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  • Stefan Waldhauser

PayPal Aktienanalyse: Wenn der schlafende Riese erwacht



Mittlerweile ist es fast 9 Jahre her, seit eBay Anteilseigner im Rahmen eines damals viel beachteten Spin-Offs  PayPal Aktien in ihre Depots eingebucht bekamen. Diejenigen Aktionäre, die seit der eBay Abspaltung dabei blieben, haben einen wilden Ritt hinter sich.


Von 2015 bis Mitte 2021 stieg der Wert der PayPal Aktien von 35$ auf über 300$ an. Seitdem ist die auch bei Kleinanlegern beliebte PayPal Aktie um über 80% abgestürzt und heute für gut 60$ zu haben.


PayPal Aktienkursentwicklung

Von 2018 bis 2019 war ich schonmal recht erfolgreich in PayPal investiert, auch wenn ich damals viel zu früh aufgrund der hohen Bewertung ausgestiegen war.


Warum ich ausgerechnet jetzt wieder in den Fallen Angel PayPal Aktie investiere?


Hier meine Gedanken zum PayPal Investment Case: 


Die Historie von PayPal

PayPal, eines der bekanntesten Online-Zahlungssysteme, hat eine faszinierende Entwicklungsgeschichte, die vor gut 25 Jahren mit der Gründung von Confinity u.a. durch Peter Thiel  im Dezember 1998 begann. Im März 2000 fusionierte Confinity mit X.com, einem Online-Banking-Unternehmen, das von Elon Musk gegründet wurde.


Nach der Fusion konzentrierte sich das Unternehmen ausschließlich auf den Geldtransfer Dienst PayPal, der schnell zum bevorzugten Zahlungsmittel auf der Auktionsplattform eBay avancierte.


Im Februar 2002 ging PayPal erstmals an die Börse, wurde jedoch schon im Oktober desselben Jahres für 1,5 Milliarden US-Dollar von eBay übernommen. Diese Akquisition half PayPal damals, seine Position als führendes Online-Zahlungssystem zu festigen, insbesondere weil es eng mit der eBay-Plattform integriert wurde.


Trotz des anfänglichen Erfolgs der Integration entschieden sich eBay und PayPal 13 Jahre später für eine Trennung. PayPal wurde 2015 in einem Spin-off zu einem eigenständigen, an der Nasdaq börsennotierten Unternehmen. Erst dieser Schritt ermöglichte es PayPal, seine Geschäftsstrategie zu diversifizieren und Partnerschaften über eBay hinaus zu erweitern.


Der Neuanfang

In den vergangenen Jahren war ich nicht unbedingt ein Fan von PayPal. Ich selbst bin kein guter Kunde, denn obwohl ich seit Jahren einen PayPal Account besitze, nutze ich ihn nur unregelmäßig. Und seit meinem Exit vor 5 Jahren war ich nicht mehr ernsthaft an der PayPal Aktie interessiert.  

 

Was mir an PayPal in all den Jahren nicht gefallen hat, war die Fokussierung des langjährigen CEOs Dan Schulman auf immer neue Akquisitionen, die das Produktangebot und die Umsatz- und Profitquellen für mich unüberschaubar machten. Schulmans Strategie lautete: "Wachstum um jeden Preis". Mit seiner Vision einer PayPal “Super-App” ist Schulman jedenfalls in den vergangenen Jahren krachend gescheitert. 


Nach dem kompletten Rückzug von Schulman zum 31.12.2023 ist der Weg nun frei für eine Neuausrichtung des Unternehmens durch den neuen CEO Alex Chriss. Der war bei Intuit seit Jahren sehr erfolgreich in der Bereitstellung von Technologien für kleine Unternehmen tätig und ist bekannt für seine langfristige Denkweise. Was schon bemerkenswert ist in der heutigen von Quartalsergebnissen geprägten Finanzwelt. 


Seit seinem Amtsantritt vor gerade mal 4 Monaten hat Alex Chriss schon einiges bewegt: Annähernd die komplette Führungsmannschaft wurde ausgewechselt. Er hat klargemacht, dass er den Fokus des Unternehmens schärfen, in Produktinnovationen investieren und sich von unwichtigen zugekauften Randbereichen trennen will. Ich bin gespannt.


PayPal als zweiseitige Plattform

Viele von Euch kennen PayPal seit langer Zeit aus eigener Erfahrung als Online-Zahlungsdienst für Konsumenten. Der steht im harten Wettbewerb gegen Apple und Google mit ihren eigenen Payment-Services. Dazu kommen weitere innovative Herausforderer wie die Cash App von Block (Square) und natürlich die zahllosen Zahlungsdienste der Banken und Finanzdienstleister. 


Die PayPal Aktie ist bei vielen Investoren in Ungnade gefallen, da kritisch hinterfragt wird, ob PayPal zukünftig nicht immer weiter an Boden verlieren wird gegen die scheinbar übermächtigen Big Tech Alternativen.


