zuvor. 


Nvidia 10-k

D.h. in nur 12 Monaten hat Nvidia $1,25 Mrd. neu in Unternehmens-Beteiligungen gesteckt. Das entspricht bei 38 Investments einer durchschnittlichen Investitions-Summe von ca. $30 Mio. 


Wo ist das Problem, wenn Big Tech als VC auftritt?

Nvidia investiert grundsätzlich in Unternehmen, welche die Nvidia Infrastruktur nutzen. Der VC Verantwortliche bei Nvidia, Vishal Bhagwati, wird im Wall Street Journal wie folgt zitiert:

“We would not invest in companies that don’t use our infrastructure”

Was nichts anderes bedeutet, als das all die StartUps in Nvidia’s VC-Portfolio auch Kunden des Chipherstellers sind, die Nvidia GPUs oder Software benutzen.


Soll heißen: Das von Nvidia zur Finanzierung bereitgestellte Geld wird von den StartUps zum guten Teil dafür ausgegeben, Nvidia Infrastruktur zu beschaffen, was im Gegenzug zu direkten Umsätzen bei Nvidia führt. Sehr oft fliesst bei solchen Big Tech VC Deals nicht einmal Geld, sondern Big Tech erhält Anteile der StartUps für die Bereitstellung kostenloser Infrastrukturprodukte wie GPU's oder Cloud-Services.


Der renommierte Risikokapitalgeber Sequoia schätzt, dass die AI Industrie 2023 ca. $50 Mrd. für Nvidia Chips ausgegeben, damit aber nicht mehr als $3 Mrd. Umsatz generiert hat. Diese Riesenumsätze bei Nvidia werden sich für die Zukunft nur dann fortschreiben lassen, wenn die Generative AI in den vielen neuen AI Applikationen hält was sie verspricht UND wenn die zukünftigen Gewinner unter den AI Companies tief im Nvidia Ökosystem verwurzelt werden. 


Meist investiert Nvidia - wie in der VC Branche üblich - im Rahmen einer Finanzierungsrunde als Teil einer ganzen Reihe von Investoren. D.h. den Beteiligungsunternehmen fliesst in einer solchen Runde erheblich mehr Geld zu als das reine Nvidia Investment ausmacht. Die Umsätze, die an Nvidia zurückfliessen, sind also nicht etwa auf das eigene Investment begrenzt, sondern gehen u.U. (oft im Rahmen von jahrelang laufenden Liefervereinbarungen) deutlich darüber hinaus.  


Leider sind mir keine Daten darüber bekannt, wieviel Umsatz Nvidia mit seinen vielen Beteiligungsunternehmen erzielt. Ich gehe angesichts der großen Anzahl an derartigen Deals (alleine 38 in 2023) davon aus, dass wir hier über eine Milliardensumme reden. Das Thema ist also zumindest nicht ganz unerheblich angesichts von $61 Mrd. Gesamtumsatz im FY24.

 

Böse Zungen behaupten, Nvidia „erkaufe“ sich durch seine VC Investments die entsprechenden Umsätze. So einfach ist es natürlich nicht. Aber problematisch sind diese Umsatzströme schon. 


Dabei ist es für mich nicht einmal das Entscheidende, dass die aktuellen Umsätze durch solche Deals beschönigt werden. Noch viel schwerer wiegt eine mögliche Verzerrung der Bewertung von Big Tech auf dem Finanzmarkt. Denn jeder Dollar des Nvidia Umsatzes wird - derzeit zumindest - mit dem 30-fachen an Börsenwert belohnt.


$1 Mrd. zusätzlicher Umsatz bedeutet für Nvidia einen zusätzlichen Unternehmenswert von $30 Mrd. Das ist doppelt so viel wie z.B. Pure Storage derzeit insgesamt wert ist…  wir reden hier also nicht über "Peanuts“.


Es ist immer wieder wichtig, sich die Dimensionen dieser Big Tech Bewertungen zu vergegenwärtigen.


Nvidia ist nicht alleine 

Das geschilderte Financial Engineering rund um die VC-Beteiligungen ist kein Nvidia spezifisches Problem: Ein gutes Beispiel liefert der wohl schon in den kommenden Tagen anstehende IPO von Rubrik. Hier ist Microsoft der Big Kapitalgeber, und es sind sogar einige konkrete Zahlen bekannt: 


Laut Bloomberg investierte Microsoft 2021 eine Summe in der Größenordnung von geschätzten $20-$30 Mio in den Cybersecurity Provider Rubrik. („funding totaled in the low tens of millions“).


Wie aus dem nun veröffentlichten IPO Prospekt hervorgeht, bekam Microsoft von Rubrik im Gegenzug Umsatzzusicherungen für die Microsoft Azure Cloud-Services im Wert von über $220 Mio.

Rubrik S-1

D.h. gemäß dieses Deals aus 2021 fliesst im Laufe der Zeit ein Vielfaches des Investments (Faktor 7-12?) zurück in die Kassen von Microsoft. Das klingt nach einem richtig guten Deal für Microsoft.


Etwas zu gut für meinen Geschmack. Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass solche Deals nicht längst (vom wem eigentlich?) kritischer hinterfragt werden.


Für mich klingt das so, als ob Big Tech seine marktbeherrschende Stellung nach besten Kräften ausnutzt, um vielversprechende StartUps an sich und sein eigenes Ökosystem zu binden.


Das alleine ist wahrscheinlich noch nicht verwerflich. Wenn die Investments aber dazu benutzt werden, um sich auf Jahre hinaus Umsätze zu erkaufen mit „Partnerschafts“-Verträgen, die im Falle ihrer Auflösung zum existentiellen Risiko des Junior-Partners werden, dann haben diese Umsatzverpflichtungen für mich schon mehr als ein „Gschmäckle“. 


Wenn ichmal versuche, mich in die Rolle dieser StartUp-Gründer hineinzudenken, dann könnte sich das fast etwas nach "Schutzgeld" anfühlen. Mit dem wird dann der Börsenwert von Big Tech noch weiter aufgepumpt. Big Brother is watching you…


Fazit

Leider sind zumindest mir bisher viel zu wenige Details dieser VC Deals von Nvidia, Microsoft und Co. bekannt. Das könnte sich ändern, sobald mehr KI Portfoliounternehmen es in den kommenden Jahren an die Börse schaffen. Mal sehen, was die Emissionsprospekte mit ihren weitgehenden Offenlegungspflichten dann so alles offenbaren.


Ich habe weder die Zeit noch das Interesse, dieses Thema genauer zu recherchieren. Ich bin weder in Nvidia noch in Microsoft investiert und das dürfte sich auch nicht so schnell ändern. Aber ich weiß, das dieser Blog auch gerne mal von dem einen oder anderen Wirtschaftsjournalisten gelesen wird. Evtl. hat jemand Lust, diesen Ball aufzugreifen und etwas mehr Licht ins Dunkel um die VC-Deals von Nvidia und Co. zu bringen? 


Solltest Du als Nicht-Journalist die Lust und Zeit haben, Dich tiefer in dieses Thema hineinzuarbeiten, so kannst Du mich gerne kontaktieren. Ich bin sehr gerne bereit, Deine entsprechenden Findings als Gastbeitrag hier auf dem Blog zu veröffentlichen. 


Wenn Du die Entwicklung von Nvidia, Microsoft und Co. zukünftig gemeinsam mit mir beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter bestellen.


Disclaimer: Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen keine Anteile von Nvidia oder Microsoft. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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