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  • Stefan Waldhauser

Warner Bros. Discovery Aktie auf Talfahrt - Was der doppelte Hollywood Streik wirklich bedeutet


Hollywood Streik

Schwere Zeiten für die Aktionäre der US Medienkonzerne. Auch die Aktie von Warner Bros. Discovery (WBD) aus meinem Portfolio hat zuletzt deutlich an Wert verloren und notiert nur noch gut 20% über den zum Jahreswechsel 22/23 erreichten Tiefständen.


WBD Aktienkursentwicklung

Noch schlimmer traf es die Aktionäre von Disney und Paramount, deren Aktienkurse in unmittelbarer Nähe ihrer 10-Jahres-Tiefs notieren.


Der Hauptgrund für die aktuelle Kursschwäche der US Medienkonzerne ist schnell ausgemacht: Seit vielen Monaten schon streiken sowohl Schauspieler als auch Autoren in der US Film- und Fernsehindustrie. Einen solchen Doppelstreik hat es seit mehr als 60 Jahren nicht mehr gegeben.


Worum geht es beim Hollywood Streik eigentlich?

Es geht den beteiligten Gewerkschaften nicht nur um Gehaltssteigerungen und bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch um gewisse Job-Garantien im Zusammenhang mit den neuen Möglichkeiten der Künstlicher Intelligenz. Es geht die durchaus nicht unberechtigte Angst um in Hollywood, dass durch den Durchbruch der Generativen AI viele Jobs in der Medienindustrie bedroht sein könnten.


Das betrifft sicherlich nicht unbedingt die kreativsten Köpfe und bekanntesten Charakterdarsteller. Aber es ist durchaus vorstellbar, dass zukünftig Schauspieler/innen gerade in kleineren Rollen bzw. Statisten durch Avatare ersetzt werden. Diese könnte man durch einmalige Scans der Darsteller generieren und dann in den Produktionen einsetzen. Die Zeit der realen Schauspieler würde beim Dreh viel weniger benötigt im Vergleich zu den heutigen personal- und zeitintensiven Workflows in der Filmproduktion.


Auch Autoren fürchten m.E. zurecht, dass Drehbücher demnächst in großen Teilen mittels Generativer AI erzeugt werden können. AI Assistenten in der Content-Produktion könnten viele humane Tätigkeiten obsolet machen.


Derzeit sind die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und den großen Studios (dazu gehören nicht nur Disney, WBD, NBCUniversal und Paramount, sondern auch Amazon, Apple und Netflix) festgefahren. Ein Ende des doppelten Hollywood Streiks ist nicht in Sicht.


Die Auswirkungen der Streiks auf Warner Bros. Discovery

Warner Bros. Discovery hat in der vergangenen Woche in einem SEC-Filing die erwarteten finanziellen Auswirkungen der Streiks auf die laufenden Geschäftszahlen bekanntgegeben. So wird der operative Gewinn 2023 um $300-$500 Mio. niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, d.h. das EBITDA (adjusted) wird bei $10,5-11 Mrd. liegen. Der Grund dafür ist, dass bestimmte Produktionen nicht wie geplant 2023 fertiggestellt bzw. monetarisiert werden können.


Besonders weh tut Warner hier die aufgrund des Streiks notwendig gewordene Verschiebung vom Sequel des mit 6 Oscars prämierten Science Fiction Epos "Dune". Die Fortsetzung "Dune: Part Two" wird nun nicht wie geplant im November 2023 in die Kinos kommen, sondern wird auf März 2024 verschoben.


Die Auswirkungen der Streiks auf den Cashflow von WBD sind kurzfristig im Q3 jedoch sogar positiv, da man sich durch die Streiks Gehaltszahlungen und andere Ausgaben für die derzeit unterbrochenen Produktionen spart. Für das laufende Q3 wird nun ein Free Cashflow von über $1,7 Mrd. erwartet.


Zu der positiven Cashflow Entwicklung hat natürlich auch der große Erfolg von Barbie beigetragen. Das Barbie Movie hat mittlerweile weltweit fast $1,4 Mrd. an den Kinokassen eingespielt und ist damit der erfolgreichste Film des Jahres 2023 überhaupt.


im Gesamtjahr 2023 wird der Free Cashflow bei Warner Bros. Discovery laut des SEC-Filings über $5 Mrd. liegen. Wer dem CEO David Zaslav in der vergangenen Woche auf der Goldman Sachs Investorenkonferenz aufmerksam zuhörte (Transcript hier verfügbar), der konnte den Eindruck gewinnen, dass man diese $5 Mrd. Marke letztlich trotz oder gerade wegen des Streiks deutlich überschreiten wird.


