• Stefan Waldhauser

Warner Bros. Discovery Aktie: Eine Geduldsprobe



Angesichts der ersten gemeinsamen Bilanz von Warner Bros. Discovery nach dem Merger wird klar: Wir Aktionäre werden wohl viel Geduld brauchen. Vier Monate nach dem Warner Media Spin Off von AT&T offenbart sich mit den Zahlen zum Q2 2022, dass noch mehr Aufräumarbeiten auf das neue Management zukommen als erwartet. Warner Media ist ein echter Sanierungsfall.


Der Umsatz von Warner Bros. Discovery im Q2 lag mit $9,3 Mrd. deutlich unter den über $11 Mrd., der von den Analysten erwartet worden war. Hier zeigt sich neben der allgemeinen Marktschwäche auch der eingeschlagene Sanierungskurs vom neuen Management Team rund um David Zaslav.


Der schreckt nicht davor zurück, ganze Geschäftsbereiche wie das neue CNN+ stillzulegen, wenn sie nicht profitabel sind. Oder aber bereits abgedrehte Filme wie das für $90 Mio. produzierte Batgirl - Movie abzuschreiben, wenn die hohen Qualitätsansprüche nicht gehalten werden. Weitere Entlassungen in den kommenden Monaten sind wohl unumgänglich.


Überblick über die Warner Bros. Discovery Brands und Franchises


Die Zahlen von Warner Bros. Discovery zum Q2 2022


Für das Q2 wurde ein hoher Nettoverlust von mehr als $3,4 Mrd. ausgewiesen. Der kam zustande weil man $2 Mrd. immaterielle Vermögensgegenstände abgeschrieben hat (z.B. Wert von Filmrechten). $1Mrd. wurden für die Restrukturierung fällig (z.B. Abfindungen) und eine weitere Milliarde USD an Einmalkosten im Zusammenhang mit dem Merger.


Dennoch wurde im Q2 ein operativer Cashflow von $1 Mrd. erwirtschaftet, nach Investitionen blieb ein Free Cashflow von knapp $800 Mio. Die Erwartungen an den kurzfristig nach der Fusion erreichbaren Free Cashflow wurden gesenkt. So muss man im ersten vollen Jahr 2023 wohl mit $4-6 Mrd. zufrieden sein, an den mittelfristigen Zielen von $8 Mrd. Cashflow hält man fest.


DIE große Herausforderung für das Management in den kommenden beiden Jahren ist es, den von AT&T mit dem Merger geerbten Schuldenberg möglichst schnell abzuschmelzen. In den ersten 5 Monaten seit der Fusion werden bis Ende August bereits $6 Mrd. zurückgeführt, zum 30.6. musste man dennoch nochmals $53 Mrd. an Schulden ausweisen.

Bilanz von Warner Bros. Discovery zum 30.6.2022


Der neue Streaming Riese


In den kommenden Quartalen werden die Streaming Dienste HBOmax und Discovery+ technisch und organisatorisch zusammengeführt. Gemeinsam zählten sie per Ende Juni gut 92 Mio. Abonnenten. Das sind 1,7 Mio. mehr als im Vorquartal. Wer sich wundert, dass die nun ausgewiesene Abonnentenzahl deutlich unter den vor der Fusion avisierten Zahl liegt: AT&T hatte einige Millionen Abonnenten mitgezählt, deren Abo im Rahmen eines Bundlings mitverkauft, aber nicht aktiviert worden war. Auch hier waren also Aufräumarbeiten nötig.


Sehr positiv ist, dass WBD auch im schwierigen Q2 immerhin 1,7 Mio. Abonnenten hinzugewinnen konnte, während Netflix ja sogar froh war, dass man “nur” knapp 1 Mio. Kunden verloren hatte.


Ich gehe davon aus, dass der neue kombinierte Streamingdienst, der ab 2023 an den Start gehen wird, ein sehr ernstzunehmender Wettbewerber für Netflix und Disney+ werden wird. Denn die in Jahrzehnten gewachsene Content-Bibliothek von WBD ist dem Netflix Content zumindest in meinen Augen weit überlegen. Bis 2025 will WBD 130 Mio. zahlende Abonnenten erreichen und in diesem Segment dann eine Mrd. USD pro Jahr bzw. eine Marge von 20% verdienen.


