• Stefan Waldhauser

Warum “Buy the Dip” keine gute Aktienstrategie ist


Nun ist sie also da, die von mir lange erwartete Korrektur bei überteuerten High-Growth Aktien. Insbesondere viele SaaS-Unternehmen und anderen Technologieaktien sind deutlich preisgünstiger zu haben als noch vor wenigen Wochen.


Während die breiten Aktienindizes wie MSCI World oder S&P 500 zumindest bisher kaum etwas von ihren Höchstständen verloren haben, hat der technologielastige NASDAQ Index wie auch mein High-Tech Stock Picking wikifolio seit den Höchstständen immerhin ca. 10% verloren.


Viel schlimmer erwischt hat es in den vergangenen Tagen und Wochen jedoch die Favoriten vieler Kleinanleger:


Gesundheitscheck für Dein Portfolio


Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Dein eigenes Aktienportfolio einem kleinen Gesundheitscheck zu unterziehen. Mach doch mal eine kurze Bestandsaufnahme:


Wie war Deine Performance in der Korrektur der letzten 3-4 Wochen?


Wenn Du kurzfristig mehr als 15% eingebüßt hast, dann bist Du wohl sehr einseitig in schnell wachsende Technologie- und andere Modeaktien investiert.


Bitte überlege Dir doch mal, ob Du wirklich so hohe Risiken eingehen willst, oder ob nicht doch etwas mehr Diversifikation Deinem Depot gut tun würde.


Was ist von "Buy the Dip" zu halten?


Immer wieder höre ich von Privatanlegern und Finfluencern auf Social Media jetzt das gebetsmühlenartige: “Buy the Dip”. Das kommt meist von denjenigen, die noch weniger als 10 Jahre Börsenerfahrung haben und den Aktienmarkt bisher im wesentlichen als Einbahnstraße kennengelernt haben.


Diese Anleger sind der Meinung, die Aktienkurse wachsender Unternehmen würden automatisch immer weiter steigen und jeder Kursrücksetzer um 10, 20 oder 30% würde automatisch eine Kaufgelegenheit bedeuten.


Dem kann ich nur entgegnen: seid Euch da nicht zu sicher! Im Endeffekt kommt es auf die Bewertung im Einzelfall an. Oder um es etwas plumper auszudrücken: Im Einkauf liegt der Gewinn.


Eine Snowflake Aktie wird auch nach einem 40% Kurssturz bei einem Kurs von aktuell 240$ noch immer für über $60 Mrd. gehandelt. Das ist auf Basis des erwarteten Umsatz des laufenden Geschäftsjahres ein EV/Sales Verhältnis von weit über 40. Das wäre Ok, wenn das Unternehmen noch jahrelang mit über 100% im Jahr organisch wachsen würde. Aber daran kann zumindest ich nicht glauben. Und auch das Management hat seine Anleger schon vorsichtig auf sinkende Wachstumsraten vorbereitet. Alles andere würde auch dem “Naturgesetz” der großen Zahlen widersprechen.


Auch Tesla wurde zuletzt zwar mit einem Kursrückgang von über 30% seit den Höchstkursen vom Januar etwas zurechtgestutzt, wird aber immer noch mit mehr als dem 10-fachen des Umsatzes des laufenden Geschäftsjahres bewertet. Das wäre u.U. vertretbar, wenn Tesla eine Software-Company mit einem gut skalierbaren Geschäftsmodell mit 80% Bruttomargen wäre. Aber die Rohertragsmargen liegen eher um die 20% .


Warum ich mich hier wieder an Snowflake und Tesla abarbeite?


Es geht mir nicht um das Bashing dieser prominenten Lieblinge der Kleinanleger. Mir ist klar, dass sich an Aktien wie Snowflake und Tesla die Geister scheiden. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass diese beiden Aktien wie übrigens viele der SaaS Aktien und IPO Werten aus 2020 auch nach 30% oder 40% Kursverlust immer noch bewertet sind wie von einem anderen Stern.


Sollten diese Unternehmen zu ganz normalen irdischen Unternehmen werden (weil die Wachstumsraten kleiner werde oder weil der Stern des Visionärs Elon Musk etwas verblasst oder oder oder), dann liegen die irdische Aktienkurse für diese Unternehmen weit unter den aktuellen Preisen.


“Buy the Dip” ist in solchen Fällen brandgefährlich. Ich kann Dir daher nur dazu raten, Dich mehr mit dem echten Wert “Deiner” Unternehmen in der realen Welt als mit den Aktienkursen zu beschäftigen. Denn die stellen ja nur ein flüchtiges Preisschild dar, das kurzfristig durch Angebot und Nachfrage an der Börse gebildet wurde.


Wer heute “Buy the Dip” mit der Tesla Aktie betreibt, der sollte eine klare Vorstellung davon haben, warum Tesla in einigen Jahren deutlich mehr wert sein wird als die heute aufgerufenen $600 Mrd.


Ich respektiere übrigens durchaus die Meinung anderer Investoren, die sich viele Gedanken gemacht haben, zu einer anderen Einschätzung für den zukünftigen Wert dieser Unternehmen gelangen und mir vorwerfen ich habe hier eine zu geringe Phantasie. Vielleicht stimmt das sogar. Die Zukunft wird es zeigen.


Weniger Respekt habe ich hingegen für die Anleger, die jetzt Tesla kaufen, weil die Aktie gerade um 30% gefallen ist “und bestimmt wieder steigen wird.”


Die Risiken von Themen-ETFs und Themen-Fonds


Das gleiche gilt übrigens auch für Themen ETFs, die Sicherheit und Diversifikation vorgaukeln, aber oft erhebliche Klumpenrisiken beinhalten. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um passive ETFs auf Themen wie Wasserstoff, Batterietechnik, Cannabis, Cloud, Cyber Security, E-Sports, AI, Robotik, Cloud u.v.m. handelt.


Oder aber um aktiv gemanagte Fonds oder ETFs, die schwerpunktmäßig in diese Modethemen der letzten Jahre investiert haben. Diese Fonds bringen besondere Risiken auch für Anleger mit sich, die gar nicht in solche Vehikel, sondern wie ich in die entsprechenden Einzelaktien investiert sind. Dazu hat Morningstar in der vergangenen Woche einen erhellenden Beitrag veröffentlicht, den ich Euch ans Herz legen möchte: Wie ARK ETFs auch für hiesige Anleger zum Risiko werden.


Auch ich habe dieses Risiko zuletzt in meinem Portfolio erfahren müssen: Der heftige Kursrückgang bei Pure Storage in den vergangenen Wochen war ausgelöst durch die Anteilsverkäufe des Großaktionärs ARK Invest. Meine aktuelle Analyse der Situation bei Pure Storage kannst Du hier nachlesen.


Die gute Nachricht ist, dass die heftige Korrektur auch auf meiner Watchlist für viel Bewegung gesorgt hat. Einige der spannendsten Unternehmen, die mir bisher immer zu teuer waren, sind nun viel attraktiver geworden. Falls Du aktien.guide User bist, kannst Du hier meine Watchlist mit den entsprechenden Bewertungsrückgängen einsehen.


Die Schnäppchenjagd ist hiermit eröffnet!


Wenn Du nicht verpassen willst, falls es eine Aktie tatsächlich neu in mein Portfolio schafft, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen High-Growth-Investing-Newsletter abonnieren.


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