Zumindest im deutschsprachigen Raum mache ich mir derzeit um die Wettbewerbsfähigkeit von PayPal auf der Konsumentenseite keine Sorgen. Der Grund sind eigene Erfahrungen: Bei der Entwicklung der aktien.guide Plattform haben wir bis 2023 auf eine Anbindung von PayPal verzichtet. Das war ein Fehler, die PayPal Zahlungsoption wurde von den Endkunden massiv als Alternative zu Debit- oder Kreditkarten gefordert. Seitdem PayPal hinzugefügt wurde, wird diese Option erstaunlich häufig gewählt: Mehr als 25% aller Zahlungen gehen bei diesem reinen Online-Business via PayPal ein - mit steigender Tendenz.


Das Konsumenten Business mit dem sogenannten “PayPal Branded Checkout”  ist jedoch nur die eine Seite der PayPal Plattform. Ebenso wichtig für PayPal ist das Geschäft mit den ca. 35 Mio. Händlern, die nicht nur PayPal- sondern auch Kartenzahlungen mit Hilfe der zu PayPal gehörenden Braintree Software entgegennehmen. Braintree ist PayPal’s Angebot für Unternehmen, das im Wettbewerb gegen Stripe, Adyen, Square (Block) u.a. steht. 


Aufgrund des Konkurrenzkampfes sinken bei den Payment-Providern tendenziell die sogenannten Take-Rates. So bezeichnet man den Anteil am Gesamtzahlungsvolumen, der von den Zahlungsdienstleistern vereinnahmt wird. Konkret ist die Take Rate bei PayPal in den vergangenen 3 Jahren von 2,2% auf 2,0% gesunken. Mehr als ausgeglichen wird dieser Gegenwind vom insgesamt steigenden Online-Zahlungsvolumen, das auch bei PayPal noch immer deutlich zweistellig (13% im FY23) wächst. 


Die PayPal Financials

PayPal ist ein seit mehr als 25 Jahren gewachsenes Unternehmen mit annähernd $30 Mrd. Umsatz und über 400 Mio. aktiver Konten. Auch wenn man sich trotz europäischer Banklizenz nicht als Bank, sondern als FinTech sieht: Es handelt sich bei PayPal längst nicht mehr um ein dynamisch wachsendes StartUp, sondern um einen Riesen, der in den vergangenen Jahren m.E. nicht gut gemanagt wurde. 


Schon alleine aufgrund der erreichten schieren Größe dürfen wir als Anleger von PayPal nicht mehr unbedingt zweistelliges Umsatzwachstum erwarten, auch wenn der globale Online-Zahlungsverkehr noch auf Jahre hinaus ein Wachstumsmarkt bleiben wird. 


So stieg der PayPal Umsatz in den vergangenen beiden Jahren um jeweils +8%. Und auch 2024 wird wohl kein zweistelliger Zuwachs zu erreichen sein, Analysten rechnen mit +7%.


Was ich hingegen sehr wohl von PayPal zumindest mittelfristig erwarte, ist ein deutlich zweistelliges Wachstum bei Gewinn und Cashflow. Denn dort gibt es wohl einiges an Optimierungspotential. Der operative Gewinn betrug 2023 (Non-GAAP) $6,7 Mrd., das entspricht einer Marge von gut 22%. Die Margen des schlanken Wettbewerbers Adyen z.B. liegen doppelt so hoch.


PayPal generierte 2023 einen um 17% rückläufigen Free Cashflow von $4,2 Mrd. Den Schulden von $11,3 Mrd. stand in der Bilanz per Ende 2023 ein Cashbestand von $17,3 Mrd. gegenüber. 


Damit verfügt PayPal über eine starke Bilanz, die es ermöglicht, aggressiv eigene Aktien zurückzukaufen.


PayPal Aktienrückkäufe

Die Anzahl ausstehender PayPal Aktien wurde 2023 um 4% reduziert. Und auch im laufenden Jahr plant das Management, mindestens $5 Mrd. für Rückkäufe auszugeben, nachdem 2023 dafür bereits $5 Mrd. aufgewendet wurden. 


Die zügig sinkende Anzahl ausstehender Aktien bietet damit einen deutlichen Rückenwind für den Gewinn und Cashflow pro Aktie.  


Das neue Management

Meine Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt erstmals in PayPal zu investieren, hat vor allem mit dem neuen Management zu tun. Die ersten Maßnahmen von CEO Alex Chriss sind vielversprechend und schaffen Vertrauen.


Auch wenn er die Erwartungen im Vorfeld einer Investorenveranstaltung im Januar etwas zu hoch geschraubt hatte (“We will shock the world”) und mit den nun angekündigten Innovationen hinter diesen überhöhten Erwartungen zurückblieb. 



