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Barry Diller beerdigt die IAC Holding

  • Autorenbild: Stefan Waldhauser
    Stefan Waldhauser
  • 1. Mai
  • 4 Min. Lesezeit
Barry Diller beerdigt die IAC Holding

Vor gerade mal sieben Tagen hatte ich meine aktuelle Investmentthese bzgl. der IAC Holding hier wie folgt formuliert:



IAC Aktie: Wann hebt Barry Diller endlich die verborgenen Milliarden?

Stefan Waldhauser, 22. April 2016

Hier nachzulesen


Für mich deutet vieles darauf hin, dass IAC weiter entflechtet werden soll. Ich setze also nicht nur auf den Bestand der Assets, sondern auch auf die Wahrscheinlichkeit, dass der Chairman selbst aktiv an einer weiteren Vereinfachung arbeitet.Stefan Waldhauser - 22 Apr. 2026

Nun kam die offizielle Bestätigung dieser Investmentthese viel schneller als gedacht. Denn manchmal verrät ein scheinbar kosmetischer Schritt mehr über ein Unternehmen als ein ganzer Quartalsbericht. Genau das ist bei Barry Dillers neuem Shareholder Letter vom 28. April 2026 der Fall.



Offiziell geht es in dem Aktionärsbrief darum, dass IAC künftig unter dem Namen „People Incorporated“ firmieren wird. Praktisch ist dieses Rebranding jedoch weit mehr als nur eine Umbenennung. Es ist eine sehr offene Botschaft an den Markt, dass die alte IAC, wie viele Investoren sie über Jahrzehnte kannten, nicht mehr existiert. Das Unternehmen will sich künftig klar auf People Inc. als operatives Publishing-Geschäft und auf die Beteiligung an MGM Resorts als strategisches Investment fokussieren. Die Namensänderung soll mit den Q2-Zahlen im August 2026 wirksam werden.


In dem Brief ruft Diller die 30-jährige Unternehmensgeschichte rund um sein Lebenswerk noch einmal in Erinnerung. Aus Silver King wurde HSN, dann USA Networks und schließlich IAC. Über drei Jahrzehnte hinweg hat das Unternehmen mehr als 200 Unternehmen besessen oder aufgebaut, über 100 Minderheitsbeteiligungen gehalten und insgesamt elf börsennotierte Gesellschaften abgespalten.


Laut Diller wurden dadurch auf Basis der jeweiligen Spitzenbewertungen mehr als 144 Milliarden US-Dollar Wert geschaffen. Das klingt zwar imposant, verschweigt aber, dass etliche dieser Spin-offs nach Erreichen dieser Spitzenbewertungen an der Börse geradezu implodiert sind. Die leidgeprüften Aktionäre der jüngsten Spin-offs Match Group (2020), Vimeo (2021) und Angi (2025) wissen, wovon ich rede.


Die Rückschau von Barry Diller in seinem Aktionärsbrief ist dennoch nicht bloß Nostalgie. Sie dient vor allem dazu, die eigentliche Botschaft vorzubereiten: IAC war zwar immer opportunistisch, doch hat sich die Art dieses Opportunismus jetzt verändert.


Der entscheidende Satz in dem Brief ist für mich deshalb nicht die Umbenennung selbst, sondern Dillers Beschreibung des Strategiewechsels. Der 84-jährige Medienmogul schreibt sehr offen, dass neue Chancen selten geworden seien und man deshalb die Akquisitionsaktivitäten zurückgefahren habe, um sich stärker auf das Publishing-Geschäft zu konzentrieren, das IAC in den vergangenen 14 Jahren aufgebaut und zugekauft hat. Das ist bemerkenswert, weil es fast wie ein offizielles Ende der alten IAC-Formel klingt: weg vom breit diversifizierten Internet-Inkubator, hin zu einer fokussierteren Struktur.


Besonders interessant ist dabei, wie aggressiv Diller People Inc. positioniert. Er sieht das Unternehmen nicht als klassisches Verlagshaus, sondern als modernes Marken- und Plattformökosystem. Im Shareholder Letter verweist er auf das zehnte Quartal in Folge mit digitalem Umsatzwachstum im ersten Quartal 2026 (Digital-Umsatz war 1,2 Mrd. US-Dollar in 2025), auf eine anhaltend starke Ertragskraft und auf den Ausbau der Reichweite über Social Media, Apple News, Live-Events und eigene Technologien. Damit ist People innerhalb der neuen Struktur nicht einfach ein verbliebenes Medien-Asset, sondern soll zum operativen Kern des Konzerns aufsteigen.


