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Elastic Aktie nach dem Q3 FY26: Ein AI-Gewinner in der Penalty-Box?

  • Autorenbild: Stefan Waldhauser
    Stefan Waldhauser
  • vor 1 Stunde
  • 5 Min. Lesezeit

Als ich vor 5 Monaten am 10. Oktober 2025 meinen (Re-)Investment-Case zu dem Enterprise Software Provider Elastic veröffentlicht habe, war die Kernthese klar: Elastic ist nicht “nur” Search, sondern eine Infrastruktur-Plattform, die im KI-Zeitalter zum wichtigen Kontext-Lieferanten für Unternehmen wird – und damit zu den strukturellen Gewinnern gehören kann. Hier ist meine damalige Elastic Investment-Story zum Nachlesen


Seitdem hat sich allerdings etwas Grundsätzliches verändert: Nicht Elastic, sondern das Marktnarrativ. “KI frisst Software” ist zum dominanten Angst-Szenario geworden – und hat die Bewertungen nahezu des gesamten Software-Sektors implodieren lassen. Elastic ist da keine Ausnahme. Gerade deswegen lohnt sich der Blick auf das, was wirklich zählt: Fundamentaldaten, Cashflow-Qualität, Verwässerung – und die Glaubwürdigkeit der mittelfristigen Ziele.

Der heutige Beitrag ist mein Update zu genau diesen Punkten – basierend auf den frisch gemeldeten Q3 FY26 Zahlen (das 3. Quartal endete bereits am 31.01.2026) und der aktuellen Guidance.


Wie lief mein Investment in die Elastic Aktie bisher?


Kurz gesagt: fundamental ordentlich, kursseitig brutal.


Seit meinem Einstieg hat die Elastic Aktie über 35% verloren und dementsprechend notiert die bisher kleine Elastic Position in meinem investierbaren Musterportfolio bei wikifolio entsprechend tief in den roten Zahlen.


Allein am Tag nach der jüngsten Veröffentlichung der Geschäftszahlen fiel die Elastic-Aktie am 27.02.2026 noch einmal um 15 % und notiert nun nur noch knapp über 50 $. Das sind nur wenige Prozentpunkte mehr als die in den Jahren 2020 und 2023 erreichten Tiefststände.


Nur, um das mal grob einzuordnen: Im Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete Elastic einen Umsatz von gut 400 Mio. USD, im Geschäftsjahr 2023 waren es gut 1,0 Mrd. USD und im laufenden Geschäftsjahr 2026 dürften es 1,75 Mrd. USD werden. Gleichzeitig verbesserte sich die Cashflow-Marge von einer Cashburn-Rate von -15 bis -20 % auf derzeit ca. 15 bis 20 % des Umsatzes.


Das alles klingt nicht gerade nach einem kaputten Geschäftsmodell, das historische Tiefstkurse rechtfertigen würde.


Wenn man verstehen will, warum der Markt auch bei einem Infrastruktursoftware-Titel wie Elastic derart nervös ist, muss man sich die Q3 Zahlen und insbesondere die aktuelle Guidance genauer ansehen.


Das Elastic Q3 FY26 in Zahlen: Wachstum stabil, Cashflow rückläufig


Umsatzseitig lieferte Elastic auch im 3. Quartal des im April zuende gehenden Geschäftsjahre 2026 ein starkes Quartal ohne große Überraschungen:


  • Umsatz gesamt: $450 Mio (+18% YoY)

  • Umsatz aus Subskriptionen: $426 Mio (+19% YoY)

  • “Sales-led Subscription Revenue”: $376 Mio (+21% YoY)

  • Net Expansion Rate: 112% (TTM)


Auffällig ist, dass Elastic in ihrer Berichterstattung den Bereich “Sales-led Subscription” so stark betont. Dahinter verbirgt sich der Teil des Geschäfts, der aktiv von der eigenen Vertriebsmannschaft hereingeholt und betreut wird. Zum Hintergrund: Elastic war ursprüngliche eine Open Source Software-Company, die lange Jahre ohne klassischen Enterprise Vertrieb auskam und sehr erfolgreich auf “Product-Led Growth” setzte, bevor man Anfang 2024 unter der Leitung des neuen Chief Revenue Officers Mark Dodds auf die Vertriebsstrategie eines klassischen Enterprise Software Anbieters umstellte.


Mittlerweile ist die Elastic Vertriebsmannschaft für 83% des Gesamtumsatzes verantwortlich und der Bereich “sales-led subscription revenue” wächst schneller als der Rest des Geschäftes. Zudem sind diese Subskriptionen planbarer ist als das monatliche Cloud-Consumption Geschäft der Elastic Cloud, das nur noch einstellig wächst.


Wenn man sich die Profitabilitätsentwicklung bei Elastic anschaut, wird es erst richtig interessant – denn wie bei vielen SaaS-Unternehmen existieren hier zwei parallele Welten: GAAP und Non-GAAP.


Operativer Gewinn

Nach GAAP zeigte Elastic im Q3 FY25 noch einen kleinen operativen Verlust von -5 Mio. USD. Auf Non-GAAP-Basis stand dem jedoch bereits ein deutlich positives operatives Ergebnis von +64 Mio. USD gegenüber, was einer operativen Marge von 17% entsprach.

Ein Jahr später hat sich dieses Bild nun weiter verbessert: Im Q3 FY26 drehte Elastic sogar nach GAAP in die Gewinnzone und erzielte ein operatives Ergebnis von +1 Mio. USD. Noch stärker ist der Fortschritt im Non-GAAP-Bild: Das operative Ergebnis stieg auf +83 Mio. USD, die Marge legte auf 18,6% zu.


