• Stefan Waldhauser

Intel versus TSMC - Die Wachablösung in der Chip-Industrie



Bis vor einigen Jahren konnte man auf die Frage nach dem weltweit führenden Chip-Hersteller bedenkenlos mit dem Namen Intel antworten. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley dominierte den Weltmarkt für Prozessoren und Logik-Chips seit den Zeiten des legendären CEO Andy Grove, der das Unternehmen in den späten 80er und 90er Jahren leitete und die Basis für eine jahrzehntelange Vorherrschaft bei PC-Mikroprozessoren legte. Zeitweise kamen über 85% aller PC-CPUs von Intel. Vor Jahren ist in diesem Intel-Kernmarkt ein Duopol entstanden und Intel teilt sich den Markt für PC-Prozessoren mit AMD auf.


Apple verabschiedet sich von Intel


Schon seit 2006 sind auch die Macs von Apple mit Intel-Prozessoren ausgestattet. Daher war es eine bedeutsame Mitteilung, als Apple vor einigen Monaten bekannt gab, dass man sich vom langjährigen Prozessor-Lieferanten Intel verabschieden wird. Über die Gründe gibt es keine offizielle Verlautbarung, aber zumindest interessante Spekulationen. Fakt ist: Apple verlässt Intel. In den kommenden Jahren sollen nach und nach alle Mac-Baureihen nicht mehr mit Intel x86-Chips, sondern mit Apple-eigenen ARM-Prozessoren arbeiten.

Nachdem Intel sich jahrzehntelang immer wieder gegen seine Konkurrenten durchsetzen konnte, sieht sich Intel seit einigen Jahren neuen und sehr erfolgreichen Wettbewerbern gegenüber. Anders als in den früheren Jahren der Chip-Fertigung, handelt es sich dabei nicht um voll integrierte Unternehmen, welche wie Intel die gesamte Wertschöpfungskette abbilden (IDM = Integrated Device Manufacturer).  Sondern es sind jeweils in ihrem Bereich hoch spezialisierte Firmen, die Intel das Leben schwer machen. 


Unternehmen wie ARM kümmern sich dabei um die grundlegende Architekturentwicklung der Chips. In einer zweiten Stufe erstellen sogenannte „Fabless" Manufacturer, wie Qualcomm, Apple oder NVIDIA daraus dann fertige Prozessoren-Designs. Produziert werden diese Chips dann von Auftragsfertigern (Foundries) wie TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Co), die ich auf dem Blog von The Digital Leaders Fund in 2018 noch als heimliche Macht in der Chip-Industrie vorgestellt hatte. In der Zwischenzeit dominiert TSMC den Markt der Foundries mit einem Marktanteil von über 50%.

Intel ist es in den vergangenen 10 Jahren trotz enormer Anstrengungen nicht gelungen, seine monopolartige Stellung bei PC-Prozessoren auf andere Marktbereiche wie Smartphones, Tablets, Smart-TVs oder andere modernen Devices auszudehnen. Bedingt durch die zurückgehende Bedeutung der PC-Prozessoren, geht logischerweise auch Intels Bedeutung auf dem Prozessoren-Markt zurück.

TSMC ist Technologieführer


Was die Produktion von immer leistungsfähigeren Chips mit immer kleineren Strukturen angeht, hat TSMC technologisch seit spätestens 2018 die Nase vorn. 


Oder haben die Taiwanesen Intel bereits endgültig abgehängt? 

Fast scheint es so: erst musste Intel den Produktionsstart seiner auf 10nm basierenden Technologie auf 2019 verschieben. Und vor wenigen Wochen musst Intel einräumen, dass es auch bei der Entwicklung der 7nm-Technologie weiterhin erhebliche Verzögerungen bis 2022/2023 gibt.


Daraufhin wird nun bei Intel umorganisiert. Der Chief Engineering Officer muss das Unternehmen verlassen. 

Intel wechselt nun offenbar seine Strategie und wird seine eigenen Chips zukünftig zumindest teilweise bei einem Auftragsfertiger herstellen lassen. Medien in Taiwan haben bereits über eine angebliche Einigung mit TSMC berichtet. Danach soll TSMC bereits in 2021 mit der Massenproduktion von Intel Prozessoren auf der 7nm Technologie beginnen.

Das sieht schon fast nach einem Offenbarungseid aus und ist in etwa so, als wenn VW seine Ambitionen für eine eigene neue Software-Plattform aufgeben und das Betriebssystem für künftige E-Autos bei Tesla einkaufen würde. Klingt noch unvorstellbar, aber wer weiss, welche disruptiven Veränderungen in der Auto-Industrie noch bevorstehen.


In der Chip-Industrie ist man da schon einen Schritt weiter.


Die Wachablösung am Aktienmarkt


Während Intel mit technologischen und organisatorischen Schwierigkeiten kämpft, boomt das Geschäft von TSMC, bei denen die aktuelle 7-nm Technologie im Q2 schon für 36 Prozent der Gesamtumsätze gut war. Auf dem Blog von The Digital Leaders Fund habe ich die Ergebnisse von TSMC zum 2. Quartal 2020 kommentiert. 

Was da aktuell stattfindet, das ist nicht weniger als eine Wachablösung in der Chip-Industrie: TSMC wurde noch vor wenigen Jahren als verlängerte Werkbank der amerikanischen Fabless Manufacturer in Asien belächelt. Nun ist das taiwanesische Unternehmen der weltweite Technologieführer in einer Schlüsselindustrie.

Das zeigt sich nun auch am Aktienmarkt. Bis vor wenigen Monaten war Intel stets wertvoller als TSMC. Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat nun zu dramatischen Veränderungen geführt.


Während der Enterprise Value von Intel auf $217 Mrd. gesunken ist, wird TSMC nach dem Kurssprung auf über 80$ nun mit $416 Mrd. bewertet.


Ist das gerechtfertigt? 

Während die TSMC Aktie bei einem Kurs von 80$ mit einem KGV von über 25 gehandelt wird, ist die Intel-Aktie bei 48$ für ca. das 10-fache des von den Analysten für 2020 erwarteten Gewinns zu haben. 

Einige Marktbeobachter meinen, dass in diesem Kurs das Worst-Case-Szenario für Intel bereits abgebildet ist. Ich bin mir da nicht so sicher und beobachte die spannende Entwicklung bei Intel lieber weiterhin von der Seitenlinie aus.


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