• Stefan Waldhauser

Interview mit Christian Jagd - der stille Rockstar unter den wikifolio Tradern


In zahlreichen Blog-Beiträgen habe ich Euch meine High-Growth-Investing-Strategie näher gebracht. Immer wieder habe ich betont, dass ich mich persönlich nicht mit dem Timing des Finanzmarktes beschäftige, sondern mich als Aktionär immer längerfristig an Unternehmen beteiligen will. Mit dieser Strategie war ich seit dem Start meines High-Tech Stock Picking wikifolios durchaus erfolgreich. Sie passt zu mir als Unternehmer und ich fühle mich mit meiner entspannten Art des Value Investings sehr wohl.

Einen ganz anderen Ansatz als ich verfolgt Christian Jagd. Er ist ein echter Vollblut-Trader und spekuliert auch mal sehr kurzfristig je nach Marktsituation sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse.

Christian ist mit seinem Intelligent Matrix Trend wikifolio unter dem Tradernamen Portfoliomatrix seit Jahren außerordentlich erfolgreich. Das zugehörige wikifolio ist 6 Jahre alt und hat seitdem nach Kosten eine durchschnittliche Performance von über 30% pro Jahr erzielt!

Insgesamt bedeutet das nach 6 Jahren eine Performance von über 400%. Mit dieser Leistung führt Christian nicht nur die wikifolio-Rangliste unter derzeit 23.654 verfügbaren wikifolios an, sondern in das zugehörige Anlageprodukt haben Anleger seit wenigen Tagen nun erstmals mehr als €10 Mio. investiert.

Diese Leistung möchte ich würdigen. Ehre wem Ehre gebührt!

Ich kenne Christian schon länger, er ist ein bescheidener Typ und entspricht so überhaupt nicht dem gängigen Klischee des erfolgreichen Traders. Das hat er einfach nicht nötig. Ich dachte es wäre auch für Euch interessant, etwas mehr über sein Erfolgsgeheimnis zu erfahren und habe Christian daher etwas ausgefragt:

Stefan Waldhauser: Kannst Du Deine Anlagestrategie ganz kurz beschreiben?

Christian Jagd: Meinen Ansatz würde ich als “multi strategisch” bezeichnen. Es ist eine Mischung aus Trendfolge - und Hedgefonds Strategien. Damit versuche ich, in jedem Marktumfeld erfolgreich zu sein. In einem tieferen Sinne bin es nicht ich, der die Strategie vorgibt, sondern der Markt. D.h. ich agiere sehr flexibel je nach der jeweiligen Situation am Markt.

Stefan Waldhauser: Du hast oftmals über 50 verschiedene Aktien im Portfolio. Schaust Du Dir eigentlich an mit welchen Firmen du da handelst, oder sind für Dich die Charts wichtiger als die Unternehmensqualität?

Christian Jagd: Kesse Frage. Einmal weil sie leicht impliziert, ein Portfolio von über 50 Werten sei (für mich) unbeherrschbar, und sie stellt subtil den Zusammenhang von Chart und Unternehmensqualität in Frage.

Zu beiden Themen kann man wunderbar akademisch diskutieren, aber um es kurz zu machen: Ich mag die Diversifikation, sie hilft mir beim Risiko-und Positionsmanagement und ich setze bewusst Charttechnik ein. Sie hilft mir u.a. beim Markt Timing.

Aber die Fundamentalanalyse ist für mich ebenfalls von großer Bedeutung. Um einige Faktoren zu benennen: Geschäftsmodell, Innovationskraft, Management, Wachstumsraten, Margen, Finanzierungsrisiken, Beteiligungsstruktur, Unternehmenskommunikation,… das sind einige der Bausteine, die sich für mich in spezifischer Gewichtung zu einem Gesamtbild eines Unternehmens und dessen Bewertung zusammenfügen.

Aber in der Welt der Börse regieren mitnichten nur Zahlen und Fakten. Kurse werden von Menschen gemacht, ergeben sich aus einem wilden Austausch von Meinungen und Emotionen (wie wir das gerade wieder an den Börsen beobachten können). An den Märkten braucht es eine gute Wahrnehmungsbereitschaft.

In meinem Trading versuche ich diesbezüglich eine Informationsverarbeitung im Sinne eines offenen Bewusstseinsstroms zu pflegen. Am Ende operieren wir an den Märkten mit Wahrscheinlichkeiten, das verlangt Demut und die Fähigkeit zur Skepsis, auch gegenüber der eigenen Meinung.

Stefan Waldhauser: Dein Intelligent Matrix Trend wikifolio hat im Corona-Crash nur 8% verloren, das ist sensationell! Wie hast Du den Corona-Crash erlebt und wie hast Du es geschafft, das wiki unbeschadet durch den Crash zu manövrieren?

Christian Jagd: Die Tatsache dass der DAX-Performanceindex Mitte Februar noch ein neues Allzeithoch bei knapp 13.800 Punkte markierte und ziemlich genau einen Monat später sein Tief bei knapp über 8.000 Punkte findet, ist schon harter Tobak. Eine Bewegung die in ihrer Geschwindigkeit und Schärfe nur ganz selten zu beobachten ist.

Die Faktoren, die zu diesem "perfekten Sturm" an den Börsen führten sind für sich genommen schon gefährlich, doch wirken sie in ihrer Kombination toxisch: Zum einen war da eine Börsenphase, in der die Kurse insbesondere in den USA in großer Sorglosigkeit von einem Hoch zum nächsten eilten.

Zum anderen taucht da ein neuartiges, schwer einschätzbares und mit pandemischen Potential ausgestattetes Virus auf. Aus den Bildern, die uns Anfang Februar aus China erreichten, war im Grunde abzusehen, dass sich hier ein großes Problem für eine globalisierte, vernetzte Weltwirtschaft anbahnt.