Dennoch ist dieser Streik natürlich negativ zu sehen - nicht nur für WBD sondern für die ganze Branche. Schon gibt es Spekulationen darüber, dass die Streaming-Dienste 2024 in großem Umfang Abonnenten verlieren könnten, wenn diese aufgrund eines langen Streiks nicht wie gewohnt mit immer neuen Produktionen bei Laune gehalten werden können. Einige Marktbeobachter meinen, das könne katastrophale Folgen und einen Kollaps des Streaming-Business bei WBD auslösen.


Kommt es zur Katastrophe?

Ich halte diese Sorgen um WBD für überhöht. Gerade das Streaming-Angebot Max von WBD ist weniger als z.B. Netflix abhängig von immer neuen Staffeln der beliebtesten Serien. Derzeit wird Max in USA ergänzt um ein Live-Streaming Nachrichten-Angebot der CNN Redaktion. Auch US Sport Live-Events aus der NBA (Basketball) und MLB (Baseball) soll es in Kürze auf Max geben, wie Bloomberg berichtete. Dazu steht der Start von Max in 59 weitere Länder in Lateinamerika und Europa für die kommenden 6 Monaten an.


Ja, dieser Streik ist negativ zu sehen und könnte, wenn er in den kommenden Monaten nicht beigelegt wird, das Ergebnis 2024 bei WBD und anderen Medienkonzernen durchaus verhageln. Aber existenzgefährdend für WBD ist die Situation nicht.


David Zazlav wird nicht müde zu betonen (zuletzt vor wenigen Tagen auf der o.g. Goldman Sachs Konferenz), dass die geplante deutliche Zurückführung der hohen Schulden bis Ende 2024 auch durch den Streik nicht bedroht ist.


Die Bedeutung der Generativen AI für die Filmindustrie

Und was die Diskussion um AI angeht: Ja, auch ich sehe, dass durch die neuen Möglichkeiten der Generativen AI eine große Anzahl von Arbeitsplätzen in der Film- und Fernsehindustrie bedroht ist. Es wird durch GenAI zu erheblichen Produktivitätssteigerungen in der Content-Produktion kommen. Es wird zukünftig viel preiswerter werden, Drehbücher zu schreiben und Animationen zu erstellen.


Es wird aufgrund der durch GenAI verfügbaren Avatare zum Produktionsalltag gehören, dass Schauspieler nicht mehr jede Szene selbst abdrehen und hundertfach wiederholen müssen. Diese Veränderungen sind extrem disruptiv für viele Berufsbilder in der Medienindustrie.


Aber seien wir ehrlich: Auf die großen Medien-Konzerne wie WBD sollte das unterm Strich langfristig positive Auswirkungen haben, wenn die Produktion effizienter und preisgünstiger wird.


Selbstverständlich müssen Schauspieler und Drehbuchautoren auch zukünftig angemessen am Ertrag beteiligt werden. Auch wenn dieser zukünftig verstärkt durch den Einsatz ihrer persönlichen Avatare und AI-Assistenten erzielt wird.


Für diese neue Medienwelt im Zeitalter der Generativen KI braucht es angemessene Vergütungsregeln. Die werden hoffentlich in den kommenden Monaten auch unter dem Druck des aktuellen Doppelstreiks von Studios und Gewerkschaften gemeinsam erarbeitet.


Fazit

Ich bleibe optimistisch bzgl. der Aktie von Warner Bros. Discovery und habe in der vergangenen Woche für mein wikifolio nachgekauft. Denn ich gehe unverändert davon aus, dass Kurse um 11$ für die WBD Aktie eine mittelfristige Kaufgelegenheit darstellen. Siehe dazu auch die Analyse zur WBD Aktie nach den jüngsten Quartalszahlen.


Kaufen, wenn die Kanonen donnern... M.E. sehen wir hier eine solche Situation, bei der es sich lohnen könnte, beherzt und antizyklisch zu handeln.


Es bleibt spannend. Wenn Du die Warner Bros. Discovery Aktie zukünftig gemeinsam mit mir verfolgen willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen wöchentlichen Newsletter abonnieren.


Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Warner Bros. Discovery. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.




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