• Oscar Leistikow

Smartbroker Erfahrungen – Ist der neue Online-Broker wirklich smart?


Heute darf ich Euch nach längerer Zeit wieder mal einen interessanten Gastbeitrag präsentieren. Der Gastautor Oscar Leistikow hat sich auf die Suche nach einem möglichst kostengünstigen Broker für die Anlage eines Sparplans auf The Digital Leaders Fund begeben. Hier schildert er seine Erfahrungen mit dem Smartbroker, die zumindest für mich doch sehr überraschend waren.

Von Oscar Leistikow

Auf der Suche nach einem Online-Broker, der sich besonders für die Anlage eines kostengünstigen Sparplans auf „The Digital Leaders Fund“ eignet, bin ich auf den Smartbroker gestoßen. Das Unternehmen wirbt auf seiner Website mit dem Slogan „Smartbroker ist mein Broker von Deutschlands größter Finanzcommunity“ und einem Angebot ohne Tricks und versteckten Kosten.

Hinter dem Broker steht die börsennotierte wallstreet:online AG, die verschiedene Finanzportale wie wallstreet:online, ariva, FinanzNachrichten und börsenNews betreibt.

Im Folgenden berichte ich von meinen positiven und negativen Erfahrungen mit dem Smartbroker aus der Sicht eines Kleinanlegers.

Das wahre Gesicht hinter dem Smartbroker

Zunächst einmal war ich positiv gestimmt, da der Smartbroker einen Online-Depoteröffnungsprozess mit digitalem PostIdent-Verfahren per Videochat anbietet.

Die Eröffnung erfolgt in fünf üblichen Schritten:

1. Zunächst wird der Name, die E-Mail-Adresse und die Mobilfunknummer eingegeben.

2. Danach werden persönliche Angaben gemacht und die Steueridentifikationsnummer sowie der Beruf angegeben.

3. Des Weiteren muss Auskunft über Erfahrungen im Wertpapierhandel gegeben werden.

4. Als letztes besteht die Möglichkeit, das Preis- & Leistungsverzeichnis sowie die AGB’s herunterzuladen und zu lesen.

5. Der Antrag auf Depoteröffnung wird mit dem digitalen PostIdent Verfahren abgeschlossen.

Dieser Vorgang dauert tatsächlich nicht länger als 10 Minuten.

Soweit so gut: Umso erstaunter war ich, dass ich nach dem Absenden des Antrags zunächst nichts mehr hörte. Erst nach einigen Tagen bekam ich eine E-Mail mit der Entschuldigung für die Verzögerung und erst nach mehreren Wochen bekam ich dann die zum Start benötigten schriftlichen Depoteröffnungsunterlagen zugeschickt.

Für mich ist dieser Prozess unverständlich. Meine Erwartungshaltung ist, dass ein moderner Online-Broker diese Unterlagen online direkt nach Antragstellung übermittelt.

Nachdem die Depoteröffnung dadurch insgesamt länger als einen Monat gedauert hat, war ich ganz gespannt darauf zu sehen, was der Smartbroker zu bieten hat.

Die Website des Smartbrokers hinterließ bei mir durch die einfache Bedienung und das gute Design einen sehr guten Eindruck.

Daher war die Enttäuschung umso größer, als ich in den Unterlagen zur Depoteröffnung erfuhr, dass ich für den Login die Seite www.dab.com verwenden muss.

Die DAB ist seit der Übernahme in 2014 eine Tochter der französischen Großbank BNP Paribas. Auf der Website der DAB heißt es: „Die DAB ist die Bank für unabhängige Vermögensverwalter, Fondsvermittler, Anlageberater und institutionelle Kunden.“

In der Praxis bedeutet das, dass der Handel mit dem Smartbroker generell über die Plattform der DAB abgewickelt wird. Der Smartbroker ist mehr als ein Vertriebspartner für die DAB anzusehen. Er verfügt weder über eine eigene Backend-Infrastruktur noch über eine eigene App.

Das ausschließlich webbasierte User Interface der DAB lässt leider sehr zu wünschen übrig.

Von einem neuen Broker von Deutschlands größter Finanzcommunity habe ich mehr erwartet als eine veraltete Plattform mit einem neuen Namen. Die von der DAB bereitgestellte Benutzeroberfläche ist vom Look+Feel nicht mit Brokern wie Comdirect oder ING zu vergleichen, sondern eher mit Onvista.

Kosten

Meine erste Transaktion war die Einrichtung eines Sparplans auf The Digital Leaders Fund. Die Anlage verlief problemlos und ging schnell, wobei ich vergebens eine verständliche Kostenaufschlüsselung gesucht habe.

Daher verließ ich mich auf die Botschaften der Website:

  • Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen, Zertifikate/Optionsscheine

  • Kostenlose Sparpläne

  • Keine Depotgebühren

  • 4 EUR pro Order an allen deutschen Börsenplätzen

  • 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag

Und diesmal wurde ich nicht enttäuscht!

Tatsächlich habe ich für einen ab dem 1. Februar 2020 aktiven monatlichen 25-Euro-Sparplan auf The Digital Leaders Fund keine Gebühren zahlen müssen.

Das ist sehr positiv zu bewerten, da dies bei aktiven Fonds selten möglich ist. Das heißt, es gibt beim Smartbroker tatsächlich keine Ordergebühr und keinen Ausgabeaufschlag. Insgesamt können 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag direkt über die Kapitalverwaltungsgesellschaften gehandelt werden!

