Warum KI die Enterprise-Software nicht frisst
- Stefan Waldhauser

- vor 2 Stunden
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Vor fünfzehn Jahren veröffentlichte Marc Andreessen seinen berühmten Essay „Why Software is Eating the World” im Wall Street Journal. Darin beschrieb er einen umfassenden technologischen Wandel, in dessen Verlauf Software ganze Wertschöpfungsketten in traditionellen Branchen übernahm – von den Medien (Netflix) über den Einzelhandel (Amazon) bis hin zu Automobilen (Tesla) und Finanzdienstleistungen. Haupttreiber waren eine massive Reichweitensteigerung durch Breitband und Smartphones sowie ein dramatischer Rückgang der Startkosten dank Cloud und modernen Softwaretools. Diese ermöglichten es neuen Softwareunternehmen, etablierte Branchen schneller anzugreifen.
Heute glauben viele KI-Enthusiasten, dass „KI die Softwareindustrie verschlingt”. Betrachtet man den 50-705 Crash der meisten Enterprise SaaS-Aktien, könnte man meinen, dass nichts weniger als eine Implosion dieser Unternehmen bevorsteht.
Wir sprechen hier nicht nur von den bemerkenswerten Einbußen alternder Softwarekonglomerate wie Salesforce oder Adobe, die seit Jahren hauptsächlich durch Übernahmen gewachsen sind und nur noch langsam organisch wachsen.
Nein, wir sprechen insbesondere auch über ihre Angreifer. Ich denke dabei an jüngere Softwareunternehmen, die organisch viel schneller wachsen und extrem hohe Bruttomargen (über 80 %) erzielen. Diese Unternehmen haben in den letzten 12 Monaten ebenfalls über 50 % ihres Wertes verloren. Beispiele hierfür sind Atlassian, HubSpot, GitLab (alle von meiner Watchlist) und Monday (aus meinem eigenen Portfolio).

All diese B2B Software Unternehmen haben gemeinsam, dass sie gemessen am Umsatz- oder Cashflow-Multiple noch nie so günstig zu haben waren wie heute.

In den ersten Wochen des neuen Jahres war eine regelrechte Flucht der Investoren aus diesen Softwarewerten zu beobachten.
Viele Tech-Beobachter sind der Meinung, dass KI-Agenten in nicht allzu ferner Zukunft einen erheblichen Teil der Arbeit in Unternehmen übernehmen werden. Wie würde dann die Zukunft der Unternehmenssoftware aussehen?
Werden die Untenehmen KI-basierte Vibe-Coding-Tools einsetzen, um ihre eigene personalisierte Unternehmenssoftware zu programmieren, anstatt teure Abonnements bei den etablierten SaaS-Anbietern zu kaufen?
Mit jedem neuen Release und der Verbesserung der Vibe-Coding-Fähigkeiten neuer KI-Tools wie Claude Code oder Lovable sind die sozialen Medien voll von selbsternannten KI-Experten, die der Meinung sind, Enterprise-Software sei tot, da zukünftig jedes Unternehmen mit wenig Aufwand sein eigenes ERP- oder CRM-System erstellen könne.
Anscheinend glaubt der Finanzmarkt, dass die Zeit des aufgrund der wiederkehrenden Einnahmen gut prognostizierbaren Wachstums der Enterprise-Software-Provider zu Ende geht. Anders ist die erschreckende Entwicklung der entsprechenden SaaS-Aktien an der Börse nicht zu erklären.
Ich bin seit 25 Jahren als Softwareunternehmer tätig und denke, es ist an der Zeit, diese Investorenpanik etwas einzuordnen. Wenn du den gesamten Artikel mit meiner Einschätzung lesen möchtest, schau gerne auf meinem Substack vorbei. Dort werden alle Beiträge ab sofort vollständig in Deutsch und Englisch veröffentlicht, teilweise hinter einer Paywall.
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