• Stefan Waldhauser

Shopify als Angriffsziel der Shortseller


Vor einigen Wochen hatte ich Euch hier im Blog die Investment-Story rund um Shopify vorgestellt. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Unternehmen das Potential dazu hat, die Digitale Transformation im Handel entscheidend mitzugestalten in den nächsten 10-20 Jahren. Diejenigen von Euch, die wie ich Shopify-Aktien im Depot haben, sind nun wahrscheinlich etwas erschrocken aufgrund der zweistelligen Kursverluste, die die Aktie seit gestern erlitten hat. Mit diesem Beitrag möchte ich Euch die Hintergründe dieses Kursrutsches erklären.

Der Angriff

Der Grund für die Kursverluste bei Shopify ist ein Video von „Citron Research“ . Der verantwortliche Andrew Left ist ein relativ bekannter Shortseller in USA. D.h. er verdient sein Geld damit, Aktien zu verkaufen, die er nicht besitzt. Dann veröffentlicht er negative Berichte über diese Unternehmen mit dem Ziel, den Aktienkurs zu drücken, damit er die leerverkauften Aktien billiger zurückkaufen kann. Leider ist ihm das in diesem Falle wieder einmal bravourös gelungen.

Für mich sind derartige Shortseller grundsätzlich ein Ärgernis, denn diese Leute sind i.d.R. auf das schnelle Geld aus und gehören für mich definitiv zur Kehrseite des Finanzmarktes. Dennoch nehme ich jegliche Anschuldigungen natürlich zunächst mal ernst und prüfe, ob diese fundiert sind. Denn von Zeit zu Zeit decken solche Shortseller tatsächlich unsaubere Machenschaften in einem Unternehmen auf und führen dann zurecht zu einer kompletten Neubewertung einer Aktie.

Der Vorwurf

In diesem Fall allerdings finde ich es beschämend was Andrew Left da treibt. Er bezeichnet Shopify als ein komplett illegales Schneeballsystem („completely illegal get-rich-quick scheme“) und zielt damit ab auf die hunderttausenden von Existenzgründern, die mittels der Shopify-Plattform ihr Glück im e-Commerce suchen.

Andrew Left wirft Shopify vor, den Menschen vorzugaukeln man könne mit Shopify schnell zum Millionär werden und begründet das mit den vielen Suchergebnissen die Google ausspuckt zu den Begriffen "Shopify+Millionaire". Und tatsächlich ist das Netz voll mit Erfolgsstories aka „vom Tellerwäscher zum Millionär“ mit Shopify. Diese sind teilweise sogar amüsant anzuschauen, hier ein nettes Beispiel (ab 4:30min wird's interessant ;-)

Shopify spricht mit seinem Marketing tatsächlich auch die kleinen Leute von der Straße an, die mit nur 29$ pro Monat dank Shopify ein Online-Business beginnen können. Und Shopify stellt eine Plattform bereit, die es erstmals in der Geschichte auch Menschen ohne IT-Kenntnisse und ohne Startkapital ermöglicht, in den Online-Handel einzusteigen.

Ich kann daran beim besten Willen nichts Illegales erkennen auch wenn man über Marketingmethoden natürlich immer diskutieren kann. Tatsächlich ist meist nicht transparent welche Erfolgsstories im Netz nun von Shopify bezahlt sind (das nennt sich dann Affiliate Marketing) und welche nicht. Was man Shopify also vorwerfen kann ist etwas, das man früher als Schleichwerbung bezeichnet hätte…und in vielen Branchen durchaus verbreitet ist.

Meine Einschätzung

Für mich haben die Anschuldigungen von Andrew Left keinerlei Substanz. Die Shopify-Plattform funktioniert, daran äußert übrigens auch der Shortseller keine Zweifel. Allein im letzten Quartal ist der Handelsumsatz über die Shopify-Plattform um über $1Mrd gestiegen. Die 500.000 Händler auf Shopify machen einen durchschnittlichen Umsatz von ca. 12.000$. Es ist ganz natürlich, dass viele der modernen Glücksritter auf Shopify mit ihrem Store scheitern werden, andere werden einen Millionenumsatz erzielen und einige wenige von ihnen werden tatsächlich selbst zum Millionär mit ihrem Handelsgeschäft auf Shopify.

