• Stefan Waldhauser

Tesla Aktie - Mein größter Irrtum!?


Auf keine andere Aktie werde ich so häufig angesprochen wie auf Tesla. Die Aktie ist in aller Munde. Ich habe das Gefühl mittlerweile ist bzw. war fast jeder Kleinanleger dort investiert. Einige haben dank Elon Musk das erste Mal in ihrem Leben sogar einen Tenbagger im Depot, also eine Aktie, die sich in ihrem “Wert” verzehnfacht hat.


Immer wieder sprechen erfolgreiche Tesla-Investoren mich auf meinen wohl größten Irrtum der letzten Jahre an. Neulich bekam ich sogar eine bitterböse Email von einem ehemaligen Tesla-Aktionär, der mich für seine entgangenen Gewinne verantwortlich machte, da er seine Tesla-Aktien nach einem negativen Beitrag von mir verkauft hatte.


Da hört dann allerdings der Spaß auch für mich auf… jeder Leser sollte sich darüber im Klaren sein, dass ich auf meinen Blogs meine persönliche Meinung wiedergebe aber KEINE ANLAGEBERATUNG erbringe.


Dennoch bin ich selbstkritisch genug, um meinen Irrtum gerne offen einzugestehen. Im Falle Tesla lag ich seit Jahren furchtbar falsch mit meiner überaus skeptischen Einschätzung. Zur Erinnerung: Im Januar 2018 hatte ich auf diesem Blog erklärt, warum ich als Tesla-Fan in BMW und Porsche Aktien investiert habe. Damals hatte ich orakelt, dass Tesla bis Anfang 2021 übernommen werden würde und zwar zu einem Übernahmepreis von weit unter dem damaligen Enterprise Value von $65 Mrd.


OMG - wie konnte ich da nur dermaßen daneben liegen? Heute sind wir alle schlauer: Nur 3 Jahre später beträgt der Tesla Enterprise Value $836 Mrd., die Tesla Aktie hat sich von 63$ (splitbereinigt) auf zuletzt 880$ im Wert um den Faktor 14 verteuert.


Tesla ist also ein waschechter Tenbagger für all diejenigen, die schon vor 3 Jahren (im Gegensatz zu mir) an die Elon Musk Erfolgsstory geglaubt haben. Er selbst ist seit einigen Tagen zum reichsten Menschen auf diesem Planeten avanciert und hat vielen seiner Aktionäre zumindest auf dem Papier ein Vermögen beschert. Herzlichen Glückwunsch!


Vom Übernahmekandidat zum Aufkäufer


Seit 2018 hat sich bei Tesla fundamental tatsächlich vieles zum Besseren gewendet. Tesla hatte seinerzeit eine schwache Bilanz, war hochverschuldet und ich bin damals davon ausgegangen, dass das Unternehmen in ernste existenzielle Schwierigkeiten geraten und daraufhin an einen weißen Ritter verkauft werden könnte, der Tesla vor einer drohenden Insolvenz bewahrt.


Von Zahlungsschwierigkeiten und einer drohenden Überschuldung redet heute keiner mehr. Denn nach etlichen Kapitalerhöhungen, die aufgrund des exorbitanten Kursniveaus nicht einmal zu einer nennenswerten Verwässerung der Altaktionäre geführt haben, ist Tesla durchaus solide aufgestellt und agiert aus einer Position der Stärke heraus.


Ich kann mir nun im Gegenteil durchaus vorstellen, dass das ehemals Unvorstellbare geschieht und Tesla in den kommenden Jahren derjenige ist, der einen (oder mehrere) Automobilhersteller zum Schnäppchenpreis schluckt.


Der Enterprise Value von BMW beträgt derzeit z.B. ca. $170 Mrd. also ca. 20% der Tesla Bewertung, die BMW Aktie wird damit unter Buchwert gehandelt. Ich bin mir sicher, dass Elon Musk auf Basis der aktuellen Bewertungen liebend gerne über eine Fusion von Tesla und BMW verhandeln würde. Allerdings gehe ich derzeit fest davon aus, dass die Familie Quandt / Klatten als BMW Großaktionäre mit ihrer Sperrminorität zumindest zum jetzigen Zeitpunkt etwas gegen einen solchen Deal einzuwenden hätten.


Aber es gibt in der Branche ja auch noch andere Premium-Hersteller, die für Tesla besonders interessantes Produktions-Know-How und Produktionskapazitäten besitzen. Ich denke mittlerweile, dass Tesla in den kommenden Jahren wohl aktiv zur Konsolidierung der Branche beitragen wird. Aus der Sicht möglicher Unternehmenszusammenschlüsse ist Tesla jetzt ganz klar der Jäger und nicht mehr der Gejagte.


Aber ist die Tesla Aktie deshalb jetzt interessant?


Der Hype um die Tesla Aktie


Der folgende Chart sieht vielleicht auch für Dich auf den ersten Blick so aus wie der Chart des Tesla-Aktienkurses.



Dieser EV/Sales Chart von Aktien.Guide zeigt aber nicht den Aktienkurs sondern vielmehr die Entwicklung des Tesla Enterprise Value / Sales Verhältnisses (EV/Sales) in den letzten 3 Jahren an. Er beantwortet also die Frage wie teuer die Tesla Aktie im Zeitablauf war bzw. heute ist.