Bei ETFs gibt es gelegentlich Aktionen, so dass eine Auswahl kostenlos besparbar ist. Ansonsten fällt eine Sparplan-Gebühr von 0,2 % bzw. mind. 80 Cent pro Order an. Die Sparplanausführung erfolgt bei ETFs über Lang & Schwarz am Ausführungstag gegen 09:15 Uhr.

Die Flat-Fee von 4€ für den Handel von Einzelaktien im Inland ist günstig. Bei den Börsenplätzen Frankfurt und Xetra fällt das übliche zusätzliche Entgelt an. Bei Lang & Schwarz, Gettex und Tradegate fallen keine weiteren Gebühren an.

Für Ausschüttungen/Dividenden von Fonds, ETFs oder Aktien wird im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern keine Gebühr fällig. Des Weiteren ist die Kontoführung kostenlos. Hier findest Du das ausführliche Smartbroker Preis- und Leistungsverzeichnis.

Im Gegensatz zu anderen neuen Brokern wie Trade Republic kann man mit Smartbroker auch an ausländischen Börsen handeln. Allerdings gibt es dort erheblich höhere Mindestgebühren, z.B. 25$ für eine Order in USA.

Vorteile

Die Vorteile des Smartbrokers liegen einzig und allein in der Kostenstruktur. Eine Flat-Fee von 4€ ist im Vergleich zu anderen Brokern wie Comdirect oder ING deutlich hervorzuheben.

Außerdem ist die Möglichkeit, aktive Fonds monatlich kostenlos in einem Sparplan zu kaufen, sehr attraktiv.

Die Kosten für die Ausführung von ETFs, die nicht in einer Aktion inkludiert sind, sind ebenfalls sehr gering.

Nachteile

Die Liste der Nachteile ist für mich persönlich größer als die der Vorteile. Ein Nachteil ist, dass der Broker meiner Meinung nach über keine eigene Web-Infrastruktur verfügt. Diese Einschätzung führe ich auf zwei Punkte zurück:

  1. Nach dem Login taucht auf der Brokerseite so gut wie nie der Name „Smartbroker“ auf.

  2. Die Website und die dahinterliegenden Prozesse wirken sehr veraltet.

Ein Beispiel für einen veralteten Prozess: Für die Einrichtung des Freistellungsauftrags muss eine PDF-Datei heruntergeladen, ausgefüllt, ausgedruckt und per Post an die angegebene Adresse versendet werden.

Die Eröffnung meines Depots hat ungefähr einen Monat gedauert und dies war damals (Anfang 2020) sicherlich nicht auf das Coronavirus zurückzuführen. Der Smartbroker begründete damals die Verzögerungen mit einem großen Andrang an Depoteröffnungen. Jetzt kann man auf der Website nachlesen, dass sich die aktuellen Depoteröffnungen aufgrund des Coronavirus verzögern. Das macht auf mich einen sehr unprofessionellen Eindruck.

Insgesamt ist die User Experience doch sehr unbefriedigend. Um z.B. die Postbox für die Einsicht von Wertpapierabrechnungen öffnen zu können, müssen drei aufwändige Schritte erfolgen:

1. Der Broker weist mich darauf hin, dass eine TAN-Freigabe notwendig ist.

2. Nach dem Öffnen einer neuen Website muss eine mobile TAN via SMS angefordert werden.

3. Die mobile TAN muss eingegeben werden (komischerweise stimmt die in der SMS angegebene Uhrzeit nie).

Einen solch aufwendigen Prozess für die Einsicht einer Orderabrechnung habe ich so noch nie bei einem anderen Broker erlebt.

Fazit

Als Fazit ist festzuhalten, dass der Smartbroker nicht wirklich „smart“ ist. Denn von einem „smarten“ Broker im Jahr 2020 erwarte ich im Wesentlichen drei Dinge:

  1. Attraktive Kostenstruktur für Privatanleger

  2. Alle Prozesse sollten größtmöglich digitalisiert sein

  3. Attraktives „Look and Feel“

Der erste Punkt trifft auf den Smartbroker durchaus zu, während die anderen beiden Punkte doch sehr zu wünschen übrig lassen.

Daher bin ich der Meinung, dass sich der Smartbroker leider nur für Privatanleger eignet,

  • die bereits über Erfahrungen mit unterschiedlichen Brokern verfügen

  • die aktive Fonds wie z.B. The Digital Leaders Fund kostenlos besparen möchten

  • denen möglichst niedrige Kosten wichtiger sind als eine gute User Experience

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Von Stefan Waldhauser:

Vielen Dank an Oscar für die Schilderungen seiner durchwachsenen Erfahrungen mit dem Smartbroker. Ich hoffe sehr, dass der aktuelle Stand der Technik und der Geschäftsprozesse nur der Anfang der Entwicklung des neuen Brokerage-Angebots von "Deutschlands größter Finanzcommunity" ist.

Mit großem Interesse werde ich die weitere Entwicklung auch im Vergleich zu Trade Republic und anderen neuen Brokerage Alternativen weiter beobachten. Bei Trade Republic ist übrigens der Erwerb von The Digital Leaders Fund und dem High-Tech Stock Picking wikifolio bisher NICHT möglich.

Wenn Du in Zukunft gemeinsam mit mir am Ball bleiben und keinen Beitrag zu den neuen Brokerage Alternativen verpassen willst, dann kannst Du jetzt hier den - natürlich kostenlosen - High-Growth-Investing Newsletter abonnieren.

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