„Dropshipping“ ist ein valides Geschäftsmodell

Auch an der von Andrew Left angeprangerten Praxis des „Dropshipping“ kann ich nichts Anstössiges oder gar Illegales erkennen. Es geht dabei um das sogenannte Streckengeschäft im Handel. Kennzeichnend ist hierbei laut Wikipedia, dass ein Händler Ware von Lieferanten erwirbt und sie an Kunden weiterverkauft, ohne physischen Kontakt mit der Ware zu haben. Die Lieferung der Ware erfolgt direkt von seinem Lieferanten (z.B. Hersteller oder Großhändler in Fernost) an seinen Kunden.

Dieses Geschäftsmodell ist natürlich perfekt geeignet für den Existenzgründer im Handel, der damit ganz ohne Lagerhaltung und Vorfinanzierung der Waren auskommen kann. Für das Dropshipping mit Shopify ist die App von Oberlo eine wichtige Ergänzung zu Shopify. Denn der Partner Oberlo erlaubt es dem kleinen Händler, sehr bequem auf der zum Alibaba-Konzern gehörenden Aliexpress - Website in Fernost billige Waren einzukaufen und auf dem eigenen Shopify-Store zu vermarkten.

Disruption durch Shopify

Ich hoffe Du bekommst nun mehr und mehr auch eine Vorstellung davon, wie sehr sich die Spielregeln im Handel derzeit verändern - nicht nur aber auch aufgrund der Möglichkeiten der Shopify-Plattform. Diese wird mittlerweile ergänzt durch ein ganzes Ökosystem von wertvollen Partner-Apps wie Oberlo, welche exklusiv für Shopify entwickelt werden. Das ist ein sehr gutes Anzeichen dafür, dass sich da gerade eine echte Disruption der Branche abspielt - angeführt durch Shopify.

Die Konsolidierung war überfällig

Allerdings gebe ich dem „Citron Research“ in einem einzigen Punkt Recht: Die Shopify-Aktie war in den letzten 12 Monaten zu schnell gestiegen und daher überfällig für eine Konsolidierung. Genau deswegen hat man sich wohl auch ausgerechnet Shopify ausgewählt für diese Short-Attacke, denn die Vorwürfe sind m.E. weitestgehend haltlos. Aber über $10 Mrd. Marktkapitalisierung ist trotz des rasanten Wachstums wirklich zu viel für ein Unternehmen, das in 2017 wohl gerade mal ca. $650M Umsatz machen wird. In meinem High-Tech Stock Picking wikifolio habe ich daher ja auch bereits vor einigen Wochen meine Übergewichtung in Shopify abgebaut und Gewinne mitgenommen.

Dennoch würde ich den Shopify-Aktionären unter Euch davon abraten, jetzt komplett auszusteigen. Shopify hat tatsächlich eine Möglichkeit, als unabhängiges Unternehmen in ganz andere Dimensionen zu wachsen in den nächsten 10-20 Jahren. Ich sehe hier die echte Chance auf einen Ten-Bagger (das ist eine Aktie, die sich im Wert verzehnfacht). Ob es letztendlich soweit kommt, kann niemand voraussagen. Aber derzeit deutet alles daraufhin, dass der visionäre deutsche CEO Tobias Lüttke sehr langfristig denkt und fast alles richtig macht. Ich würde mir allerdings wünschen, dass er in den kommenden Quartalen bei allem Wachstum auch daran denkt, dem Finanzmarkt zu zeigen, dass Shopify einen nachhaltig positiven Cashflow generieren kann. Denn dann ist die Aktie zukünftig auch wesentlich weniger attraktiv für Short-Seller.

Die Korrektur als Einstiegschance?

Meine Einschätzung ist, dass der aktuelle Rückschlag der Shopify-Aktie sich in einigen Jahren als Kaufgelegenheit darstellt. Allerdings kann niemand vorhersagen, ob es tatsächlich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten nochmals deutlich runtergehen wird mit dem Shopify-Kurs. Eine solche Short-Attacke läuft oftmals in verschiedenen Phasen ab und könnte uns noch länger beschäftigen. Eine Konsolidierung der Aktie von bis zu 30% seit den Höchstständen (d.h. Kurse um 80$) halte ich jedenfalls für gut möglich und sogar gesund für die langfristige Entwicklung.

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