Falls Du nicht genau weisst was es mit dem EV/Sales-Verhältnis auf sich hat, dann empfehle ich Dir den (kostenlosen) Download des E-Books zu den Grundlagen meiner High-Growth-Investing-Strategie. Wenn Du in Wachstumsaktien wie Tesla investierst, dann solltest Du diese Bewertungskennzahl unbedingt verstanden haben.


Die Tesla Aktie war in den letzten Jahren schon immer teuer - wie die meisten erstklassigen Technologiefirmen auf diesem Planeten. Die besten Firmen der Welt werden an der Börse zu Premium Preisen gehandelt und sind dennoch regelmäßig ein gutes Investment. Das ist keine Frage.


Im Falle Tesla reden wir aber nicht mehr über einen normalen Premium-Preis. Das EV/Sales-Verhältnis der Tesla-Aktie schwankte bis zum Sommer 2020 zwischen 2 und 7. Zum Vergleich: Daimler, VW oder werden aktuell zu einem EV/Sales Verhältnis zwischen 1,1 und 1,4 gehandelt.


Seit einigen Monaten jedoch explodierte die Tesla-Aktie und mit ihr das EV/Sales Verhältnis, das mittlerweile auf fast 30 hochgeschossen ist.


Das ist ein ausgewachsener Hype, der fundamental durch nichts zu begründen ist. Jedenfalls nicht durch die in den kommenden Jahren stattfindende Weiterentwicklung von Tesla als Nischenhersteller zum Volumenproduzenten von E-Autos. Kein Mobilitätsanbieter dieses Planeten ist in absehbarer Zukunft $1.000 Mrd. wert. Dafür sind diese Märkte einfach nicht groß genug. Selbst wenn Tesla alle Premium-Automobilhersteller dieser Welt kostenlos übernehmen würde, wäre eine solche Bewertung nicht gerechtfertigt.


Ich kenne natürlich die Argumente der Tesla-Bullen, die der Meinung sind, man dürfe Tesla nicht als Automobilhersteller bewerten. Leider fehlt mir die Phantasie, um die noch viel größeren Visionen von Elon Musk in ein noch höheres Kursziel zu übersetzen.


Apropos Elon Musk: Ich hatte in einem früheren Beitrag zur Blasenbildung an den Tech-Börsen schon mal seinen Tweet vom 1. Mai 2020 zitiert. Er war damals der Meinung die Tesla Aktie sei mit einem Preis von (splitbereinigt) 140$ zu teuer.

Tesla hat seitdem geliefert und seine Ziele weitgehend erreicht. Nicht viel mehr aber auch nicht weniger und das ist aller Ehren wert. Dennoch wird die Tesla Aktie heute sage und schreibe 500% teurer gehandelt als zum Zeitpunkt dieses Tweets vor gerade mal 8 Monaten. Das ist der Stoff aus dem die Börsen-Blasen sind.


Wann platzt die Tesla Blase?


Leider interessiert die meisten unerfahrenen Aktionäre nur die Steigerung der Kurse ihrer Aktien. Viele haben zwar inzwischen realisiert, dass Tesla wohl eigentlich zu teuer ist, aber sie sind gierig und wollen gerne zum Höhepunkt dieser Kursexplosion verkaufen. Wann das sein wird, das weiß kein Mensch. Kann die Tesla Aktie nochmals weitere 30% oder 50% oder gar 100% zulegen?


Klar, warum nicht? Solange es mehr Anleger gibt, die Tesla Aktien kaufen wollen als Verkaufswilige, solange wird der Kurs weiter steigen.


Hier eine (nicht ganz ernst gemeinte) technische Analyse mit Kursziel 1.000$ aus einem Tweet von @ParikPatelCFA, die ich sehr gelungen finde:



Mittel- und langfristig wird sich der Tesla-Kurs seinem echten Wert in der realen Welt wieder annähern. Und der liegt bei einem Bruchteil des jetzigen Kurses. Je höher es jetzt noch geht, desto tiefer wird der Absturz sein.


Fazit


Ich möchte zum Abschluss anstelle eines Fazits lieber eine Empfehlung an Euch aussprechen:


Ich kann gut nachvollziehen, wenn ihr Euch über den ersten Tenbagger in Eurem Depot freut und ich freue mich mit Euch. Aber bitte achtet auf eine ordentliche Diversifikation Eures Aktien-Portfolios.


Falls eine einzige Aktie aufgrund einer Kursexplosion plötzlich 30%, 40% oder gar 50% Eures Gesamtdepots ausmacht, so denkt doch bitte mal zumindest über eine teilweise Realisierung Eurer Buchgewinne nach.


Solltet ihr dann weitere Kursgewinne verpassen (was kurzfristig nicht unwahrscheinlich ist), dann könnt ihr Euch immer noch damit trösten, dass ihr das freigewordene Geld in andere vernünftig bewertete Aktien anlegen könnt. Vor allem aber habt ihr dann einen wichtigen Schritt in Richtung eines vernünftig diversifizierten Depots gemacht. In diesem Beitrag hatte ich meine Exit-Strategie mal beschrieben: Mit der richtigen Exit-Strategie zum Tenbagger.


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Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.








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