• Stefan Waldhauser

Warum ich meine Meta / Facebook Aktien verkauft habe



Vor fast 5 Jahren habe ich in einem der ersten Artikel für diesen Blog (hier nachzulesen) begründet, warum ich die Facebook Aktie damals in das High-Tech Stock Picking wikifolio aufgenommen hatte. Seitdem habe ich in etlichen Beiträgen die Geschehnisse rund um den Facebook Konzern kommentiert und mein Investment durch diverse Skandale hindurch nicht nur gehalten sondern stets verteidigt.


Mein Argument waren immer die erstklassigen Zahlen, die das Unternehmen auch in bewegten Zeiten abgeliefert hat. Und ich habe keinen Zweifel daran, das Meta (so heisst der Facebook Konzern ja heute nach der Umfirmierung) auch 2022 erstklassige Zahlen vorlegen und die Erwartungen der Analysten übertreffen wird.


Zudem ist die Meta Aktie vergleichsweise günstig zu haben, das EV/Sales-Verhältnis (TTM) beträgt weniger als 8, das KGV (TTM) liegt bei 24 und liegt damit deutlich niedriger als bei allen anderen Big Tech Unternehmen.


Dennoch habe ich in dieser Woche die Reißleine gezogen und meine Meta Aktien komplett verkauft. Trösten kann ich mich mit knapp 90% Rendite seit 2017. Das ist nett, aber damit hat die Aktie nicht annähernd so gut performt wie andere Big Tech Titel.



Hier meine Gründe für den Exit aus der Meta / Facebook Aktie zum jetzigen Zeitpunkt:


Ich bin nicht überzeugt vom Metaverse


Es ist aller Ehren wert, dass Mark Zuckerberg versucht, seine Company durch den Push ins Metaverse neu zu erfinden. Und wahrscheinlich ist die Umbenennung des Konzerns sogar ein guter Schachzug, um das Facebook umgebende negative Image ein stück weit ablegen zu können.


Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass der Großteil der Menschen zukünftig wirklich regelmäßig viel Zeit beim Socializing mit seinem Avatar in einer VR/AR Welt verbringen möchte so wie sich Zuck das hier vorstellt.


Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Oculus Quest VR Headset von Meta angeblich bereits 10 Mio. mal verkauft wurde. Aber ich habe auch von Usern gehört, die nach der Nutzung der aktuellen Metaverse Hardware über Kopfschmerzen klagten und es nach dem Ausprobieren enttäuscht in die Ecke gelegt haben.


Ich selbst brauche sicherlich auch zukünftig keine VR-Brille, haptische Handschuhe oder gar einen VR-Ganzkörperanzug wie aus dem empfehlenswerten ”Ready Player One Film” von Steven Spielberg, um mit meinen Teams effizient virtuell zusammenarbeiten zu können oder online Freunde zu treffen.


Der aktuelle Run um bzw. in das Metaverse ist ein Hype - und ich investiere nicht gerne in Hype-Themen. Denn nach jedem Hype kommt bekanntlich die Ernüchterungsphase.


Die Regulatoren lähmen die Weiterentwicklung des Meta Konzerns


Der Meta Konzern wird derzeit beherrscht von ganz anderen Herausforderungen, von denen auch der Hype ums Metaverse nicht ablenken kann. Wohl kaum ein anderes Unternehmen auf diesem Planeten wird derart argwöhnisch und ablehnend von Regulatoren und Kartellbehörden beobachtet wie das Zuckerberg-Imperium, dem nicht nur in USA eine monopolistische Stellung im Markt für Online-Netzwerke vorgeworfen wird.


In dieser Woche wurde von einem US Gericht in Washington im zweiten Anlauf eine Klage der US-Kartellbehörde FTC (Federal Trade Commission) zugelassen, die 10 bzw. 8 Jahre nach den Akquisitionen von Instagram und WhatsApp den Verkauf dieser Plattformen einfordert. Was nichts anderes als eine zwangsweise Zerschlagung des Meta Konzerns bedeuten würde.


Ich persönlich glaube nicht, dass es soweit kommen wird. Aber ich denke dass sich dieser Rechtsstreit nun über viele Jahre und etliche Instanzen hinziehen wird und chon jetzt die Weiterentwicklung des Unternehmens lähmt.


Schon heute können von Meta keine entscheidenden Akquisitionen mehr getätigt werden. Zuletzt blockierte der UK-Regulator sogar die aus meiner Sicht eher harmlose Übernahme von Giphy durch Meta.


Die erfolgsversprechenden neuen Projekte der jüngeren Vergangenheit von Meta sind allesamt gescheitert bzw. haben sich auf unbestimmte Zeit verzögert, weil die Regulatoren weltweit sie blockieren.


Für mich war insbesondere der Aufbau des blockchain basierten Zahlungssystems Diem (anfangs ging es da um die Krypto-Währung Libra) vielversprechend. Die Einführung des geplanten Stable-Coins ist jedoch bisher an zahlreichen Widerständen gescheitert.


Die seit Jahren angekündigte Monetarisierung von WhatsApp durch eine Payment-Funktionalität ist bis heute über Pilotprojekte in Indien nicht hinausgekommen. Die Facebook-eigene Krypto-Wallet Novi (vormals Calibra) gibt es bis heute ebenfalls nur im Rahmen von Pilotprojekten und droht gemeinsam mi Diem zu scheitern.