Wichtig für das Selbstverständnis von Warner Bros. Discovery (WBD) ist, dass die Strategie auch zukünftig nicht nur auf das Streaming Geschäft ausgerichtet ist. WBD wird nach wie vor seine großen Filme zuerst im Kino vermarkten. Das Management geht davon aus, dass dies auch langfristig das profitablere Geschäftsmodell sein wird im Gegensatz zum Netflix-Modell. Diese Strategie polarisiert, Kritiker werfen dem CEO nun rückwärtsgewandtes Denken vor wie z.B. hier in diesem Bloomberg Kommentar:


"In the entertainment universe, the power has shifted away from big TV companies and toward viewers more than Zaslav seems to realize. He is operating with a 1990s’ mindset."

Es wird sich zeigen, welches Modell (Netflix versus WBD) langfristig überlegen ist. Fakt ist: Das DTC Geschäft (Direct-to-Consumer) von WBD hat im Q2 Umsätze von $2,2 Mrd. realisiert. Das ist ein Umsatzanteil von weniger als 23% am Gesamtumsatz. Sehr verständlich also, dass man die Gesamtstrategie zumindest kurzfristig nicht nur auf diesen einen Umsatzstrom ausrichtet, um so die Profitabilität zu maximieren.


Auch innerhalb des DTC-Geschäfts soll Werbung bei WBD zukünftig eine große Rolle spielen. Industrieweit zeichnet sich jetzt immer stärker ab, dass es neben den werbefreien Premium Streamingdiensten auch werbefinanzierte Alternativen von den Anbietern geben wird. Denn auch Netflix hat ja mittlerweile angekündigt, diesen Weg einzuschlagen.


Die Bewertung der WBD Aktie


Es gibt aktuell knapp 2,3 Mrd. Aktien von Warner Bros. Discovery. D.h. bei Kurs von 15$ beträgt die Marktkapitalisierung ca. $34 Mrd. Das klingt ungeheuer günstig für diesen Medienriesen mit weit über $40 Mrd. Umsatz, der sogar in einem von Restrukturierung geprägten Quartal $1 Mrd. Cashflow erwirtschaftet.


Aber wenn man die hohen Schulden berücksichtigt, so errechnet sich ein Enterprise Value von ca. 83 Mrd. (hier: Enterprise Value einfach erklärt). Der Umsatz für 2023 dürfte geringer ausfallen als von den Analysten bisher erwartet. Bei $45 Mrd. Umsatz errechnet sich z.B. ein EV/Sales von 1,8. Das EV/FCF-Verhältnis für 2023 dürfte noch über 10 liegen. Das klingt dann schon nicht mehr ganz so sehr nach Schnäppchen wie es nach den bisherigen Planungen vor der Fusion zu erhoffen war.


Zum Vergleich: Netflix und Disney werden aktuell mit einem EV/Sales von 3,6 bzw. 3,2 berechnet.


Fazit

Die ersten Zahlen nach der Fusion zeigen, dass die finanzielle Situation der alten Warner Media noch deutlich schwieriger war als vom AT&T Management vor dem Spin Off dargestellt. Es gibt viel zu tun, um das nun entstandene Gesamtunternehmen wieder auf Profitabilität zu trimmen.


Dem neuen WBD Management ist diese Sanierung allemal zuzutrauen. Für mich ist die WBD Aktie eine schöne substanzhaltige Turnaround-Story für geduldige Aktionäre. Ich warne allerdings davor, hier auf kurzfristige hohe Kurszuwächse innerhalb von wenigen Quartalen zu spekulieren. Diese wären aufgrund der aktuellen Lage nicht unbedingt gerechtfertigt.


Ich bleibe aber optimistisch, dass für geduldige langfristig orientierte Investoren die WBD Aktie mit einem Anlagezeitraum von 5 bis 10 Jahren eine gute Alternative zur Disney Aktie ist. Ich bin in beiden investiert. Die Netflix Aktie werde ich weiterhin meiden.


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Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzt Aktien von Warner Bros. Discovery sowie Disney und aktien.guide. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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