Interessant ist auch Dillers Sicht auf die zweite strategische Säule, MGM Resorts. Seine Logik ist simpel, aber überzeugend. Während sich viele digitale Geschäftsmodelle durch KI, neue Suchinterfaces oder Plattformverschiebungen verändern können, gibt es bestimmte reale Vermögenswerte, die sich eben nicht so leicht durch KI disruptieren lassen. Diller schreibt, dass IAC die Beteiligung an MGM genau aus diesem Grund aufgebaut habe, da Technologie niemanden davon abhalten werde, nach Las Vegas oder in andere physische MGM-Destinationen zu reisen. Aus der ursprünglichen 12-Prozent-Beteiligung, die in der Corona-Pandemie erworben wurde, ist inzwischen ein Anteil von 26 Prozent geworden, der nach aktuellem Börsenkurs 2,6 Milliarden USD wert ist.


Damit ist die IAC der mit Abstand größte Aktionär von MGM. Zugleich bezeichnet Diller die MGM-Aktie ausdrücklich weiterhin als „wildly undervalued“.


Für IAC-Aktionäre ist allerdings eine andere Ankündigung im parallel veröffentlichten SEC-Filing (hier nachzulesen) noch wichtiger. IAC will die Verwaltung der Holding mit People zusammenführen, die Organisation dabei deutlich verschlanken und dadurch jährliche Kosteneinsparungen von rund 40 Millionen US-Dollar erzielen.

Der Umbau soll bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Gleichzeitig wird es wichtige personelle Veränderungen geben. Neil Vogel, derzeit CEO von People, soll CEO des Gesamtkonzerns werden. Tim Quinn, derzeit CFO von People, soll CFO werden. Die aktuelle operative Führung der IAC Holding, namentlich Christopher Halpin (COO und CFO) sowie Kendall Handler (Executive VP und CLO), wird das Unternehmen verlassen.


All dies unterstreicht, dass die Umbenennung der IAC nicht nur symbolischer Natur ist, sondern Teil einer echten strukturellen Veränderung. Mein Eindruck nach dem Schreiben ist deshalb klar: Barry Diller begräbt nicht nur einen alten Markennamen, sondern auch ein langes Kapitel seines Lebenswerks. Das frühere Bild der opportunistischen Internet-Holding mit unzähligen Beteiligungen weicht einer fokussierteren Konstruktion rund um People Inc. und MGM.


Fazit zu IAC

Für Investoren ist das aus meiner Sicht eine sehr gute Nachricht. Denn weniger Komplexität, niedrigere Holdingkosten und eine klarere strategische Ausrichtung erhöhen die Chance, dass der Markt die Assets endlich fair bewertet.


Nach dieser Nachricht gehe ich fest davon aus, dass die verbleibenden nicht strategischen Beteiligungen der IAC, die nicht zu People Inc. passen – im Wesentlichen sind das nur noch Turo und Vivian Health –, kurz- bis mittelfristig verkauft werden und die freiwerdenden Mittel zur Senkung der Schuldenlast bzw. für weitere Aktienrückkäufe genutzt werden. „The Daily Beast“ passt übrigens ohnehin gut in das People-Portfolio.


Danach wäre es nur noch ein kleiner Schritt mit großer Wirkung bis zur endgültigen Abwicklung der alten IAC und der Ausschüttung der stillen Reserven. Denn was dann noch fehlt, ist lediglich die Ausschüttung der MGM-Aktien in einem letzten Spin-off an die Aktionäre. Spätestens dann würde offenbar werden, dass People Inc. derzeit statt mit einer Milliardensumme mit nahezu Null bewertet wird, wie hier in meinem letzten Beitrag erläutert.


IAC Aktie: Wann hebt Barry Diller endlich die verborgenen Milliarden?

Stefan Waldhauser, 22. April 2016

Hier nachzulesen


Rebrandings sind oft bedeutungslos. Dieses hier wirkt eher wie eine stille Kapitulation vor der alten Struktur und gleichzeitig wie der Startschuss für eine deutlich klarere Investmentstory rund um People Inc.


Ich bin gespannt, wann die Börse das erkennt und dies in einem steigenden Börsenkurs der IAC/People Aktie ausdrückt.


Für mehr Analysen zu Tech, KI und Aktien kannst du gerne auf meinem zweisprachigen Substack vorbeischauen. Wenn Du keine neuen Beiträge verpassen möchtest, kannst Du dich gerne hier für den kostenlosen Newsletter anmelden.



*Disclaimer: Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von IAC. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.




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