Sicherlich sind die mit diesem Video angekündigten Neuerungen keine Revolution des e-Commerce. Aber das braucht es m.E. auch gar nicht, um in den kommenden Jahren erheblichen Mehrwert für die PayPal Aktionäre zu schaffen.


Für mich ganz wichtig: Ich erkenne in den veröffentlichten PayPal Zahlen nun mehr Transparenz als in früheren Jahren. So gibt es ein neues Disclosure der monatlich aktiven Accounts (MAAs). Diese Zahl erscheint mir aussagekräftiger als die bisher angegebenen Aktiven Accounts (426 Mio.), die all jene User umfasst, die in den vergangenen 12 Monaten an einer  Transaktion beteiligt waren. 


Das wohl größte Problem des Unternehmens sind die angeblich schwindenden Benutzerzahlen. Über 400 Mio. aktive User sorgen für großartige Netzwerkeffekte. Meiner Meinung nach geht es für PayPal zukünftig nicht mehr unbedingt um eine Vergrößerung der Nutzerbasis, sondern eher darum, das große Potential dieses Kundenstamms besser zu heben, sprich das Engagement der Benutzer auf der Plattform zu erhöhen. 


Am  Finanzmarkt ist die PayPal Aktie auch deswegen unter Druck, weil die Anzahl der aktiven Accounts seit 12 Monaten (um insgesamt 2%) rückläufig ist. Ich kann da dennoch keine dramatische Erosion der Benutzerbasis erkennen.  


PayPal Benutzerzahlen

Zumal die Anzahl der MAAs in dieser Zeit sogar geringfügig um 1% auf 224 Mio. angestiegen ist. Die Anzahl der Transaktionen pro Account und Jahr (TPA) erhöhte sich im vergangenen Jahr sogar um 14%. Ich interpretiere das so: PayPal hat im vergangenen Jahr weitgehend inaktive Accounts aus dieser Statistik verloren, während die aktiven Benutzer die Plattform noch intensiver nutzten.


Die Bewertung der PayPal Aktie

Bei einem Aktienkurs von 62$ wird PayPal mit einem Enterprise Value von $64 Mrd. bewertet. Das ist gut das doppelte vom Umsatz. Das KGV auf der Basis von 2023 liegt bei 16. 

Bewertung der PayPal Aktie

Die PayPal Aktie war gemessen an diesen Bewertungskennzahlen damit noch nie so günstig zu haben wie heute.  


Analysten zeigten sich enttäuscht, dass die PayPal Guidance für das laufende Geschäftsjahr 2024 keine Steigerung beim Gewinn pro Aktie vorsieht. Der ist bei 3,60$ (GAAP) und damit etwas unter dem Vorjahresergebnis geplant. 


Das Non-GAAP Ergebnis pro Aktie soll das Vorjahresniveau von 5,10$ erreichen. Allerdings rechnet das neue Management in die kommunizierten Non-GAAP Zahlen ab sofort die SBC (Shared-Based-Compensation - hier einfach erklärt) mit ein. Auch diese Veränderung ist aktionärsfreundlich, schafft mehr Transparenz und Vertrauen. 


Die initiale Guidance für den Free Cashflow 2024 hat mit $5 Mrd. die Erwartungen vieler Analysten enttäuscht. Ich sehe das etwas positiver: Bei PayPal wird unter dem neuen CEO nun wieder mehr investiert, auch wenn Profitabilität und Cashflow kurzfristig darunter leiden. Finde ich als längerfristig orientierter Aktionär gut.


Selbst mit der gesenkten Cashflow-Erwartung errechnet sich für 2024 ein EV/FCF Multiple von 13. Das erachte ich als günstig. Zumal ich davon ausgehe, dass PayPal über erhebliches Potential verfügt, um in den kommenden Jahren die Profitabilität und den Cashflow zu steigern. 


Fazit

Die PayPal Aktie gehörte lange Zeit zu den Favoriten vieler Kleinanleger. Jetzt leidet sie unter Bedenken vieler Investoren, die PayPal Plattform könne im Zeitalter von Apple Pay und generativer KI an Bedeutung verlieren.


Ich denke diese Ängste sind übertrieben. Die massive PayPal Userbasis mit über 200 Mio. regelmäßig aktiven Kunden bietet m.E. eine gute Basis für das neue Management, um in den kommenden Jahren wesentlichen Mehrwert für die leidgeprüften Aktionäre zu schaffen.


Ich habe in den vergangenen Tagen eine Einstiegsposition der PayPal Aktie für das High-Tech Stock Picking wikifolio erworben. Mein Plan ist es, in den kommenden Quartalen die weitere Entwicklung rund um PayPal genau zu beobachten und diese Position weiter auszubauen, sobald sich abzeichnet, dass das neue Management-Team erfolgreich ist.


Wenn Du PayPal zukünftig gemeinsam mit mir weiter beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier meinen kostenlosen Newsletter abonnieren.


Disclaimer: Der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von PayPal. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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