PayPal Aktie nach den Stripe-Gerüchten: Ist das der Beginn eines Verkaufsprozesses?
- Stefan Waldhauser

- 27. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

In meinem letzten PayPal-Beitrag (jetzt ohne Paywall verfügbar) hatte ich zum Schluss bereits die These aufgestellt, dass PayPal nicht nur ein Turnaround-Case, sondern auch ein Übernahmekandidat sein könnte.

Damals hatte ich spontan Elon Musk/xAI und OpenAI als mögliche Interessenten und spontan einen Preis “nicht unter 50 Mrd. USD” genannt.
Die jüngsten Berichte über Übernahmeinteresse – inklusive eines möglichen Interesses von Stripe an PayPal ganz oder in Teilen – machen diese Idee plötzlich sehr viel konkreter. Reuters berichtete zunächst über allgemeines, unaufgefordertes Interesse von potenziellen Käufern und Bankgespräche, später dann meldete Bloomberg ein konkretes Interesse von Stripe an einem Kauf des gesamten Unternehmens oder einzelner Assets.
In diesem Licht erscheint mir sogar der Rausschmiss des CEO endlich nachvollziehbar:
Alex Chriss wurde nicht wegen schwacher Quartalszahlen ersetzt – sondern weil das Board strategisch einen Verkauf von PayPal bzw. eine tiefgreifende Portfolio-Neuordnung vorbereiten will.
Das ist meine Interpretation, keine bestätigte Tatsache. Aber sie passt auffällig gut zu Timing, Board-Sprache und dem neuen CEO-Profil.
Warum diese These für mich Sinn ergibt
Der Auslöser war der 3. Februar 2026: PayPal meldete Q4/FY25-Zahlen, gab einen schwachen Ausblick für 2026 und tauschte gleichzeitig den CEO aus. Die Aktie verlor an diesem Tag nochmals 20%, nachdem das Unternehmen einen enttäuschenden Gewinnausblick gegeben hatte und Alex Chriss ersetzt wurde. Das Board formulierte ungewöhnlich klar, dass das „Tempo der Veränderung und Ausführung“ unter Chriss nicht den Erwartungen entsprochen habe.
Wichtig ist dabei: Das Board hat Chriss nicht so dargestellt, als hätte er überall versagt. Im Gegenteil: In der offiziellen Mitteilung bedankt sich das Board ausdrücklich für Fortschritte bei der Monetarisierung von Venmo und beim Wachstum des BNPL-Geschäfts. Gleichzeitig wurde aber ein Führungswechsel mit Fokus auf schnellere, diszipliniertere Execution begründet. Das liest sich für mich wie: Wir brauchen einen anderen Typ CEO für die nächste Phase.
Und genau hier kommt Enrique Lores ins Spiel. PayPal hebt in der Mitteilung nicht nur seine operative Erfahrung hervor, sondern explizit auch seine Rolle rund um die HP/HPE-Trennung bzw. den Aufbau nach der Separation. Das ist keine zufällige biografische Randnotiz. Wenn ein Board in einer Phase strategischer Unsicherheit einen CEO mit Erfahrung in umfangreicher Transformation und Aufspaltung holt, ist das mindestens ein Hinweis darauf, dass solche strategischen Optionen auf dem Tisch liegen.
Meine Kernthese: Nicht nur Turnaround – sondern Ausloten aller strategischer Optionen
Ich halte es inzwischen für sehr wahrscheinlich, dass PayPal derzeit zwei Prozesse parallel fährt:
offiziell: operativer Turnaround im Branded Checkout, Stärkung des Cashflows inklusive eines neuen Sparkurses
inoffiziell/strategisch: Prüfung von Verkauf, Teilverkäufen oder einer Zerlegung des Konzerns zur Maximierung des Shareholder Value
