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  • Stefan Waldhauser

Aufstieg der israelischen monday.com Aktie: Investment-Chance trotz Krieg?


monday.com Aktienanalyse

Dieser Beitrag ist das Update eines erstmals im November 2022 veröffentlichten Beitrags zur monday.com Aktie. Er wurde zuletzt erweitert und aktualisiert nach den Zahlen zum Q3 2023.


Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele spannende israelische Software Aktien es an der Nasdaq gibt. Eine dieser SaaS Companies ist monday.com: Die Israelis liefern seit dem IPO im Juni 2021 nun schon über zwei Jahre lang eine beeindruckende Performance ab. Trotz eines schwachen Marktumfeldes für SaaS und der zusätzlichen Schwierigkeiten im Umfeld des Krieges gegen die Hamas.


Die monday.com Aktie hat sich seit der Erstveröffentlichung der vorliegenden Investment Story im November 2022 wesentlich verteuert. Der aktuelle Kurs liegt jedoch noch immer unter dem IPO Preis von 155$ und über 50% unter den Ende 2021 erreichten Höchstständen.

monday.com Aktienkursentwicklung

Die gerade veröffentlichten Zahlen zum Q3 2023 führten wieder einmal - wie auch schon nach den Zahlen der letzten drei Quartale - zu einem zweistelligen Kurssprung.


Für mich eine Gelegenheit, Euch die noch immer viel zu wenig beachtete Cloud Aktie nochmals vorzustellen:


Was macht monday.com ?

Bekannt geworden ist monday.com als cloud basiertes Tool zum Projektmanagement.


Ein Vorteil der monday Lösung gegenüber der Konkurrenz ist die große Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit, mit der auch Nicht-Entwickler mit Hilfe sogenannter “Building Blocks” Workflows abbilden und Geschäftsprozesse optimieren sowie viele weitere SaaS-Tools wie Outlook, Gmail, Zoom, Slack oder Dropbox integrieren können.


Man darf sich die monday Software als Laie wie einen "Lego Baukasten für Unternehmenssoftware” vorstellen. Zumindest ist das so in etwa das Leistungsversprechen. Dass die Realität bei umfangreichen Anforderungen eines größeren Unternehmens etwas anders aussieht, das dürfte zumindest den Entwicklern unter Euch klar sein.


Tatsächlich werden die monday Services, die ursprünglich vor allem auf kleine und mittlere Unternehmenskunden abzielten, zunehmend auch von größeren Unternehmen genutzt. So zahlten Ende September 2023 schon 2.077 Kunden mehr als 50.000$ p.a. für ihre monday Subskription, das sind 57% mehr solcher "Enterprise"-Kunden als nur ein Jahr zuvor.


Mittlerweile ist monday.com auf dem allerbesten Wege, sich vom One-Trick-Pony (Projektmanagement-Software) zur agilen Workflow-Plattform für eine Vielzahl von Anwendungen weiterzuentwickeln. Seit einigen Quartalen erst vermarktet monday die eigene Work OS Plattform mit verschiedenen vorgefertigten Anwendungen nicht nur für Projektmanagement, sondern auch das Management von Vertrieb (monday sales CRM) und für den Software-Produktentwicklungsprozess (monday dev).


Hunderte von Entwicklungspartner nutzen die monday API, um weitere Anwendungen und Building Blocks für die ca. 200.000 zahlenden monday Kunden bereitzustellen.

Es sieht ganz danach aus, dass hier rund um den monday Apps Marketplace ein interessantes Ökosystem für externe Entwickler heranreift.


Markt und Wettbewerb von monday.com

monday.com wird gerne mit Asana oder Smartsheet verglichen. Der Wettbewerb ist hart und noch ist nicht sicher, welcher Anbieter langfristig eine führende Stellung im boomenden Markt für agile Work Management Software Services einnehmen kann.


monday.com ist erst seit 2014 am Markt und damit etliche Jahre jünger als Asana und Smartsheet, die 2008 bzw. 2005 gegründet wurden. Auch daher lag monday.com beim Umsatz von $519 Mio. in 2022 noch etwas hinter diesen Wettbewerbern. monday wächst aber wesentlich schneller und wird zumindest Asana bereits im laufenden Geschäftsjahr 2023 beim Umsatz (und auch der Profitabilität) deutlich überflügeln.


Durch sein Headquarter in Tel Aviv hat monday in der Entwicklung erhebliche Kostenvorteile gegenüber den Wettbewerbern aus den USA. Im Gegensatz zu Asana Asana generiert monday.com bereits erhebliche Cashzuflüsse.


monday.com CRM Kunden

monday hat große Ambitionen und will sich z.B. mit seinem neuen CRM, das auf Basis der eigenen WorkOS Plattform entwickelt wird, auch als Alternative zu etablierten Application Service Anbietern wie HubSpot positionieren.


