• Stefan Waldhauser

Quick-Check der Stamps.com Aktie


Der aktien.guide sucht ständig aus einem Anlageuniversum von über 5.000 Aktien nach denjenigen Unternehmen, die aufgrund ihrer Kennzahlen für ein Investment gemäß meiner High-Growth-Investing-Strategie in Frage kommen könnten.

Auf der (automatisiert erstellten) Liste der HGI-Topscorer ist die Aktie von Stamps.com erschienen.

Ich habe das Unternehmen daher einem Quick-Check unterzogen.

Wer ist Stamps.com?

Stamps.com ist im Wesentlichen ein Softwareunternehmen, das online Versand und Logistik der US Post als Reseller anbietet. Die Kunden können online ihre Postgebühren zahlen, Labels für Pakete ausdrucken und vieles mehr.

Stamps.com erzielte seinen Umsatz sowohl durch Abonnementgebühren der Endkunden als auch durch eine Umsatzbeteiligung der Post und hatte bis heute damit ein sehr profitables Geschäftsmodell. Es handelt sich um ein extrem margenstarkes Geschäft (78% Bruttomarge), das allerdings eine große Schwachstelle aufweist:

Das Unternehmen hat keine Kontrolle über die Transport- und Logistik-Infrastrukturen auf die sein Service basiert. Dies ist besonders nachteilig, da es in hohem Maße auf einen einzigen Partner angewiesen ist, nämlich die USPS (United States Postal Service).

D.h. Stamps.com ist im Grunde ein Dienstleister, der als eine Art verlängerte Werkbank der amerikanischen Post angesehen werden kann.

In der 20-jährigen Partnerschaft von Stamps.com mit USPS hat Stamps.com durch die Bereitstellung von Softwarelösungen, die USPS selbst nicht anbieten konnte, einen Mehrwert geschaffen.

Die Positionierung von Stamps.com mit Fokus auf USPS war lange Zeit sinnvoll, da beide Parteien gegenseitig voneinander abhängig waren und auch die Kunden von einer solchen Partnerschaft profitierten.

Das Unternehmen ist seit 2014 aggressiv durch die Übernahmen von 5 Wettbewerbern gewachsen (ShipStation, ShipWorks, Endicia, ShippingEasy und MetaPack). Man hat damit im Laufe der Zeit viele der relevanten Wettbewerber mit ähnlichem Geschäftsmodell vom Markt weggekauft.

Die Stamps.com Aktie in der HGI Analyse

Die Ergebnisse von Stamps.com für das vergangene Geschäftsjahr 2018 waren mit einem Umsatzwachstum von 25% auf ca. $590 Mio. und einer Cashflow- Marge von über 40% sehr gut.

Die Zahlen zur Bewertung des Unternehmens auf Aktien.guide sind mit einem einstelligem KGV und einem Rule-of-40- Score von über 70% großartig.

Das ist zu schön um wahr zu sein…die Aktie ist zu billig.

Wo ist also der Haken?

Good to know

Der Aktienkurs von Stamps.com fiel wie ein Stein, nachdem am 21. Februar 2019 vom Management angekündigt wurde, die exklusive Versandpartnerschaft mit USPS zu beenden, um mit anderen privaten Anbietern zusammenzuarbeiten.

Stamps.com CEO Ken McBride beteuerte, dass das sich verändernde Marktumfeld der Versand- und Logistikbranche der Hauptgrund für die Entscheidung war, sich von USPS zu trennen. Dabei bezog sich McBride offensichtlich auf die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit gegenüber neuen Konkurrenten wie Amazon.

Tatsächlich wird die Branche gerade kräftig durcheinandergewirbelt durch neue Angebote von innovativen Wettbewerbern. Aber leider ist Stamps.com nicht der Disruptor. Das Unternehmen sitzt vielmehr gemeinsam mit der US Post in einem Boot und wird bedroht anstatt zu den Angreifern zu gehören. Nun will man dieses sinkende Schiff verlassen, bevor es untergeht.

Einschätzung der Stamps.com Aktie

Der Kurs der Stamps.com Aktie hatte sich in den vergangenen Jahren vervielfacht, bevor er seit Mitte 2018 mehr als 70% seines Wertes verloren hat.

Der jüngste Preisverfall von Stamps.com könnte für einen Value-Investor als Kaufgelegenheit interpretiert werden, wenn man nur auf die nackten Geschäftszahlen der vergangenen Jahre schaut.

Allerdings wäre es ein echtes Schnäppchen nur dann, wenn es sich um eine Überreaktion des Marktes auf ein kurzfristiges Ereignis handeln würde.

Leider scheint es mir eher so, dass das Geschäftsmodell von Stamps.com grundsätzlich bedroht ist.

Ich bin nicht von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens überzeugt.

Fazit

Es ist fast immer negativ zu sehen, wenn ein Unternehmen sein Wachstum vor allem mit Übernahmen vorantreibt. Im Nachhinein betrachtet waren diese Übernahmen seit 2014 schon ein Warnsignal - aber hinterher ist man ohnehin immer schlauer… ;-)

Es ist nichts gegen die Akquisition von ergänzender Technologie oder guten Teams zu sagen, aber aggressives anorganisches Wachstum wie es bei Stamps.com seit 2014 praktiziert wurde, ist für mich als Growth Investor selten attraktiv.

Für einen langfristig agierenden Growth-Investor wie mich passt die Stamps.com Aktie trotz der überaus niedrigen Bewertung nicht ins Portfolio.

Andere vom aktien.guide generierte Investmentideen kannst du hier auf der Liste der HGI-Topscorer finden.


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