Das wäre kein Widerspruch. Im Gegenteil: Genau so laufen viele Prozesse in der Praxis ab. Das Management kommuniziert einen Turnaround und Investitionen, während das Board und die Berater einen Verkauf oder eine Zerlegung prüfen. Am 23. Februar schrieb Reuters, PayPal habe Bankgespräche im Kontext unaufgeforderter Interessenten geführt; mindestens ein großer Rivale schaue auf das ganze Unternehmen, andere nur auf einzelne Assets. Einen Tag später folgte dann der Bericht über ein mögliches Interesse von Stripe an PayPal, entweder komplett oder in Teilen.
Was war operativ wirklich schlecht – und was wurde übersehen?
Ja, die Enttäuschung war auch bei mir persönlich real. Das Q4 2025 lag unter den Erwartungen, und vor allem der Ausblick für 2026 war schwach. Das Kernproblem war die Verlangsamung des Online-Branded-Checkout-Wachstums auf nur noch 1% (währungsbereinigt) im Q4 nach 5% im Vorquartal und deutlich stärkerer Dynamik früher.
Aber der Markt hat meiner Meinung nach in der Panik zu stark auf dieses Problemsegment geschaut und zu wenig auf die intakten Werttreiber im Konzern. Denn im gleichen Earnings Call betonte PayPal: Der Venmo-Umsatz wuchs 2025 um rund 20% auf 1,7 Mrd. USD (exklusive Zinsen), Venmo überschritt 100 Mio. aktive Accounts, das Paymentvolumen (TPV) bei Venmo wuchs 32%. Und im PSP-Bereich (also PayPal als Paymentprovider und damit direkter Konkurrent von Stripe) beschleunigte sich das Volumenwachstum auf insgesamt 8%, die Enterprise Payments wuchsen 12%.
Das sind keine Zahlen eines kaputten Unternehmens – das sind Zahlen eines Konzerns mit einem schwächelnden Kernsegment und mehreren starken Wachstumssegmenten, die von der Börse mehr oder weniger ignoriert werden. Genau deshalb ist es für PayPal aus meiner Sicht tatsächlich absolut nachvollziehbar, eine Aufspaltung zu prüfen.
Warum ein Verkauf oder Aufspaltung plötzlich der Bull-Case ist
Das klassische Argument der PayPal Bären lautet: Der Branded Checkout schwächelt, der Wettbewerb von Apple/Google steigt, die PayPal Börsenstory ist aufgrund des jahrelangen Niedergangs des Aktienkurses völlig kaputt.
Mein Gegenargument: Gerade weil diese Sorgen real sind, wird ein strategischer Schritt immer wahrscheinlicher. Wenn das Board zum Schluss kommt, dass der Börsenkurs die Summe der Teile nicht reflektiert und die integrierte Story keinen Bewertungsaufschlag mehr bekommt, dann ist die rationale Antwort nicht „noch drei Jahre mit neuem CEO weiterprobieren“. Die rationale Antwort dürfte dann sein: Wert freilegen.
Und hier kommt das mögliche Playbook ins Spiel, das stark an meinen schlussendlich noch sehr erfolgreichen Warner Bros. Discovery Investment Case erinnert: nicht dogmatisch das Konglomerat verteidigen, sondern eine Zerlegung angehen und fragen, welches Asset in welchem Zuhause den höchsten Wert erzielt.
Bei PayPal wäre die naheliegende Zerlegung:
Venmo (Konsumenten Netzwerk)
B2B Payments / PSP (ex-Braintree, Enterprise Payments, unbranded/merchant processing)
Branded Checkout / PayPal Wallet Core
Das Board hat selbst immer wieder betont, dass PayPals Wert aus der Kombination seiner zweiseitigen Plattform resultiert. Das ist operativ richtig. Aber kapitalmarkttechnisch ist die Gegenfrage legitim: Ist diese Kombination heute noch der beste Weg zur Maximierung des Shareholder Value?
Sum-of-the-Parts Analyse: Was könnten die Teile wert sein?
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*Disclaimer: Der Autor und/oder mit ihm verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Aktien von PayPal. Diese PayPal-Aktienanalyse ist eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.