Das tatsächliche Ausmaß war mir zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich ebenso unbekannt wie jedem anderen. Doch mir schien die Situation unberechenbar und das Gefahrenpotential enorm. Als Reaktion habe ich in meinem wikifolio Intelligent Matrix Trend mit einem ETF auf fallende DAX-Kurse spekuliert und habe nach und nach Risikopositionen abgebaut. Zudem habe ich mein Engagement in Gold über einen ETF und in Goldminenaktien erhöht.

Stefan Waldhauser: Das rechtzeitige Aussteigen bzw. Absichern vor einem Crash ist ja nur die halbe Miete. Die wenigsten schaffen es, dann wieder zeitig nahe dem Tiefstand einzusteigen. Du warst rechtzeitig wieder dabei und das wikifolio notiert jetzt schon wieder nahe dem All-Time-High! Was waren deine Zeichen für den Wiedereinstieg?

Christian Jagd: Die ganz spezielle Gefahr bei einem Abverkauf von solchem Ausmaß ist ein zu früher Wiedereinstieg. Meine hohe Cashposition (zeitweise über 90%) während des Crashes versetzte mich in die Lage, die günstigen Kurse zum Wiedereinstieg zu nutzen. Im Grunde habe ich eine charttechnische Bodenbildung abgewartet und bin dann gezielt in Aktien gegangen, die zu Unrecht verprügelt wurden und von denen anzunehmen ist, dass sie von den durch Corona ausgelösten gesellschaftlichen und ökonomischen Effekten profitieren werden. Aktien aus den Bereichen Digitalisierung, Medizintechnik und Pharmazie und Anbieter von Produkten des täglichen Bedarfs waren für mich da erste Wahl.

Stefan Waldhauser: Glaubst Du, dass wir wirklich eine V-förmige Erholung sehen oder erwartest Du aufgrund der bevorstehenden Rezession ein nochmaliges Abtauchen des Marktes?

Christian Jagd: Ich denke aufgrund der Corona-Krise wird die Schere noch weiter auseinandergehen zwischen jenen Unternehmen, die die Themen der Zukunft konsequent angehen und solchen, die in alten Strukturen verhaftet bleiben. Die disruptiven Kräfte wirken heute durch alle Branchen. Die Gewinner der Digitalisierung haben die V-förmige Gegenbewegung ja schon weitgehend hinter sich, für die Verlierer wird sie wohl ausbleiben.

Stefan Waldhauser: Du führst Dein wikifolio als Real-Money-wikifolio, d.h. du bist selbst mit eigenem Geld investiert. Taugt das wikifolio auch für Dich privat als Investmentvehikel? Ich habe den Eindruck Du profitierst als Heavy-Trader extrem von der Tatsache, dass für die einzelnen Umschichtungen im wikifolio keine Gebühren anfallen.

Christian Jagd: Ja auf jeden Fall, ich habe sehr viel Freude auch mit meinem eigenen Investment in mein wikifolio. Das Gute ist neben der Gebührenfreiheit, dass ich häufige Umschichtungen vornehmen kann, ohne jedes Mal einen steuerrelevanten Vorgang in Gang zu setzen. Das ist wichtig für meine Strategie. Zusätzlich schätze ich das Besicherungskonzept des wikifolio-Zertifikats.

Stefan Waldhauser: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Du bist selbständig und lebst seit vielen Jahren von Deinem erfolgreichen Trading. Im Gegensatz zu vielen anderen Tradern bist Du sehr bescheiden und bietest auch keine Seminare, Software, Online-Kurse o.ä. an. Warum eigentlich nicht? Es gibt doch sicher eine Menge Trader, die gerne dafür bezahlen würden, um von Dir zu lernen.

Christian Jagd: Das ist eine gute Frage. Tatsächlich ist die Art und der Stil meines Handels sehr aufwändig. Ich lese sehr viel, beobachte, analysiere und bewerte viele Marktinformationen. Das kostet alles sehr viel Zeit. Die Umsetzung dieses Prozesses am Handelsdesk, sprich die Ordererteilung, ist je nach Marktlage und Volumen ebenfalls kein simpler Vorgang, sondern erfordert Kenntnis und Achtsamkeit.

Dieser Art des Portfoliomanagements gilt meine Leidenschaft und sie fordert mich schon sehr. Und natürlich ist meine Familie, meine Frau und mein Sohn sehr, sehr wichtig für mich. Ich bin aktuell also sehr gut ausgelastet. Aber wer weiß was die Zukunft noch bringt, ich möchte da nichts grundsätzlich ausschließen.

Noch unerfahrenen Tradern möchte ich mit auf den Weg geben, den im Internet allgegenwärtigen Versprechungen, man könne mit geringem Aufwand und simplen Kennzahlen-Konzepten an den Märkten erfolgreich sein nicht auf den Leim zu gehen. Gutes Trading erfordert seinen eigenen Weg zu finden, es braucht Erfahrung und die Leidenschaft, sich im Laufe der Jahre tiefe Kenntnisse anzueignen.

An den Märkten sind wir alle Lernende. Ich gehe schon seit über 25 Jahre in diese Lehre.

Stefan Waldhauser: Vielen Dank Christian für diese interessanten Einblicke in Deine Strategie. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

Ich finde es faszinierend, mit welche unterschiedlichen Ansätzen man an den Aktienmärkten erfolgreich sein kann. Hier kannst Du jetzt meinen High-Growth-Investing-Newsletter abonnieren, wenn Du wöchentlich meine aktuellen Beiträge in Deiner Mailbox finden möchtest.

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