Die ersten Zahlen zur Markteinführung des CRM sind beeindruckend: In den ersten 9 Monaten 2023 hat sich die Anzahl der monday CRM Kunden auf über 11.000 mehr als vervierfacht.


Ob es monday tatsächlich gelingen wird, den etablierten Anbieter wie HubSpot nachhaltig Marktanteile abzunehmen, bleibt indes abzuwarten. Ein HubSpot Partner berichtete mir, das monday CRM könne die oftmals hohen Erwartungen der HubSpot Kundschaft (noch) nicht befriedigen.


Trotz der noch vorhandenen funktionalen Defizite scheinen die Kunden mit der monday Software überwiegend sehr zufrieden zu sein. Allerdings war die hohe Net Retention Rate (NDR) von über 115% (bei Kunden mit mehr als 10 Usern) in den letzten Quartalen wie bei fast allen Cloud-Software-Anbietern rückläufig.


Der wohl wichtigste Grund dafür ist der Trend zur "Cloud Spend Optimization". D.h. Kunden versuchen in der wirtschaftlich angespannten Lage auch bei ihren Kosten für Cloud-Applikationen zu sparen, wo es nur geht.

monday.com NDR

Im jüngsten Analystencall nach dem Q3 hat sich das monday Management sehr optimistisch gezeigt, dass dieser Trend zur "Cloud Spend Optimization" sich abschwächt und kein weiteres Absinken des NDR .


Geschäftszahlen von monday.com für 2023

Der Umsatz von monday ist 2022 um 68% auf knapp $519 Mio. nochmals geradezu explodiert. Wenig überraschend verlangsamte sich das Wachstum jedoch in den jüngsten Quartalen auf "nur" noch 38% im Q2 2023.


Dennoch sind diese rein organisch erzielten Wachstumsraten erstaunlich hoch. Denn sie wurden trotz des eingetrübten Makro-Umfeldes erreicht, welches das Wachstum vieler SaaS Application Provider derzeit erheblich beeinträchtigt.

monday.com Umsatzentwicklung

Mindestens genauso beeindruckend wie das schiere Wachstumstempo ist die Entwicklung der Profitabilität bei monday.com.


Die Bruttomarge von monday begeistert schon seit dem Börsengang und ist zuletzt auf 89% (GAAP) angestiegen. Ich hatte ja auf diesem Blog schon mehrfach beschrieben, wie SaaS-Companies mit derart hohen Gross Margins sich zu regelrechten Cash-Maschinen wandeln können, wenn der Markt es erfordert und sobald das Management auf die Kostenbremse drückt.


Und genau das ist bei monday.com aktuell zu beobachten:

monday.com Kostenstrukturen

Die operative Kostenquote sank von 90% des Umsatzes im Vorjahresquartal auf nur noch 77% (Non-GAAP).


Das Unternehmen hat also die operativen Kosten sehr gut im Griff: Die gegenüber Vorjahr von 19% auf 15% gesunkene Kostenquote für die Entwicklung (R&D) erscheint mir sogar etwas niedrig. Hier macht sich wohl die zusätzliche Schwierigkeit bemerkbar, in Kriegszeiten genügend qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Ich bin froh, dass das Management höhere Ausgaben für die Entwicklung in den kommenden Quartale ankündigte.


Im Ergebnis führte diese Umsatz- und Kostenentwicklung dazu, dass trotz des Hyper-Growth die üppigen Cashbestände aus dem IPO bisher nicht nennenswert angetastet werden mussten. Das schuldenfreie Unternehmen sitzt nach dem 3. Quartal 2023 auf über $1 Mrd. Cash!

monday.com Free Cashflow Entwicklung

In den ersten 9 Monaten 2023 erwirtschaftete monday.com einen Free Cashflow von $150 Mio., die (adjustierte) Free Cashflow Marge erreichte zuletzt den Rekordwert von 34%.


Zusammen mit dem Umsatzwachstum bedeutet das einen Rule-of-40-Score (hier einfach erklärt) von 72%. Das ist ein absoluter Spitzenwert im aktuellen Makro-Umfeld.


Mir gefällt, dass monday im Gegensatz zu vielen vergleichbaren IPO Werten aus den USA bereits über ein echtes globales Geschäft verfügt. Mehr als 45% des Umsatzes werden außerhalb der USA erzielt, die monday Software ist in 14 Sprachen verfügbar. Damit können regionale Schwankungen besser ausgeglichen werden und die hohen Aufwendungen für den Aufbau einer internationalen Organisation sind bei monday zumindest teilweise bereits in der aktuellen Kostenstruktur enthalten.