Genau diese Kombination aus solidem Wachstum und steigender Profitabilität ist das, was ich unter “High-Quality SaaS” verstehe: Die Maschine skaliert – und zwar nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der Ertragskraft.


Free Cashflow (das Problemkind)

Der Haken an der ansonsten sehr soliden operativen Entwicklung liegt für mich aktuell beim Cashflow – und genau dieser Punkt ist entscheidend, wenn es um die Frage geht, ob ich die Elastic Aktie auf dem aktuellen Niveau nachkaufe oder nicht.


Denn während Umsatz und Margen im Q3 überzeugend aussahen, hat sich die Cash-Generierung gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert. Der Operating Cash Flow lag im Q3 FY26 nur noch bei knapp 43 Mio. USD, nach 88 Mio. USD im Q3 FY25. Ähnlich ist das Bild beim Adjusted Free Cash Flow: Hier erzielte Elastic weniger als 54 Mio. USD, während es im Vorjahresquartal noch 99 Mio. USD waren. Das entspricht einem Rückgang von rund 46% im Jahresvergleich.


Für mich ist das ein Warnsignal – nicht weil Cashflow bei Elastic grundsätzlich schwach wäre, sondern weil ich vor einem Nachkauf erst wieder einen stabilen Aufwärtstrend bei der Cash-Generierung sehen möchte, statt einzelner Quartale, in denen die Zahlen deutlich zurückfallen.


Warum war der Cashflow rückläufig?

Das Management betont zu Recht, dass die Cashflows quartalsweise stark schwanken, u. a. aufgrund der Enterprise-Saisonalität (Timing von Buchungen und Einnahmen) .


Bei genauerer Betrachtung der 9-Monats-Sicht wird jedoch deutlich, wo der Druck wirklich herkommt: Höhere „Deferred Contract Acquisition Costs“ (sprich: mehr Provisionen für die Vertriebsmitarbeiter) und ein sinkender „Deferred Revenue“ haben den Cashflow deutlich belastet.

Ich habe keine einleuchtende Erklärung dafür, warum die „Deferred Revenues“ (also vereinnahmte Zahlungen, die noch nicht als Umsatz verbucht wurden) in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um über 50 Millionen US-Dollar rückläufig waren, obwohl der Umsatz insgesamt zügig weiter wächst.


Ich bleibe angesichts dieser Entwicklung nur deswegen relativ entspannt, weil die RPO (Remote Performance Obligations, die neben den Deferred Revenues auch vertraglich vereinbarte Leistungen enthalten, die noch nicht in Rechnung gestellt wurden) mittlerweile bei über 1,65 Mrd. USD (Stand: 31.01.2026) liegen. Vor neun Monaten waren es noch 100 Millionen weniger. 64 % der RPO sollen in den nächsten 12 Monaten als Umsatz realisiert werden.


Falls du dich mit all diesen SaaS-Begriffen noch nicht auskennst, kannst du hier einen erläuternden Beitrag von mir nachlesen: RPO - die bessere Kennzahl zur Analyse von SaaS-Unternehmen.


Die positive RPO-Entwicklung deutet darauf hin, dass der Auftragsbestand und die Nachfrage tatsächlich weiter wachsen. Allerdings verzerren anscheinend der Billing-Mix und das Timing der Rechnungsstellung den Deferred-Revenue-Posten auf eine „unhübsche” Weise.


Das alles ist nicht unbedingt alarmierend, aber es ist genau die Art von unklarem Signal, bei der ich persönlich lieber zwei oder drei Quartale mit einem positiven Cashflow-Trend abwarten würde, bevor ich eine solche Aktie aggressiv aufstocke.


Elastic Guidance FY26: Sehr vorsichtig – und auffällig “sales-led” fokussiert

Die Guidance für das Q4 FY26 hat mich angesichts der doch guten Zahlen zum Q3 einigermassen enttäuscht:


  • Umsatz: $445–447 Mio (+15% YoY)

  • “Sales-led subscription”: $371–373 Mio (+18% YoY)

  • Non-GAAP Operative Marge: 14,5%


Das Management hat dies damit begründet, dass das Q4 drei Tage weniger hat als die ersten drei Quartale. Das Management spricht von einem Revenue-Headwind von 14–15 Mio. $, was einem Effekt von 3 % entspricht. Dieser wurde in der Guidance entsprechend verarbeitet.


Für das Gesamtjahr FY26 ergibt sich damit die Guidance:


  • Umsatz: $1,734–1,736 Mrd (+17% YoY)

  • “Sales-led subscription”: $1,434–1,436 Mrd (+20% YoY)

  • Non-GAAP Operative Marge: 16,3%


Warum enttäuscht mich das?


Elastic betont zwar in den letzten Quartalen, dass die Positionierung als AI-Enabler funktioniert. In der Guidance ist jedoch immer noch kein echtes Signal für eine Wachstumsbeschleunigung zu erkennen.


In einem Umfeld, das stark von dem Motto „KI frisst Software“ geprägt ist und in dem der Markt Enterprise-Software nur dann eine positive Zukunft prophezeit, wenn das Wachstum wieder anzieht, ist das geradezu eine Einladung für Skepsis.

Die Elastic-Aktie steckt damit wohl bis auf Weiteres in der Penalty-Box fest, wie so viele andere Unternehmen der Branche auch.


Warum Elastic einer der AI-Gewinner ist: Kontext schlägt “nacktes Modell”

Warum ich Elastic weiterhin zu den AI-Gewinnern zähle, hat weniger mit den aktuellen Geschäftszahlen zu tun, sondern mit einer sehr nüchternen Beobachtung:


In einem ausführlicheren Beitrag auf meinem inzwischen zweisprachigen Substack (Paywall) erläutere ich, warum ich weiterhin in die Elastic Aktie investiere.



*Disclaimer: Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Elastic. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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