Der ehemalige Paypal Chef David Marcus, der jahrelang für all diese Financial Products bei Facebook verantwortlich war, hat den Meta Konzern entnervt zum Jahresende verlassen.


Meta kann oder will seine Nutzer nicht schützen


In den vergangenen Monaten wurden die Vorwürfe der ehemaligen Facebook Mitarbeiterin Frances Haugen in großer Breite öffentlich diskutiert. Sie wirft dem Meta Management vor, belastbare empirische Studien wissentlich zu ignorieren, welche belegen, dass Facebook und Instagram negativ auf die Gesundheit von Teenagern wirken.


Ich halte Frances Haugen für glaubwürdig und empfehle jedem Facebook Aktionär die Lektüre der sogenannten Facebook Files des Wall Street Journals (Paywall).


Weiter will mich an diesen Spekulationen nicht beteiligen, sondern an dieser Stelle stattdessen eine persönliche Erfahrung schildern:


Ich habe in den vergangenen Wochen als relativ unbedeutender Instagram-User (mit weniger als 10.000 Followern) die direkte Erfahrung gemacht, dass der massenhafte Identitätenklau auf Instagram toleriert oder vom Unternehmen zumindest nicht entscheidend verfolgt wird.





Immer wieder tauchen von mir wie von tausenden anderen kleinen und größeren Influencern mehr oder weniger gut gemachte Fake-Profile auf. Das sind Betrüger, die unter meinem leicht verfälschten Namen gutgläubige Follower direkt kontaktieren, um sie z.B. mit irgendwelchen angeblichen heißen Aktientipps von mir abzuzocken.


Manchmal werden solche Fake-Profile von Instagram nach der massenhaften Meldung durch meine Follower gesperrt, aber ich hatte zuletzt den Eindruck, für jedes gesperrte Profil tauchen mehrere neue auf. Zuletzt bekam ich sogar die Nachricht von Instagram, ein offensichtlicher Betrüger würde von ihnen nicht gesperrt, weil er nicht gegen die “Gemeinschaftsrichtlinien” verstoßen habe.



Ich schliesse daraus: Entweder gibt es seitens des Unternehmens eine Duldung dieser kriminellen Machenschaften auf der Instagram Plattform oder aber es scheitert nicht am Willen sondern an den Fähigkeiten bei Meta, das zu unterbinden. Was wäre wohl schlimmer?


In jedem Fall ist das kein Unternehmen an dem ich noch länger beteiligt sein möchte.


Nicht jede Cash-Maschine ist ein langfristig gutes Investment


Ich bin von meiner Ausbildung her Wirtschaftsmathematiker und von meinem Typus her eigentlich ein rational handelnder Zahlenmensch. Daher fällt mir der Abschied von der Facebook Aktie auch sehr schwer. Denn das Zahlenwerk sieht nach wie vor erstklassig aus, in der HGI-Analyse bei aktien.guide steht die Meta Aktie im Vergleich zu über 6.500 anderen Aktien auf der Topscorer-Liste ganz weit vorne.


Ich erwarte von Meta auch in der Zukunft weiter steigende Umsätze und Cashflows. Die Gelddruckmaschine wird noch auf absehbare Zeit weiter laufen wie geschmiert.


Allerdings erwarte ich wie schon in der Vergangenheit eine weiter sinkende Bewertung der Meta Aktie. Deren KGV ist in den vergangenen 5 Jahren seit meinem Investment von über 40 auf 23 gesunken. Das EV/Sales-Verhältnis sank von über 12 auf unter 8 ab.


Meta Aktie bei aktien.guide analysieren


Das bedeutet die Aktie ist derzeit günstig zu haben - gerade im Vergleich zu den anderen Big Tech Aktien, die sich in den letzten Jahren erheblich verteuert haben.


Aber ich halte es für gut vorstellbar, dass diese Tendenz zu immer niedrigeren Bewertungen anhält und Meta in 5 oder 10 Jahren vielleicht nur noch mit einem KGV von 10-15 gehandelt wird. Denn immer mehr Investoren könnten ethische Bedenken haben oder vor den rechtlichen Unsicherheiten zurückschrecken und die Aktie trotz der relativ niedrigen Bewertung meiden.


Ich bin ein großer Social Media Fan und bedaure auch von daher, dass ich nun diese Entscheidung treffen musste. Facebook hat mit seinen Plattformen die Medienwelt entscheidend verändert, tausenden von Influencern phantastische Perspektiven gegeben und die wohl effizientesten Werbemöglichkeiten für Millionen von kleinen Unternehmen geschaffen.


Aber der Konzern ist außer Kontrolle geraten. Es muss und wird sich Grundlegendes im Meta Konzern verändern. Ein Management-Wechsel an der Firmenspitze würde sicher nicht alle Probleme lösen. Er ist aber wohl unabwendbar, um das zerstörte Vertrauen wiederherzustellen und eine vernünftige Arbeitsbeziehung mit den Regulatoren und Kartellbehörden zu schaffen.


Ich werde Meta ab sofort weiter von der Seitenlinie aus beobachten. Hier kannst Du jetzt meinen kostenlosen High-Growth-Investing Newsletter abonnieren, um garantiert keine Beiträge zu verpassen. Und hier kannst Du mir auf Instagram folgen - Kein Fake. ;-)


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