Die monday.com Guidance

Das monday Management hatte im Februar zunächst eine vorsichtige Guidance für 2023 ausgegeben, die maximal 34% Umsatzwachstum vorsah. Mit Vorlage der herausragenden Zahlen zum Q3 2023 hat man diese Prognose zum dritten Mal erhöht und erwartet nun 40% Wachstum, was einem Umsatz von ca. $725 Mio. entspricht.


2023 soll die operative Marge bei monday gemäß der neuen erhöhten Guidance nach -9% im Vorjahr (non-GAAP) erstmals positiv sein und ca. 5% betragen. Das bedeutet, monday hat den Break-Even damit zwei Jahre früher als im IPO Business Plan vorgesehen erreicht. Jetzt werden in der SaaS Industrie die Prioritäten sichtbar anders gesetzt als noch vor zwei Jahren. Und das ist sehr gesund so.


Die Bewertung der monday Aktie

Auf Basis meiner Umsatzerwartung errechnet sich für 2023 beim aktuellen monday Aktienkurs von 155$ ein Enterprise Value von $6,5 Mrd. bzw. ein EV/Sales-Verhältnis von ca. 9.


Auf Free Cashflow-Basis dürfte sich Ende 2023 ein EV/FCF Multiple von ca. 30 ergeben.


Das ist nicht zu viel für ein SaaS-Unternehmen mit fast 90% Gross Margin und 30% FCF-Marge (hier einfach erklärt), welches auch jenseits der $500 Mio. Umsatzgrenze noch über 35% p.a. (rein organisch) wächst. Ich persönlich gehe davon aus, dass monday.com schon 2024 an der Umsatzmilliarde kratzen kann.


Sollte ich damit richtig liegen - und sich die Profitabilität so positiv wie zuletzt weiterentwickeln - so ist die SaaS Aktie von monday.com durchaus attraktiv bewertet.


Wo ist der Haken?

Ein Schwachpunkt im Zahlenwerk von monday ist die Verwässerung der Aktionäre durch hohe SBC (Share Based Compensation), die 16% vom Umsatz ausmachen. Seit dem IPO wurden die Altaktionäre durch die Ausgabe zusätzlicher Anteile um 25% verwässert, in den vergangenen 12 Monaten betrug die Verwässerung immer noch 10%.


Die Entwicklung der Anzahl ausstehender Aktien gilt es in den kommenden Quartalen unbedingt im Auge zu behalten. Das Unternehmen sollte die mittlerweile hohen Cashzuflüsse dafür nutzen, um ein Aktienrückkaufprogramm aufzulegen und die Verwässerung einzudämmen.


Und was ist mit den Kriegsrisiken?

Auch die schwierige und unsichere Lage in Israel aufgrund des Krieges gegen die Hamas hat den Unternehmenserfolg bisher nicht beinträchtigen können. Obwohl fast zwei Drittel der monday Mitarbeiter im Heimatland des Unternehmens beschäftigt sind und etliche Kollegen zum Militär einberufen wurden.


Aber das Unternehmen hat diese Schwieirgkeiten bisher bravorös meistern können. Auch für die kommenden Quartale sollten die aus dem Krieg resultierenden Risiken beherrschbar sein. Denn die durch den Krieg hart getroffenen israelischen Kunden machen nur 7% am Umsatz bei monday aus. Und die Cloud-Infrastruktur läuft komplett in Rechenzentren in USA, Europa und Australien, also weit außerhalb der Krisenregion.


Fazit

monday liefert auch 2023 in extrem schwierigem Umfeld Quartal für Quartal herausragende Ergebnisse ab. Die Aktie hat sich trotz einiger Freudensprünge nach den Quartalszahlen dennoch noch nicht wieder nachhaltig vom Tech Crash aus 2022 erholt.


Die Bewertungskennzahlen sind dadurch im Jahresverlauf viel attraktiver geworden. Ich bin sehr optimistisch, dass ein Investment in die monday.com Aktie zum gegenwärtigen Einstiegskurs in den kommenden Jahren eine hübsche zweistellige Rendite p.a. einbringt.


Daher habe ich die monday.com Aktie nun auch in das High-Tech Stock Picking wikifolio aufgenommen. Wenn Du die Entwicklung von monday.com zukünftig gemeinsam mit mir beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter bestellen.

Disclaimer

Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von monday.com. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.


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