• Stefan Waldhauser

Der Hintergrund zum Crash der Cloudera Aktie


Für die Aktionäre des Big Data - Software-Unternehmens Cloudera war der gestrige Tag ein Desaster. Die Cloudera - Aktie crashte nach der Bekanntgabe der Zahlen zum am 31. Januar abgelaufenen Geschäftsjahr in nur einer Börsensitzung um sage und schreibe 40%.

Und dabei haben die Cloudera-Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr nicht enttäuscht, sondern lagen sogar über den Erwartungen der Analysten. Im Q4 (und auch dem Gesamtjahr 2017/2018) wurde der Umsatz um über 40% gesteigert, der wichtige wiederkehrende Subskriptions-Umsatz wuchs sogar um 50%. Auch die Verluste wurden planmäßig reduziert.

Was ist also passiert?

Ich war zwar nie in Cloudera investiert, aber mich interessieren die Hintergründe dieses Absturzes - insbesondere weil ich den direkten Wettbewerber Hortonworks im Portfolio habe.

Enttäuschender Ausblick auf 2018/2019

An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt und der Ausblick von Cloudera auf das aktuelle Geschäftsjahr hat doch sehr enttäuscht. Die Guidance des Managements sieht für das Fiskaljahr 2018/2019 nur noch ein Wachstum von 20% vor. Angesichts des hohen Anteils an wiederkehrenden Umsätzen (82% im abgelaufenen Jahr) ist das doch sehr verwunderlich wie das Wachstum so plötzlich um über 20 Prozentpunkte absacken soll.

Die Umsätze bei dem von Cloudera betriebenen Subskriptions-Geschäftsmodell sind gut prognostizierbar. Das deutet also alles daraufhin, dass das Neugeschäft gerade im vergangenen Quartal weit unter Plan war. Und offenbar hat man auch Probleme mit einigen Bestandskunden, die ihre Verträge nicht wie geplant erneuern. Ansonsten ist so eine plötzliche Wachstumsabschwächung kaum erklärbar.

Probleme in der Vertriebsorganisation

Das Cloudera - Management hat interne Sales-Execution-Probleme ausgemacht für die eigenen Probleme. Es sei keine Schwäche des Marktes zu erkennen, so erklärte man im Analystencall auf mehrfache Nachfrage. Die eigenen Produkte seien innovativ und wettbewerbsfähig, aber angeblich wurden Fehler im Vertrieb gemacht. Daher sucht man jetzt auch einen neuen weltweiten Vertriebschef und plant Veränderungen in der Go-To-Market-Strategie. Das hört sich für mich alles nach Panik und größeren anstehenden Umbauarbeiten an. Nicht aber nach einem Problem, das bereits unter Kontrolle gebracht wurde.

Eine Verlangsamung der Wachstumsraten ist an sich ganz normal bei einem High-Growth-Unternehmen. Kein Unternehmen kann ewig organische Wachstumsraten von über 40% aufrechterhalten. Und das ist auch kein Problem solange das abflachende Wachstum mit steigenden Cashflow-Margen einhergeht. Und hier liegt das besondere Problem bei Cloudera. Man erwartet auch im laufenden Fiskaljahr 2019 nochmals einen deutlich negativen Cashflow und das passt einfach nicht zusammen mit einem Wachstum von nur noch 20%.

Ist die Aktie nach dem Abverkauf nun ein Schnäppchen?

Dieser Crash ist ein gutes Beispiel dafür, dass High-Growth-Aktien akut absturzgefährdet sind, falls dass Wachstum abflacht bevor die Profitabilität erreicht ist.

Es ist jetzt die große Frage, ob es sich hier wirklich nur um eine Wachstumsdelle handelt, die durch ein neues Vertriebsmanagement zügig überwunden werden kann. Ich würde derzeit nicht darauf wetten. Ein neuer Vertriebschef und eine neue Vertriebsstrategie bringen viel Unruhe und werden ihre Spuren hinterlassen für mindestens 1-2 Jahre und nicht nur 1-2 Quartale.

DIe neue Cloudera-Guidance sieht für das laufende Geschäfdtsjahr einen Umsatz von $440M vor. Der Enterprise Value (EV) beträgt bei einem Aktienkurs von $13,30 ca. $1,7Mrd. Das EV/Sales-Verhältnis von ca. 4 ist kein wirkliches Schnäppchen für ein Unternehmen mit „nur noch“ 20% Wachstum und negativem Cashflow.

Was bedeutet das für Hortonworks?

Auch mein Big Data-Favorit Hortonworks hatte ja vor wenigen Wochen eine enttäuschende Guidance mit „nur noch“ 24% Wachstum und einem Umsatz von $325M für 2018 vorgelegt. Siehe dazu mein letztes Update zur Hortonworks-Aktie. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass diese Guidance genauso wie in 2017 eine erzkonservative Schätzung ist, die deutlich übertroffen werden wird. Sollte dies nicht der Fall sein (z.B. weil der Markt in dem Hortonworks und Cloudera tätig sind doch viel weniger schnell wächst als erwartet), so muss ich mein Investment neu überdenken.

Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Quartalszahlen von Hortonworks. Die werden einen Hinweis geben, ob es ein generelles Problem im Big Data-Markt gibt, das dann auch Hortonworks betrifft. Oder ob Cloudera wirklich nur mit hausgemachten Schwierigkeiten kämpft, von denen Hortonworks dann als direkter Wettbewerber sogar noch profitieren sollte.

In jedem Fall dürfte Hortonworks aktuell schneller wachsen als Cloudera. Zudem hat Hortonworks für das laufende Geschäftsjahr angekündigt, erstmals Cashflow-positiv zu sein. Gemäß der aktuellen Guidance wird Hortonworks derzeit mit einem EV/Sales-Verhältnis von 4,3 bewertet. Auch das ist kein Schnäppchen, falls das Wachatum tatsächlich unter 30% abfallen sollte. Gerade angesichts der roten Zahlen, die Hortonworks unterm Strich immer noch schreibt...

Randbemerkung

An diesem Beispiel sieht man übrigens auch mal wieder wie wenig man sich als Anleger auf die Analystenschätzungen verlassen sollte. Noch am Tag vor dem Cloudera-Crash hatte ein Needham-Analyst sein Kursziel erhöht auf 26$. Nun werden aktuell - natürlich NACH dem Crash - fleissig die Kaufempfehlungen einkassiert, die es bis zum gestrigen Tage reihenweise für die Cloudera-Aktie gegeben hatte - u.a. von der Deutschen Bank und JP Morgan.

Hier findest Du weitere Beiträge zum spannenden Big-Data-Markt mit einem Fokus auf meinen Favoriten Hortonworks.

#Hortonworks #BigData

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